Die Hochwassergefahr in Brandenburg wächst. Am stärksten betroffen sind die Spree zwischen der Landesgrenze zu Sachsen und der Talsperre Spremberg. Auch die Schwarze Elster bereitet auf Brandenburger Seite Sorgen. Am Montag wurden für den Spree-Neiße-Kreis und die Pegel Bad Liebenwerda und Herzberg die zweithöchste Warnstufe ausgerufen.

An der Schwarzen Elster in Mühlberg erwarten die Experten für Dienstag sogar die höchste Warnstufe 4. Unterdessen bereitet sich die Bundeswehr auf einen möglichen Einsatz bei der Eindämmung des Hochwassers vor.

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Banger Blick auf Brandenburgs Deiche

Innenminister Dietmar Woidke (SPD) aktivierte deshalb das Koordinierungszentrum „Krisenmanagement“ des Landes. „In den nächsten Stunden und Tagen müssen wir insbesondere an Elbe, Elster, Spree und vielleicht der Neiße mit schwierigen Situationen rechnen, weil aus Sachsen erhebliche Wassermengen zu uns dringen“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

Das diesjährige Elbehochwasser könnte Brandenburg aus seiner Sicht ähnlich stark treffen wie das Hochwasser 2002. Im Gegensatz zu damals sei man aber besser vorbereitet, sagte Platzeck der „Lausitzer Rundschau“. Die Schäden wurden damals auf mehr als 200 Millionen Euro beziffert. Platzeck erkundigte sich vor Ort über die Lage: „Insbesondere die Deichbaustelle in Mühlberg, die allen Sorgen macht, scheint rechtzeitig gesichert werden zu können. Alle Beteiligten arbeiten unter Hochdruck“.

An der Spree geht der Blick zur Talsperre Bautzen. „Die ist randvoll und droht in der Nacht zu Dienstag überzulaufen“, sagte der Sprecher des Landesumweltamtes, Wolfgang Genehr, in Cottbus. Noch gibt diese noch 20 Kubikmeter die Sekunde ab. „Wenn sie überläuft, wird es kritisch“, erklärte Genehr. In diesem Falle drücken mehr als 100 Liter die Sekunde in Richtung Spremberg. Die höchste Warnstufe 4 sei dann die Folge.

Vollaufende Talsperren lassen Wasser auf

Bereits jetzt steige der Wasserstand zwischen der Landesgrenze zu Sachsen und der Talsperre Spremberg unaufhörlich. „Der Hochwasser-Stauraum ist schon bis zu einem Viertel gefüllt“, erklärte Genehr. Daher muss mehr Wasser abgelassen werden. Dabei sei in Kauf zunehmen, dass noch mehr Eisenschlamm aus der Talsperre in Richtung Spreewald gespült werde. „Wir haben keine andere Chance, sonst bricht uns der Damm“, sagte Genehr.

„Das ist genau das Horrorszenario, was wir befürchtet haben“, sagte Jana Eitner vom Aktionsbündnis „Klare Spree“. Die weitere Verschmutzung des Wassers im Spreewald sei die Folge. Die Sprecherin forderte schnelle Maßnahmen, um die rostbraune Verfärbung durch die Tagebauschlämme „ein für alle Mal zu stoppen.“

An der Schwarzen Elster blicken die Experten des Landesumweltamts bang in Richtung Sachsen. „Da haben wir einen erheblichen Zufluss aus dem Nachbarbundesland“, sagte Genehr. Über die Flüsse Große Röder und Pulsnitz werde unterhalb von Bad Liebenwerda sehr viel Wasser in die Schwarze Elster gedrückt.

Wachsende Kritik am Zustand der Deiche

Die Bürgermeister klagen unterdessen über den Zustand der Schutzanlagen. „Seit dem letzten Hochwasser 2010 ist in Sachen Deichsanierung wenig bis gar nichts geschehen“, sagte der Bürgermeister von Bad Liebenwerda, Thomas Richter (CDU).

Auch sein Herzberger Amtskollege, Michael Oecknigk (CDU), zeigte sich verstimmt. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) habe zwar am Montag telefonisch Unterstützung zugesichert. „Aber das ist die Hilfe in der Not. Hochwasserprävention hingegen findet gar nicht statt.“ Platzeck erklärte, dass die wesentlichen Schadstellen an der Schwarzen Elster zwar beseitigt wurden, „aber die grundsätzliche Sanierung steht hier noch bevor.“

Berliner Feuerwehrleute und THW-Helfer im Einsatz

130 ehrenamtliche Helfer des Technischen Hilfswerkes (THW) und 200 Feuerwehrleute aus Berlin sind seit Sonntagnacht in den Katastrophengebieten Sachsens im Einsatz. Mit spezieller Technik helfen sie die Ausmaße der Überflutungen an der Mulde, weißen Elster und der Saale in Sachsen Anhalt in Grenzen zu halten. Dabei geht es darum, mit Hilfe der Spezialtechnik des THW in den betroffenen Gebieten den Hochwasserschutz zu sichern.

So werden derzeit gemeinsam mit Angehörigen der Bundeswehr die Deiche entlang der Flüsse verstärkt. Drei Fachgruppen des THW sichern in den Hochwassergebieten die Elektroversorgung. Sie kommen aus Lichtenberg, Steglitz und dem Landkreis Eberswalde. Mit ihren mobilen Elektrizitätskraftwerken sind die ehrenamtlichen Helfer des THW in der Lage, die notwendigen Stromabschaltungen in den Überflutungsgebieten zu überbrücken und so betroffene Ortsteile mit Strom zu versorgen.

Zwei weitere Fachgruppen aus Pankow und dem Landkreis Cottbus haben schweres Räumgerät im Gepäck und sind darauf spezialisiert die Aufräumarbeiten in den Gemeinden zu unterstützen. Mit der Spezialtechnik rücken sie in den Ortschaften der Hochwassergebiete den angeschwemmten Schlamm und Geröll zu Leibe. Drei weitere Gruppen des THW, sie kommen aus Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz, bringen leistungsfähige Wasserpumpen zum Einsatz.

Mit ihnen werden in einer Minute 5000-Liter Wasser gepumpt. Und nicht zu unterschätzen sind zwei weitere Fachgruppen, die ebenfalls das Berliner THW stellt. Das sind zum die Spezialisten für Kommunikation, die eine Zentrale zur Koordinierung der Arbeiten im Katastrophengebiet betreiben und die Versorgungsgruppe, die Einsatzkräfte mit Speisen und Getränken versorgt.

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dpa/plet/mim