Es ist eines der Vorzeigeprojekte Brandenburgs auf dem Weg zur Energiewende: das Wasserstoff-Hybridkraftwerk in Prenzlau. Es vernetzt Wind, Biogas und Wasserstoff. Vor anderthalb Jahren ging das ambitionierte Pilotprojekt ans Netz. Die Zwischenbilanz der Betreiber ist positiv: „Die Technik ist serienreif“, sagt Robert Döring, Sprecher der Enertrag AG. „Das Interesse ist riesengroß und global.“
Im Oktober 2011 wurde das Hybridkraftwerk in der windigen Uckermark in Betrieb genommen. Dort installierte Windräder erzeugen zunächst auf gewohnte Weise Strom, der ins Netz eingespeist wird. Überschüssiger Strom geht nicht verloren, damit wird Wasserstoff erzeugt. Dieser lässt sich in Tanks speichern und kann über Blockheizkraftwerke, gemischt mit Biogas, wieder in Strom verwandelt werden. Wasserstoff kann auch ins Gasnetz eingespeist und als Kraftstoff abgefüllt werden.
Die Bundesregierung sieht Wasserstoff als Energieträger, der einen wichtigen Beitrag im Energiesystem der Zukunft leisten kann. Ein langfristiges nationales Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie wurde aufgelegt. Für das gemeinsame Forschungsprogramm von Wissenschaft und Industrie stehen bis 2016 etwa 1,4 Milliarden Euro bereit.
Wasserstoff als Energie für Autos
Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes, Johannes Töpler, ist sicher: „Wasserstoff wird als speicherbarer Sekundärenergieträger eine zentrale Rolle in der Nutzung erneuerbarer Primärenergien spielen.“
Seit Inbetriebnahme erzeugt das Kraftwerk Wasserstoff aus Windkraft. Es sei so ausgelegt, dass der an einem Tag hergestellte Wasserstoff nach der Verarbeitung zu Treibstoff für eine Strecke von 25.000 Kilometern reiche, erläutert Döring. Doch bislang nutzten nur wenige Test-Fahrzeuge verschiedener Automobilhersteller diesen Kraftstoff. Die Reichweite liege bei 300 bis 600 Kilometern, die Ladezeit bei nur drei bis fünf Minuten. Mit der Markteinführung der ersten Wasserstoff-Autos sei 2015 zu rechnen.
Im Bereich Wind und Wärme gibt es nach den Angaben aber noch rechtliche Hürden. Etwa gibt es noch keine hinreichende Regelung zur künftigen Besteuerung von Wasserstoff als Kraftstoff. Und wie wird der Energieträger vergütet, wenn er ins Gasnetz eingespeist wird? Döring: „Jetzt liegt es an der Politik, die Energiewende durch die richtigen Weichenstellungen zügig voranzutreiben.“
Abbau bürokratischer Hürden beim Energieträger Wasserstoff
Auch Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) dringt auf raschen Ausbau der Netze, sieht hier allerdings vor allem den Bund in der Pflicht. Dieser müsse dafür sorgen, dass die Kosten für den Netzausbau fair verteilt würden.
Auch die Grünen fordern einen raschen Abbau der bürokratischen Hürden beim Energieträger Wasserstoff. „Wir brauchen klare, rechtlich normierte Einspeisevorschriften“, sagt Fraktionschef Axel Vogel. Auch die Landesregierung könne mehr dazu beitragen, dass Pilotprojekte wie das in Prenzlau erfolgreich werden – etwa durch die Förderung von Wasserstoff tankenden Autos im öffentlichen Nahverkehr.
dpa


