20 vermummte und mit Gewehren bewaffnete Männer haben am Sonntag eine Setpol-Tankstelle zwei Kilometer hinter der deutsch-polnischen Grenze bei Schwedt besetzt. Das berichtet die Märkische Oderzeitung. Hintergrund der Aktion ist demnach ein Streit zweier Firmen um die Tankstelle.
Die Männer waren gegen 2 Uhr am Sonntagmorgen mit mehreren Autos auf das Tankstellengelände gefahren. Sie trugen Sturmhauben, schusssichere Westen und hatten Gewehre. Zunächst glaubten die Mitarbeiter der Tankstelle, es handele sich um einen Überfall.
Nach Angaben von Augenzeugen sollen die Männer die Tankstelle wortlos besetzt haben. Sie blockierten die Einfahrten mit Autos und zogen ein Absperrband um das Gelände. Die Mitarbeiter ließen sie gehen. Am Morgen danach kehren diese jedoch wieder zurück zu ihrem Arbeitsplatz. Dabei soll es zu Handgreiflichkeiten gekommen sein.
Von Polizei umstellt
Am Vormittag umstellten Einheiten der polnischen Polizei die Tankstelle. Sie waren dem Vernehmen nach ebenfalls mit schusssicheren Westen ausgestattet. Sie griffen jedoch nicht ein. Nach Angaben eines Polizeisprechers sollten sie mit ihrer Anwesenheit nur verhindern, dass die Situation eskaliert. Sie zogen sich am Nachmittag in die Umgebung zurück.
Die bewaffneten und vermummten Männer hielten weiterhin die Tankstelle besetzt. Bei ihnen soll es sich nach polnischen Angaben um Personal einer Sicherheitsfirma handeln, vermutlich engagiert von der Firma Apexim. Die Setpol-Station wird jeden Tag von vielen Brandenburgern genutzt, weil sie die erste Tankmöglichkeit hinter der deutsch-polnischen Grenze ist.
Hintergrund des bewaffneten Einsatzes ist dem Vernehmen nach ein seit Jahren währender Streit um die Tankstelle. Der Kraftstoffhändler Apexim, der nach eigenen Angaben 14 Tankstellen betreibt, hatte im Sommer 2012 das Grundstück der Tankstelle in Krajnik Dolny für 22 Millionen Zloty (5,4 Millionen Euro) von der Gemeinde Chojna gekauft. Damit soll Apexim den jetzigen Mieter Stefan Tarnowski mit seiner Firma Setpol offenbar deutlich überboten haben. Tarnowski soll ein Vorkaufsrecht gehabt haben. Tarnowski versuchte, gegen den Kauf durch Apexim vorzugehen, unterlag dem Vernehmen nach jedoch.
Mit seinen Anwälten kam er am Vormittag ins Büro der Tankstelle und versuchte mit Vertretern von Apexim zu verhandeln. die Aktion blieb aber offenbar ohne Ergebnis. „Ich bin geschockt über diese nicht legale Aktion von Apexim“, sagte Stefan Tarnowski der Märkischen Oderzeitung. „Wir haben einen Pachtvertrag bis 2015. Wir werden den Geschäftsbetrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen.“ Tarnowski möchte nun seinerseits eine Sicherheitsfirma engagieren, um die Tankstelle wieder öffnen zu können.
Die Tankstelle in der deutsch-polnischen Grenzregion ist ein lukratives Geschäft. Nach einem Bericht der „Gazeta Chojenska“, soll sie durch die vielen Deutschen, die dort tanken, rund 1,4 Millionen Zloty (341.000 Euro) Nettogewinn pro Jahr einbringen.
BM

