Ein junger Elch ist am Wochenende beim Überqueren einer Autobahn nahe Berlin getötet worden. Das imposante Wildtier – Elche werden bis zu drei Meter lang und 800 Kilogramm schwer – wurde am Sonnabend auf der A10, dem südlichen Berliner Ring, von einem Auto angefahren. Der Elch überlebte zunächst, wurde dann aber von einem Lastwagen erfasst und starb. Bei dem Unfall wurde ein Autofahrer verletzt. Der 29-Jährige Autofahrer erlitt Kopfverletzungen und kam zur stationären Behandlung in eine Klinik. Die Strecke war zeitweise gesperrt.

Nach Angaben der Autobahnpolizei Bernau handelte es sich um einen jungen, etwas drei Jahre alten Bullen. „Er hatte schon ein Geweih, das war aber noch nicht so groß“, sagte eine Sprecherin am Sonntag. Die Autobahnmeisterei Erkner beseitigte die Überreste des Elches. Zunächst war unklar, was mit ihnen geschieht. Das Tier soll etwa 500 Kilogramm schwer gewesen sein.

Woher der getötete Elch stammte, war zunächst unklar. Die Polizei in Bernau vermutete, dass Tier sei über die Oder aus Polen nach Deutschland gekommen. „Anfangs dachten die Beteiligten noch, es handelt sich um einen Hirsch“, sagte ein Polizeisprecher.

Nach Angaben des Landesjagdverbands Brandenburg unterliegt die Entsorgung strengen Vorschriften. „Wild, das bei einem Verkehrsunfall getötet wurde, darf nicht in den Lebensmittelhandel gelangen“, sagte Verbandsgeschäftsführer Bernd Möller. Nach dem europäischen Veterinärrecht sei der Verkauf nicht erlaubt. Verstöße würden strafrechtlich geahndet.

Elche tauchen immer öfter in Deutschland auf

Elche tauchen zunehmend wieder in Brandenburg auf. Etwa 70 bis 100 Mal wurden sie dort seit 1990 gesichtet, sagte Diplom-Forstingenieur Jan Engel vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE). Vor allem Jäger in den Gegenden an Oder und Neiße meldeten solche Erlebnisse. Auch Engel ist schon Elchen begegnet: „Das ist eine ganz eigenartige, wunderschöne Beobachtung. Man kommt sich vor wie in der größten Wildnis von Skandinavien“, sagte der 42-Jährige.

Die Geschäftsführerin des Wildparks Schorfheide, Imke Heiter, ist wenig verwundert über das zunehmende Auftauchen des Elchs. „Er gehört zu den einheimischen Tieren“, sagte sie. In ihrem Park gibt es drei Exemplare. Auch in freier Wildbahn sei die Hirschart seit den 1970er Jahren oft gesehen worden. „Das sind ganz alte Wildwechsel, wohin die Tiere zurückkehren“, erklärte Heiter.

Nach Angaben von Forstingenieur Engel gab es schon immer Elche in Brandenburg. „Er war aber hier nie so richtig heimisch wie in Polen oder noch weiter östlich, sondern zog immer mal durch. Zu DDR-Zeiten wurde er sogar gejagt“, sagte der Fachmann.

Verkehrsunfälle mit Elchen sind vor allem aus Skandinavien bekannt. Aber auch in Brandenburg gab es in der Vergangenheit schon Unfälle. Im August 2000 verendete ein Elch nach einem Zusammenstoß mit einem Linienbus im Spreewald, teilte das Agrarministerium mit. Insgesamt wurden seit der Wiedervereinigung acht tote Tiere in Brandenburg gefunden.

Weil insbesondere Brandenburgs Jäger seit Jahren immer häufiger Elche in den Wäldern beobachten, ist das Agrarministerium an einer Bestandsaufnahme interessiert. Die Forschungsstelle Wildökologie und Jagdwirtschaft beim LFE soll bis Jahresende einen Managementplan erstellen, der Empfehlungen zum Umgang mit den Tieren gibt.

„Elche sind im Straßenverkehr wesentlich gefährlicher als Rehwild“, sagte Möller vom Landesjagdverband. „Aufgrund ihrer Höhe reichen sie bis in die Fahrerkabine eines Autos.“ Die Autobahnen in Deutschland seien inzwischen generell sehr gut gesichert gegen Wildwechsel. Doch trotz einer Höhe von etwa zwei Metern würden Wildzäune mitunter auch von Rotwild überwunden – für einen Elch also kein Hindernis. „Diese Tiere bevorzugen jedoch sehr große Flächen“, so Möller. „Darum ist zu befürchten, dass sie zwangsläufig mit dem Straßenverkehr in Berührung kommen.

dpa/sei