Die Potsdamer Ortsgruppe der Hells Angels hat sich aufgelöst. Auf der Internetseite der Rocker heißt es: „Das Charter HAMC Potsdam ist aufgelöst und die dazugehörigen Support Clubs.“ Gründe werden nicht genannt. Die Hells Angels könnten damit aber einem Verbot zuvorgekommen sein. Das wurde auf der Internetseite mitgeteilt. Ein Rocker bestätigte die Auflösung des Clubs und örtlicher Unterstützer-Gruppen. Was aus dem Clubhaus in der Potsdamer Charlottenstraße werde, sei noch unklar. Der Polizei ist der Vorgang bekannt. „Wir haben aber derzeit keine weiteren Erkenntnisse“, sagte eine Sprecherin am Sonnabend.
„Man kann beobachten, dass die Szene in den vergangenen Tagen sehr in Bewegung gekommen ist“, sagte ein Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums. Die Auflösung scheine ein Ausdruck dessen zu sein. „Sie wird aber nicht dazu führen, dass wir den Druck zurücknehmen“, so der Sprecher weiter. Es gebe zahlreiche andere Orte in Brandenburg, in denen die Rocker aktiv seien. „Das Problem ist nach wie vor vorhanden.“
„Wir beobachten die Lage sehr genau“, sagte der Ministeriumssprecher. Zugleich kündigte er an, dass die Polizei weiter Druck auf die Szene ausüben werde. „Nur weil sich ein Charter auflöst, ändert sich an der Gesamtlage nichts, die Personen existieren ja weiter“, sagte der Sprecher. In Brandenburg gebe es um die 400 Rocker. Das sei eine „Menge an Potenzial“, das es zu beobachten gelte.
„Es gibt keine neuen Anhaltspunkte, was zur Auflösung des Charters in Potsdam führte“, sagte der Sprecher. Klar sei aber, dass es eine Folge der zunehmenden Unruhe in der Szene nach den massiven Polizeiaktionen der vergangenen Tage sei.
Szene steht unter intensiver Beobachtung
Die Rocker-Szene in Berlin und Brandenburg steht seit einigen Tagen unter besonders intensiver Beobachtung. Es hat mehrere Razzien gegeben. Auch das Potsdamer Vereinshaus der „Höllenengel“ war zweimal durchsucht worden. Die Polizei ermittelt wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Auslöser war ein Verbot der Hells Angels in Berlin: Der Senat hatte die einflussreichste Hauptstadtgruppe verboten. Mehrere Mitglieder der Berliner Hells Angels und der verfeindeten Bandidos waren zuvor zu den Brandenburger Rockern übergelaufen. Seitdem rumort es kräftig in der Szene, und die Polizei befürchtet Racheakte. Am vergangenen Sonntag war der Chef der Berliner Hells Angels Nomads niedergeschossen worden. Ihm geht es nach Tagen im Koma mittlerweile aber wieder besser. Wer hinter dem Attentat steckt, ist bislang aber unklar.
Unterdessen geht die Suche nach einem „Maulwurf“ bei der Berliner Polizei im Zusammenhang mit einer Razzia in der Rockerszene nach Darstellung der amtierenden Polizeipräsidentin Margarete Koppers weiter. Sie teile zwar die Einschätzung, dass in diesen Gruppierungen über ein Verbot und entsprechende Razzien spekuliert worden sei, sagte Koppers am Sonnabend im RBB-Inforadio.
Es gebe jedoch „dezidierte Erkenntnisse“, dass nur einem bestimmten Kreis bekannte Details aus internen Besprechungen an „Spiegel online“ weitergegeben worden seien. Das Landeskriminalamt habe dazu eine Ermittlergruppe eingerichtet.
dpa/dapd/sei

