Im Doppelmord-Prozess gegen den 41-jährigen Vater zweier dänischer Mädchen haben Experten Aussagen des Angeklagten widerlegt. Brandeinwirkungen an seinen Schuhsohlen seien genauso wenig gefunden worden wie Waldboden-Anhaftungen an Hose und Pullover, sagten Sachverständige vom Landeskriminalamt am Dienstag am Landgericht in Potsdam. Der angeklagte Vater hatte angegeben, er habe den Wagen in Brand gesetzt, um gemeinsam mit seinen Kindern zu sterben. In Panik sei er aber dann aus dem Auto gesprungen und habe sich auf dem Waldboden gewälzt, um Flammen zu löschen.

Ein Kfz-Gutachter stellte fest, dass der 41-Jährige nicht länger als zwei Sekunden im brennenden Fahrzeug-Innenraum gewesen sein kann. Er sagte zudem, dass der Autofußboden bis auf den Fahrerbereich mit Benzin durchtränkt war.

Der Däne ist wegen Mordes aus niederen Beweggründen angeklagt. Er hatte vor Gericht gestanden, seine Töchter Marlene Marie (10) und Line Sofie (9) im Sommer 2011 in einem Waldstück an der Autobahn 24 bei Börnicke (Havelland) getötet zu haben, in dem er seinen Wagen mit den Mädchen angezündet hat.

Zwei Gerichtsmedizinerinnen erklärten, dass die Töchter des Dänen im Wagen fast bis zur Unkenntlichkeit verbrannt sind. Als Todesursache benannten sie Rauchgasvergiftungen sowie Verbrennungen vierten Grades. Zusätzlich konnte anhand von Blutresten die Einnahme eines Schlafmittels für Erwachsene nachgewiesen werden. Die Dosis bei Marlene Marie und Line Sofie habe der maximalen therapeutischen Dosis für Erwachsene entsprochen. „Zusätzlich könnten Benzinnebel eine narkotische Wirkung hinterlassen haben“, erklärte Rechtsmedizinerin Ragna Dräscher.

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Frank Tiemann schloss die Ärztin nicht aus, dass die Kinder aufgrund der enormen Hitzeeinwirkung und Flammen nicht doch wenige Atemzüge lang geschrienen haben können. „800 Grad heiße Flammen erzeugen beim Menschen einen wahnsinnigen Schmerzreiz“, erklärte Dräscher. Der Angeklagte hatte in seiner polizeilichen Vernehmung noch angegeben, dass Marlene Marie und Line Sofie vor Schmerz geschrien hätten und er sie noch retten wollte.

Am kommenden Donnerstag soll der Prozess mit der Befragung des Ex-Frau des Angeklagten fortgesetzt werden. Mitte März sollte sie schon einmal vernommen werden. Doch wegen eines Selbstmordversuchs des Angeklagten ist ihre Vernehmung auf den 3. Mai verschoben worden.

dapd/tj