Durch die Krise der Solarbranche sind in Frankfurt (Oder) nach Einschätzung der Arbeitsagentur weit mehr als die 1.200 Arbeitsplätze bei First Solar bedroht. „Wir rechnen mit 1.700 bis 1.800 Arbeitsplätzen, die direkt oder indirekt betroffen sind“, sagte am Donnerstag der Sprecher der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder), André Schulz. Zulieferer von First Solar und Transportfirmen hätten bereits angezeigt, dass es Probleme geben könnte. In die Zahl rechnete er auch die Insolvenz der ums Überleben kämpfenden Frankfurter Solarfirma Odersun ein.

Hauptziel sei, viele dieser Menschen bis Oktober in Lohn und Brot zu bringen, sagte der Sprecher. Das Gros der Betroffenen komme aus Frankfurt und dem Umland, viele seien aber auch Pendler insbesondere aus Berlin. Was die 30 Lehrlinge betrifft, seien für kommende Woche bereits Gespräche mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg vereinbart worden. Hier sei aber zunächst das Unternehmen selbst in der Pflicht, den Azubis eine Perspektive aufzuzeigen. Schwieriger werde es sein, den bei First Solar beschäftigten Gehörlosen neue Stellen zu vermitteln.

Der US-Konzern hatte am Dienstag angekündigt, seine beiden Frankfurter Werke zum Herbst komplett zu schließen. Konzernchef Michael Ahearn sagte am Mittwoch bei einem Gespräch mit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zu, dass sich sein Unternehmen am Aufbau einer Transfergesellschaft für die 1.200 Beschäftigten sowie an der Investorensuche für den Standort beteiligen werde. Die beiden Frankfurter Werke sind schon seit Anfang März von Kurzarbeit betroffen.

Weiterzahlung von Kurzarbeitergeld fraglich

Die Arbeitsagentur prüft derzeit, ob weiter Kurzarbeitergeld gezahlt wird. „Wir müssen genau untersuchen, ob die gesetzliche Grundlage noch besteht“, sagte Schulz. Diese Grundlage falle weg, wenn es keine Perspektive für eine Firma mehr gibt. Das sei First Solar bereits mitgeteilt worden.

Im Raum Frankfurt (Oder) hatten sich mit First Solar, Conergy und Odersun in den vergangenen Jahren drei Solarfirmen angesiedelt. Odersun mit 260 Beschäftigten beantragte Ende März Insolvenz.

„Ich hoffe, dass wenigstens Conergy überleben wird, sich vielleicht mit anderen, auch asiatischen Firmen zusammenschließt und Spezialmodule herstellt“, sagte der Leiter des Instituts für innovative Mikroelektronik (IHP) in Frankfurt (Oder), Wolfgang Mehr, der „Märkischen Oderzeitung“. „Man sollte sich drauf konzentrieren, dass man das, was man noch hat, insbesondere Conergy, am Leben hält“, forderte er.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Eisenhüttenstädter Zulieferfirma 5N PV GmbH nach eigenen Angaben nicht durch die Umstrukturierung von First Solar beeinträchtigt wird. Der größte Teil der Produktion des Werks werde ohnehin schon an die Fabriken von First Solar in Malaysia geliefert, teilte das Unternehmen mit. Die kanadische Mutterfirma 5N Plus Inc. hatte in Eisenhüttenstadt im Jahr 2008 eine Fertigungsstätte zur Produktion hochreiner Metalle für die Solarindustrie in Betrieb genommen.

dapd/tj