Die Menschen in Ludwigsfelde sind schockiert. Denn bei der toten Frau, die am vergangenen Freitag in einem Waldstück gefunden wurde, soll es sich um die Ehefrau von Heinrich Scholl, dem ehemaligen Bürgermeister von Ludwigsfelde (Teltow-Fläming), handeln. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Potsdam ist es „sehr wahrscheinlich“, dass es Brigitte Scholl ist. Nach ersten Erkenntnissen ist die 67-Jährige einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. „Wir haben ein Verfahren wegen Mordes gegen Unbekannt eingeleitet“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ralf Roggenbuck, am Montag.
Der Sozialdemokrat Heinrich Scholl war von 1990 bis 2008 Bürgermeister in Ludwigsfelde. Auch heute wohnt die Familie noch in der Holzhaussiedlung in der 24.000-Einwohner-Stadt. Heinrich Scholl hat sich nach dem Ausscheiden aus seinem Amt seiner Beratungsfirma gewidmet, die ebenfalls in Ludwigsfelde ihren Sitz hat.
Toter Hund lag neben der Leiche
Am vergangenen Donnerstag meldete Heinrich Scholl seine Ehefrau bei der Polizei als vermisst. „Sie hat gegen Mittag mit dem Hund einen Spaziergang gemacht, so wie jeden Tag“, sagte ihr Sohn Matthias Morgenpost Online. Am Nachmittag sei sie dann nicht mehr zurückgekommen. Einen Tag später wurde in einem nahe gelegenen Waldstück die Leiche einer Frau gefunden. Noch in der Nacht zu Sonnabend untersuchten Spezialisten der Kripo und der Gerichtsmedizin den Tatort. Nach Informationen von Morgenpost Online soll ihr hellbrauner Cocker Spaniel, mit dem sie unterwegs war, ebenfalls tot aufgefunden worden sein. Er lag neben der Leiche.
Offiziell wurde die Identität von Brigitte Scholl noch nicht bestätigt. Um letzte Gewissheit zu erhalten, werde noch eine DNA-Analyse abgewartet, sagte Staatsanwaltssprecher Roggenbuck. Die Obduktion der Leiche habe jedoch ergeben, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelt. Aus ermittlungstaktischen Gründen würden keine weiteren Einzelheiten bekannt gegeben, so Roggenbuck weiter. So ließ er auch die Frage unbeantwortet, warum der Ehemann nicht gebeten wurde, seine Frau zu identifizieren und stattdessen erst auf das Ergebnis der DNA-Untersuchung gewartet werde. Möglich ist, dass die Leiche so sehr entstellt ist, dass die Ermittler Heinrich Scholl den Anblick ersparen wollten. Auch über das mögliche Motiv machte der Sprecher der Staatsanwaltschaft keine Angaben.
Die Bewohner von Ludwigsfelde können die Nachricht immer noch nicht fassen. „Der ganze Ort ist geschockt“, sagte Bürgermeister Frank Gerhard (SPD). Mehr als 50 Emails und SMS von trauernden Bürgern habe er bereits erhalten. „Ich hoffe, dass die Ermittlungen schnell zu Ende gebracht werden und bald Klarheit besteht“, so Gerhard. Auch die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Bettina Lugk ist bestürzt: „Man wünscht so etwas keinem. Heinrich Scholl hat viel für die Stadt getan. Seine Frau hat ihn dabei immer unterstützt“, sagte sie.
In Ludwigsfelde war Brigitte Scholl fast so bekannt wie ihr Mann. Sie galt als freundlich und engagierte sich in vielen sozialen Projekten, beim Frauenstammtisch oder wie in diesem Jahr wieder auf dem Weihnachtsmarkt. Sie sei das „Gesicht von Ludwigsfelde“ gewesen, immer nett und verbindlich, heißt es. Ins Rampenlicht habe sie sich nie gedrängt, sondern lieber im Hintergrund agiert. Wegen ihrer vielen ehrenamtlichen Ämter sei sie sehr beliebt gewesen. In ihrem Wohnhaus hatte Brigitte Scholl ein kleines Kosmetikstudio. Feinde habe sie nicht gehabt. Deshalb bleibt vielen ein Rätsel, warum Brigitte Scholl sterben musste. Die Ermittler schließen ein Sexualverbrechen aus.
Ein Ort in Angst
Viele Ludwigsfelder haben nun Angst, dass der Täter erneut zuschlagen könnte. „Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagt Nachbar Matthias Kleinert. „So etwas Schreckliches ist hier in den letzten zwanzig Jahren nicht passiert.“ Der Familienvater macht sich wie viele andere im Ort auch Sorgen um seine Kinder. In den Wald dürften sie nicht mehr unbeaufsichtigt.
Die Mordkommission und die Staatsanwaltschaft werten nun die Hinweise aus der Bevölkerung aus. Ob eine heiße Spur darunter ist, wurde nicht bekannt gegeben. Die Ermittler hoffen zudem, weitere Indizien durch das Auto von Brigitte Scholl zu erhalten. Nach einem Hinweis fanden Polizisten am Sonnabend ihren Mercedes vor einem Mehrfamilienhaus an der Maxim-Gorki-Straße 14 – rund einen Kilometer von ihrem Wohnhaus entfernt. Der Wagen werde derzeit untersucht, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Noch sei unklar, ob Brigitte Scholl am vergangenen Donnerstag in Begleitung unterwegs war. Dazu wären laut Polizei Zeugenhinweise wichtig.
Zeugen, die Hinweise geben können, werden gebeten, sich an die Polizei in Potsdam unter Tel.: 0700 3333 0331 oder jede andere Polizeidienststelle zu wenden.

