Der Zentralrat der Juden hat den Streit über die geplante neue Synagoge in Potsdam kritisiert und die Kritiker der Baupläne angegriffen. Religion dürfe nicht als „Alibi für eine Geschmacksfrage“ instrumentalisiert werden, sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, der in Potsdam erscheinenden „Märkischen Allgemeinen Zeitung“. Die Auseinandersetzung gehe „zum Teil unter die Gürtellinie“.

Die 2010 gegründete jüdische Gemeinde um den israelischen Dirigenten Ud Joffe kritisiert die Entwürfe unter anderem als unangemessen für ein sakrales Bauwerk und sieht Verstöße gegen Religionsvorschriften. Die Architektenplanungen wurden von dem Berliner Rabbiner Yitzhak Ehrenberg begleitet und als religiös angemessen bewertet. Die größere jüdische Gemeinde in Potsdam, die dem Zentralrat der Juden angehört und überwiegend aus russischen Zuwanderern besteht, befürwortet die Pläne.

Kramer warnte vor einem Scheitern des Bauvorhabens durch den bereits seit längerem währenden Streit. „Selbst bei allem Wohlwollen im Land Brandenburg und in Potsdam“ sei nicht auszuschließen, dass „irgendwann ein Punkt kommt, an dem die öffentliche Stimmung umschlägt“, sagte Kramer weiter.

Zudem drohe mit der fehlenden Finanzierung des laufenden Betriebs der Synagoge „eine zweite Blamage“ für die jüdischen Gemeinden in Potsdam, kritisierte Kramer. „Da steht dann zwar eine schöne Synagoge, aber das Licht geht nicht an, weil das Geld fehlt.“ Der Bauverein für die Synagoge hat dem Bericht zufolge unterdessen ein zweimonatiges Moratorium für die Planungen beschlossen, um eine Lösung des Streits zu ermöglichen.

Der Bau der rund fünf Millionen Euro teuren Synagoge im Stadtzentrum ist bereits beschlossen und wird vom Land finanziert. Die historische Synagoge ist bei einem alliierten Luftangriff auf den Potsdamer Hauptbahnhof 1945 zerstört worden und wurde später abgerissen. Heute steht dort ein Wohnhaus.

EPD/sei