In der Nacht zum Donnerstag hätten die Dämme und Deiche gehalten, sagte Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen. Für Entwarnung ist es laut Herrchen aber noch zu früh, denn bei einigen Deichen müsse die Standfestigkeit geprüft werden. Der aus Sachsen kommende Hochwasserscheitel mehrerer Flüsse hat nun den Landessüden erreicht und bewegt sich flussabwärts. „Wir sind gut über die Nacht gekommen und die Deiche in Elsterwerda haben gehalten“, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude
Das Wasser der Schwarzen Elster sei so hoch wie noch nie, so Herrchen weiter. Bei Elsterwerda und Bad Liebenwerda steht der Pegel des Flusses Schwarzen Elster inzwiscvhen bei rund 3,50 Meter - das ist doppelt so hoch wie sonst. Vorerst steigt das Wasser nicht weiter; in Herzberg dagegen steigt es noch leicht. Die hohen Wasserstände könnten noch bis zum Wochenende dauern, sagte Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt in Cottbus. Die Pegelstände in den Landkreisen Spree-Neiße, Oberlausitz-Spreewald und Elbe-Elster hielten sich zwischen der höchsten Alarmstufe A 4 und der A 3.
Bereits am Mittwoch mussten hunderte Einwohner die Stadt verlassen, das Krankenhaus wurde evakuiert. Auch in anderen Städten Südbrandenburgs bleibt die Lage angespannt. Mancherorts bleiben Schulen geschlossen, viele Straßen sind gesperrt. Weiterhin nicht für den Verkehr freigegeben sind etwa die A13 zwischen Schönborn und Ortrand und die B169 zwischen Plessa und Lauchhammer. Die Schüler des Elsterschloss-Gymnasiums haben für Donnerstag flutfrei bekommen.
Hunderte Einsatzkräfte kämpfen in Südbrandenburg entlang von Schwarzer Elster, Pulsnitz, Röder und Röderkanal noch immer gegen das Hochwasser an. Rund 200 Ehrenamtliche halfen beim Kampf gegen das Hochwasser. Während Bad Liebenwerda in der Nacht zum Donnerstag einen gleichmäßigen Pegelstand aufwies, stieg die Schwarze Elster bei Herzberg stündlich noch einen Zentimeter an. Mittwoch hatte der Krisenstab in Herzberg 460.000 Sandsäcke geordert, rund 300.000 wurden bis Donnerstagfrüh durch die Helfer gefüllt und an den kritischen Stellen verbaut.
Nicht nur an der Schwarzen Elster herrscht Ausnahmezustand. An der Talsperre in Spremberg (Spree-Neiße) musste seit Mitternacht zur Entlastung der Spree mehr Wasser in Richtung Cottbus und Spreewald abgelassen werden. Zunächst waren es etwa 30 Kubikmeter pro Sekunde gewesen, später 50. Die Pegelstände blieben dann aber nach Angaben des Hochwassermeldezentrums in Cottbus im Laufe der Nacht über Stunden stabil. Dennoch galt weiterhin die höchste Warnstufe vier. Der Hochwasserscheitel der Neiße rollte unterdessen aus Sachsen auf den Unterlauf des Grenzflusses zu. In Klein Bademeusel (Kreis Spree-Neiße) wurde am Mittwochabend die zweithöchste Alarmstufe 3 erreicht. In Sachsen entspannt sich nun die Lage, in Sachsen-Anhalt stieg die Schwarze Elster aber in Löben (Kreis Wittenberg) deutlich an. Hier wurde Alarmstufe 4 ausgelöst.
104 Patienten aus Krankenhaus evakuiert
Während der Sitzung des Krisenstabes in Herzberg am Mittwochabend wurde festgelegt, aus Sicherheitsgründen mit der Evakuierung des Krankenhauses Elsterwerda zu beginnen. 104 Patienten wurden zum einen auf die anderen beiden Häuser des Elbe-Elster Klinikums in Herzberg und Finsterwalde verlegt, andere in Krankenhäuser der Nachbarkreise wie Riesa und Großenhain bzw. Dresden und Lauchhammer. Für die rund 45 Helfer vom DRK im Landkreis Elbe-Elster war es eine große logistische Herausforderung, da unter den Patienten lediglich 35 gehfähig waren. 46 mussten per Rollstuhl, 17 weitere mit Rettungswagen oder Hubschraubern liegend transportiert werden. Gegen 21.00 Uhr war die Evakuierung beendet.
Notunterkunft bleibt ungenutzt
Insgesamt waren 2700 Personen aus Elsterwerda betroffen. Da die Evakuierung freiwillig war, gibt es keine Erkenntnisse darüber, wie viele Personen dieser Sicherheitsmaßnahme Folge geleistet haben. Als Notunterkunft wurden das Grundschulzentrum Elsterwerda und die Turnhalle in Stadtteil Biehla für 500 Personen hergerichtet. Von dieser wurde aber in der Nacht zu Donnerstag kein Gebrauch gemacht.
dpa/dapd/tj



