Urlaubszeit, Reisezeit – doch Frust stellt sich oft schon in der Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen ein. Das höchste Stresspotenzial für Passagiere lauert an diesem Nadelöhr. Das könnte bald der Vergangenheit angehören. Gemeinsam mit dem European Aviation Security Center Schönhagen legte die Zukunftsagentur Brandenburg das bekannte Problem jüngst Absolventen der HPI School auf Design Thinking des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam auf den Tisch.
Nach zwölf Wochen präsentierten die Studenten eine einfache, aber clevere Lösung. Einen Rollwagen fürs Handgepäck, den „Flight Assistant Security Trolley“ – kurz FAST genannt – haben die Studenten entwickelt. Handtasche und Laptop einfach in den Trolley gelegt, den Inhalt der Hosentaschen ganz entspannt in die integrierte Schale gepackt, und los geht’s – fast direkt bis zum Flugzeugsessel.
Der Trolley absolviert komplett den Sicherheitscheck. Das Auspacken vor den Förderbändern entfällt. Kommt es doch einmal zu einem Stau vorm „Durchleuchter“, dient das Gefährt auch als Sitzmöbel. Den Prototyp präsentierte das studentische „Airport Security Team“ jetzt auf dem Babelsberger Institutsgelände.
Europas erste Innovationsschule
Nur eine von acht innovativen Projektideen, die die diesjährigen Absolventen von Europas erster Innovationsschule ihren Kooperationspartnern offiziell vorstellten. 44 Studierende aus 30 verschiedenen Fachrichtungen, die aus 25 Hochschulen kommen, halten nun ein Zertifikat in Händen, das ihnen bescheinigt, auch über den Tellerrand ihrer Fachdisziplin hinauszudenken und mit anderen Experten kooperieren zu können. „Die Grenzen der eigenen Disziplin werden immer enger, die Fachgebiete immer spezialisierter, die Probleme der Welt dagegen bleiben breit gefächert. Hier sind Querdenker gefragt“, sagt Institutsdirektor Christoph Meinel. „Mit dem Bildungsangebot ‚Design Thinking‘ haben wir den Nerv der Zeit getroffen“, sagt der Professor.
Ein multifunktionales Armband, das Patienten mit kardiologischen Implantaten die Rückkehr in den Alltag erleichtern soll, ein Touchscreen-Gerät, mit dem Besitzer ländlicher Lebensmittelläden in Südafrika ihren Warenfluss optimieren können, das Konzept von Themenwelten im Großmarkt, um Kunden kompetenter zu informieren, sind Beispiele für den Output der jungen Tüftler.
Keine Studiengebühren
Studiengebühren fallen für das nach dem Vorbild der Universität Stanford konzipierte Zusatzstudium nicht an. Die Mehrbelastung für die Absolventen, die in ihren Hauptfächern kurz vor Diplom, Master oder Doktorarbeit stehen, sei jedoch immens, sagt Professor Ulrich Weinberg, Leiter der School of Design Thinking. Trotzdem ist die Liste der Bewerber lang, kommen Anfragen aus Südamerika und Asien.
Finanziert wird das praktisch angelegte Denktraining, das laut Weinberg mehr vom Coachen als von der Lehre lebt, vor allem von Auftraggebern aus der Wirtschaft und den Medien. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg, die Telekom, der Softwareriese SAP und der Technologie-Thinktank Biolab sitzen in diesem Jahr mit im Boot. Die Unternehmen sorgen für Nachschub an kniffligen Kopfnüssen, die die angehenden Zahnmediziner, Psychologen, Architekten, Physiker und Betriebswirte knacken sollen, und unterstützen die Projekte finanziell. „25?000 Euro hat die Zukunftsagentur Brandenburg für das Projekt Sicherheitskontrollen an Flughäfen gegeben“, sagt Sprecher Alexander Gallrein.
Nicht nur deutsche Kooperationspartner
Die Kooperationspartner kommen längst nicht mehr nur aus Berlin und Brandenburg. Seit Gründung der HPI School of Design Thinking vor drei Jahren klopfen Firmen auch aus Nachbarländern wie der Schweiz an die Plattner-Tore. „Die Metro Gruppe gehört bereits zu unseren Stammkunden. Das Unternehmen schätzt den frischen Wind, den die Studenten mit ihren ungewöhnlichen Lösungsansätzen bringen“, sagt Ulrich Weinberg.
Und Ausgetüfteltes landet nach Projektende keinesfalls im Papierkorb. Auch wenn die Vorschläge manchen Projektpartner erst einmal irritieren wie im Fall der DHL, erinnert sich Weinberg. Das Unternehmen hatte nach neuen logistischen Möglichkeiten für seinen Paketservice gesucht. Auf Lastwagen für den Transport verzichten, stattdessen die bestehenden Ketten nutzen, auf Wege und Standorte zurückgreifen, die der Kunde regelmäßig anläuft, brachte es eine junge Innovationsgruppe auf den Punkt. „Die Idee, die die DHL anfangs als merkwürdig bezeichnete, ist heute Teil des unternehmerischen Konzepts, vorgestellt im DHL-Pavillon auf der Expo in Shanghai“, sagt Weinberg nicht ohne Stolz auf seine pfiffige Studentenschar.



