Und, auf welcher Demo warst Du? Diese Frage haben wohl viele Menschen in den vergangenen Tagen gehört. Und ja, einerseits finde ich die aktuelle Proteststimmung gut. Weil auch ich finde, dass es so nicht weitergeht. Mit abgehobener Politik, die Menschen verunsichert und verärgert. Und andererseits mit Lügen, Hass und Hetze. Setzen Sie hier gern das Thema ein, an das Sie jetzt denken.
So war ich positiv überrascht, als ich am vorvergangenen Sonntag als Reporterin plötzlich zwischen Zehntausenden stand, die spontan am Brandenburger Tor demonstrierten. Anlass war die Enthüllung über das Geheimtreffen, bei dem AfD-Politiker, Neonazis und Unternehmer die Ausweisung von Millionen Menschen aus Deutschland geplant hatten. Es schien, als sei ein Schalter umgelegt.
Andererseits hatte ich, offen gesagt, mit dieser Demo auch Probleme. Da waren zum einen die Veranstalter. In Berlin hatten neben dem Paritätischen Gesamtverband und der Klimabewegung Fridays for Future auch Gruppen wie „Antifa“ oder „Extinction Rebellion“ zur Demo aufgerufen. Die sind für radikale Störaktionen bekannt. Von der Bühne klangen als erstes dümmliche Sprüche wie „Ganz Berlin hasst die AfD“, „Refugees are welcome here“, die eher an linke Selbstvergewisserungsrituale in Kreuzberg erinnerten.
Man darf nicht aufhören, genau hinzuhören und hinzuschauen
Am Brandenburger Tor stimmten da auch Berlinerinnen und Berliner ein, die mit Kind und Kegel und selbstgemalten Plakaten zum Brandenburger gekommen waren und die nichts mit der Antifa zu tun zu haben schienen. Gleichzeitig überbrüllte eine Palästina-Fraktion mit „Ceasefire Now!“-Geschrei unter anderem die berührende Rede der Menschenrechtlerin Düzen Tekkal. Eine der mutigsten und klügsten Vermittlerinnen in Sachen Integration und Freiheit, der man viel aufmerksamer hätte zuhören sollen.
So beeindruckend die Bilder von hunderttausenden Demonstranten sind: Man darf nicht aufhören, genau hinzuhören und hinzuschauen.
Daran musste ich denken, als ich diesen Sonntag, diesmal privat, im uckermärkischen Templin zur spontan anberaumten Mini-Demonstration kam. Das Thema war dasselbe wie in Berlin. Also, fast.
Es wird zum „Mahnfeuer Hand in Hand“ aufgerufen
Allerdings feierten sich hier nicht 350.000 Menschen für ihren Mut, sondern es kamen vielleicht 500 Nachbarn zusammen. Immerhin – man war ja froh, dass man nicht ganz allein dastand. Angesichts der feixenden Zuschauer auf der anderen Straßenseite und der Autofahrer, die hupend und mit Stinkefinger am Marktplatz vorbeifuhren, von denen man den einen oder anderen erkannte. Sprechchöre gab es nicht. Viele schauten besorgt auf die Plakate in den umliegenden Geschäften für die Proteste der Bauern und Handwerker. Es wird zum „Mahnfeuer Hand in Hand“ am Freitag aufgerufen. Soll man da auch hin? Auch dort werden viele Nachbarn sein. In Kleinstädten bedeutet politischer Mut auch private Diplomatie, mindestens, wenn nicht gar Angst vor Drohungen und Gewalt.
In Templin,

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, standen auf der Bühne keine Politiker oder Promis. Zwar stellt die Linke den Bürgermeister, ein Bundestagsabgeordneter von den Grünen ist viel im Landkreis unterwegs. Am Sonntag berichtete jedoch die Anmelderin selbst vom Anlass der Demo. Zum wiederholten Mal ist die Gedenktafel für die einstige Synagoge in Templin geschändet worden. Die Stadtverordneten hatten zusammengelegt, um sie schnell zu ersetzen. Weil auch die AfD spendete (jene Partei, deren Fraktionsvorsitzender im Bundestag die NS-Zeit 2018 als „Vogelschiss in der Geschichte“ bezeichnete), hatte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) angeboten, diese Spende zu übernehmen und sprach von einem „vergifteten Geschenk“.
„Nie wieder“ steht auf vielen Plakaten. Das Perfide: Das „Wieder“ ist längst auf dem Weg. Meistens passiert es im Kleinen. Im Alltag. Wo keiner so genau hinguckt. Wie in Templin. Nur so als Beispiel.



