Bald stehe ich auch im Gebäude des Hauptbahnhofs. Neben den Zeugen Jehovas, die sich zwar schon mehrfach mit dem Datum des Weltuntergangs vertan haben, aber unverdrossen zur Bibelstunde einladen. Ich werde ein Plakat tragen: „Lasst uns froh und Kunde sein!“ Kürzlich war ich im Lunge-Laufladen an der Bismarckstraße an der falschen Adresse. Ich brauchte Laufschuhe. Der Mitarbeiter gab mir direkt zu verstehen, ich hätte alles falsch gemacht. Einfach so aufkreuzen, ohne einen Termin gemacht zu haben. Im Schuhgeschäft! Er zeigte auf Wartesessel hinter einer Kordel, als müsste ich ihm für dieses Entgegenkommen schon dankbar sein. Eigentlich hätte er mir nur eine Schachtel mit Schuhen und ich ihm zwischen 120 und 160 Euro gegeben. Die Schuhe habe ich dann online gekauft. Für mein Auto vereinbare ich einen Termin im Netz. Damit ist mein Service für das Autohaus längst nicht erledigt. Ich räume mir einen halben Tag frei. Zahle für die Reparatur eines Blinkers. Zusätzlich für den Tausch der Räder, deren Lagerung ich schon vorher beglichen hatte. Aber auch für den Leihwagen, mit dem ich nach Hause fahre. Denn ich muss zwar um 7.30 Uhr dort sein. Der Kollege, der sich kümmert, beginnt seine Arbeit erst um 14 Uhr.
Wenn ich der Firma Apple ein 1000 Euro teures Mobiltelefon abkaufe, rollen die Apple-Mitarbeiter mit den Augen. Weil ich schon wieder nicht gecheckt habe, warum ich für meine erbärmlichen Kröten nicht einfach so eine Mitarbeiterin ansprechen darf. Wartebereich, bitte. Ich möchte in einem Restaurant keinen QR-Code scannen und das Essen mit meinem Telefon bestellen. Sondern bei einem Kellner. Ich möchte vor einer Physiotherapie nicht mit einer KI der Praxis telefonieren. Sondern wünsche mir meine berlinisch-barsche Sprechstundenhilfe zurück. Vielleicht haben sich die Zeugen Jehovas aber auch gar nicht verrechnet und der Weltuntergang war schon längst.


