Auf die Berlinerinnen und Berliner ist Verlass, zu Festtagen besonders, eigentlich aber das ganze Jahr über. Das sagt jemand, der oft um Hilfe gebeten hat. Ob um Kleidung, Handschuhe und Mützen im Winter, um Schlafsäcke, große Schuhe in XXL oder um Margarine, Kaffee, H-Milch, Käse, Lebensmittel überhaupt. Es ging um Rucksäcke, Sonnencreme im Sommer, kühlende Getränke bei 30 Grad und mehr, Taschentücher, weil allen Gästen in der Bahnhofsmission bei Schietwetter die Nasen tropften. Und nötigten uns freundliche Menschen, haben wir sogar Geld genommen.

Manchmal muss es einfach Geld sein! Das half damals sehr, waren wir am Anfang doch kurz vor dem Konkurs. Und als der dann überwunden war, bauten wir zusätzliche, gute und wichtige Hilfen aus. Viele brachten 10 oder 20 Euro, etliche konnten sogar deutlich mehr spenden.

War es 2015 oder ein Jahr später? Ich hatte als Leiter der Bahnhofsmission Zoo einen Fehler gemacht, hatte mich in „meiner Logistik“ verirrt. Fehler können passieren, es war mir aber dennoch ungeheuer peinlich. Uns drohte, dass wir für drei Tage keine Lebensmittel für unsere Gäste haben würden. Das waren damals über 600 Menschen täglich.

Welle der Hilfsbereitschaft: Berliner spenden Lebensmittel und Unterstützung

Weil das aber nicht nur peinlich, sondern richtig schlimm war, bat ich morgens um 6.30 Uhr auf Facebook um Unterstützung, nicht ohne meinen Fehler einzugestehen. Dieser Aufruf aber wurde innerhalb weniger Stunden Hunderte Male geteilt. Unser Hilferuf multiplizierte sich ungeheuer, Zeitungen, Radiosender, am Abend die „Abendschau“, alle berichteten und wollten helfen. Die Berliner Morgenpost und ihr Verein „Berliner Helfen“ waren übrigens auch mit dabei.

Was war ich überrascht, geradezu geflasht, mir blieb die Luft weg: Als ich dann um 8.30 Uhr am Zoo zur Arbeit ging, war die gesamte Jebensstraße mit Kleintransportern zugeparkt. Im Minutentakt kamen Autos dazu, auch unzählige Menschen mit Einkaufsbeuteln und Plastiktüten waren dabei, in den Tagen darauf kamen Pakete aus dem gesamten Bundesgebiet. Grundnahrungsmittel wurden gebracht und geliefert, aber auch die feinsten Lebensmittel, die man sich vorstellen kann. Das hielt über Tage an.

Einige weinten vor Freude, ein wenig aber auch, weil es dann sehr viel Arbeit war. Alle Lager waren bis zur Decke gefüllt, sechs Kühlschränke und zwei große Gefriertruhen auch, unsere drei Schlafkammern wurden als zusätzliche Lager zweckentfremdet und der Tagesraum für unsere Gäste war zur Hälfte ebenso bis zur Decke mit Lebensmitteln belegt.

Solche Momente brachten Menschen dem christlichen Glauben nahe

Viele Ehrenamtliche schoben gerne etliche Extraschichten. Menschen brachten Lebensmittelgutscheine aus vielen Supermärkten, viele von dem um die Ecke. Und Geld wurde zusätzlich gespendet. Wir nutzten diese Chance. Manche, ich gehörte dazu, meinten, Jesus habe seine Finger im Spiel. Und wir informierten die Menschen über unsere Arbeit. Etliche blieben dann gleich dort, um sofort zu helfen. Und viele kamen über Jahre und kommen auch noch aktuell.

Der Ansturm, diese Welle der Hilfsbereitschaft, war so enorm, wir drohten fast abzusaufen. „Jammern auf höchstem Niveau“, denke ich, während ich diese Erinnerungen niederschreibe. „Die Welt ist doch gut“, dachten viele von uns. Solche Momente brachten Menschen in der Bahnhofsmission immer wieder sogar dem christlichen Glauben nahe. Dir bleibt ja gar nichts anderes übrig, wenn die kleinen Dornenbüsche direkt vor deiner Nase brennen.

Unser Träger, die Berliner Stadtmission, half. Gemeinsam belieferten wir in den nächsten Tagen viele andere Einrichtungen der Obdachlosenhilfe. Teilen macht Freude! Und wo ein Mensch, der Hunger hat, satt wird, ist doch egal, Hauptsache, er wird’s.

Das hat damals nicht nur geholfen, sondern machte viele auch glücklich. Den Gästen ging es famos, gutes Essen kann angeschlagene Seelen trösten. Es trug aber auch die Helferinnen und Helfer, gab zusätzlichen Antrieb. Steht nun Ostern vor der Tür, möchte ich Sie bitten, an die Einrichtungen für obdachlose Menschen zu denken. Es gibt bestimmt eine ganz in ihrer Nähe. Da sind Menschen, die Süßigkeiten lieben. Und wenn Sie können, legen Sie 20 Euro dazu. Danke. Gesegnete Ostern.

Kolumne Nachtgestalten: Lesen Sie hier mehr Artikel von Dieter Puhl