Autofahren ist traumhaft. Eine große, fette Fee, also ein Geschöpf, das Träume erfüllen kann, ist die S-Klasse von Mercedes-Benz. An einem sehr glücklichen Wochenende lieh ich ein solches Auto bei einem Verleih. Ein intelligentes Sitzpolster, das unbequeme Kurven ausgleicht. Kaum Motorgeräusch, allerhöchstens Tigerschnurren. Das Leben als durchgängiges Champagnerbad, eine Stuttgarter Fantasie.
Mit diesem Entzücken ist ausdrücklich nicht „Mobilität“ gemeint. „Mobilität“ ist BVG und damit jeder Spaß vorbei. Wo uns eine weibliche Automatenstimme auf den Bahnsteigen anherrscht, wir Deppen sollten uns bitte vor dem Winter in Acht nehmen. Sie warnt leider nicht vor den Stinkern, die sich in den Wagen wärmen. Eigentlich müsste mit meinem BVG-Jahresabo eine Mentholsalbe kommen, damit ich mir etwas unter die Nase reiben kann, wenn wieder ein Mitfahrer die Geruchslage zuspitzt.
Arroganz auf internationalem Niveau
Dem real existierenden Mercedes-Benz ist der Kunde allerdings genauso unsympathisch, wie der BVG. Als Spezialist für einseitige Liebesbeziehungen fahre ich der Gefühle wegen einen Mercedes. Selbst in den brodelndsten Situationen als Rettungsdienstmann gab es immer einen Moment der Erleichterung: Wenn ich wieder hinter dem Lenkrad mit dem Stern saß. Süße Nostalgie und bittere Realität.
Obwohl ich meine Raten zuverlässig abstottere, geben mir die Mercedes-Leute das Gefühl, ich sei ihnen etwas schuldig. „Aha, Inspektion, ganz schön spät“, brummen sie am angeblichen Hilfstisch, den sie irgendwas mit „Counter“ nennen, denn sie sind schließlich auf internationalem Niveau arrogant. Für das, was die Untersuchung des Autos kostete, hätte ich ungefähr 15-mal zu einer Rückeninspektion bei meinem Orthopäden gehen können. Als ich das Auto um 7.30 Uhr statt um 8 Uhr abholte, war der Mitarbeiter so genervt, dass ich mich mehrfach entschuldigte. Wer sagt eigentlich, dass eine Fee nicht auch Hyuandai mit Vornamen heißen kann?


