In herausfordernden Zeiten gilt es, flexibel im Kopf zu bleiben. Immer pragmatisch zu fragen: Wo ist das Problem? Und wie lautet die beste Lösung? Und wenn die Antworten von gestern nicht mehr passen, müssen eben neue her. Das gilt für die Wirtschaft, aber bestimmt auch für die Politik.
Das hat sich wohl auch Kai Wegner gedacht. Noch vor Wochen vertrat er vehement, man könne sich nicht parallel für Olympia 2036/40 und die Expo 2035 zugleich bewerben. «Meine Priorisierung ist und bleibt Olympia», sagte er noch kurz vor Weihnachten. Nur hatten die Expo-Befürworter in der Zwischenzeit wichtige Teile der Berliner Wirtschaft für sich gewinnen können. Zudem gelang es Wegner nicht, den Eindruck zu widerlegen, er spiele zwei gute Ideen gegeneinander aus — möglicherweise sogar aufs falsche Pferd setzend, weil die Expo-Bewerbung mehr Erfolgschancen haben könnte als die Olympia-Bewerbung.
Gewichtige Stimmen im Land hatten deshalb zuletzt nur noch von einem kommunikativen Dilemma Wegners gesprochen, aus dem er jetzt nur noch schwer herauskomme. Doch, weit gefehlt. Eine große Stärke des Regierenden Bürgermeisters ist eben, agil zu sein. Warum nicht einfach sagen, man habe sich überzeugen („begeistern“) lassen? Dafür muss man ihm Respekt zollen, weil einem im politischen Geschäft so etwas auch gern einmal als Wankelmütigkeit ausgelegt werden kann.
Nach dem Baumentscheid hat Wegner schon zum zweiten Mal eine offene Flanke abgeräumt, die im Wahlkampf gefährlich werden könnte. Und: Vielleicht gelingt ja mit Olympia- und Expo-Bewerbung so etwas wie eine positive Aufbruchstimmung in der Stadt. Wär ja mal was.




