Sommerlich warm ist etwas vollkommen anderes als brütend heiß und deshalb genieße ich die aktuellen Temperaturen sehr. Morgens ist es nicht mehr so bitter kalt und bei 14 Grad trinke ich meinen Kaffee bereits sehr gerne auf dem Balkon, höre den Vögeln zu, mag es, wenn mein Kiez in Charlottenburg langsam erwacht. Später, kurz vor acht Uhr, kommt das lebensfrohe Lärmen der Kinder auf ihrem Weg zur Schule dazu. Sie haben sich enorm viel mitzuteilen.

Wieder später wird‘s dann wärmer, alles um die 25 Grad ist dabei doch prima, selbst wenn gelegentlich der Regen hinzukommt. Mehr davon bitte, wir brauchen ihn doch. Beim aktuellen Wetter komme ich mit meinen 68 Jahren gut durch den Tag, schlafe nachts entspannt und drehe mich nicht wach und schwitzend von einer auf die andere Seite. Perfekt! Und so könnte es doch bleiben, tut‘s doch nicht und um das vorherzusagen, muss man kein Prophet sein.

Der Beton brennt. Geht es an die 30 Grad, wird es ungemütlich, geht‘s darüber wird es in der Stadt unerträglich. Für Menschen, Tiere und Pflanzen. Bei über 30 Grad setzt kaum noch jemand einen Fuß vor die Tür, die schönsten Cafés sind leer und manchmal sind sogar die Biergärten verwaist. Wer hat bei 33 Grad schon Lust auf ein Bier – ich halte mich dann eher bei zugezogenen Gardinen in meiner leidlich kühlen Wohnung auf.

Meine Freundin Viola hat einen schattenspendenden Schrebergarten in Neukölln

Ein König ist der, der eine Datscha mit viel Grün in Brandenburg hat. Oder eine Königin wie meine Freundin Viola, sie hat einen schattenspendenden Schrebergarten in Neukölln. Freund Wolfram ist dann viel in seinem Segelclub, direkt am Wasser ist es auch noch etwas erträglicher.

Leid tut mir meine Ex-Partnerin Marion, sie wohnt im vierten Stock fast unterm Dach, die volle Sonnseite wird für Wochen, gar Monate zur Qual. Die beiden Sonnenschirme auf dem Balkon und die neuen, teuren Jalousien helfen da nur wenig und manche Dachgeschosswohnung wird zur Hitzefalle.

Meine alte Nachbarin hat vermutlich schwere Zeiten vor sich. Ihr Herz ist wohl fragil, lässt sie schon jetzt oft in Stich; nicht ganz aber, Gott sei Dank. Doch schon jetzt wird sie mehrfach im Monat ins Krankenhaus eingewiesen. Man kennt sie dort gut und meist wird sie bereits nach wenigen Tagen wieder entlassen. Vor dem Sommer nun aber hat sie Angst, sie möchte doch noch etwas leben.

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„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ würde ich gern umtexten

Abwechslung bringen höchstens kleine oder größere Unwetter, Sturzregen, Orkane. Auch daran haben wir uns gewöhnt, machen in Berlin doch aber noch einen guten Schnitt. Andere Gegenden der Republik trifft es jedes Jahr zunehmend härter.

Ich bin Rentner, kann mir das alles ganz gut einteilen. „Ich aber muss doch arbeiten“, sagt meine Freundin Claudia und denkt voller Grauen an ihr kleines, stickiges Büro. Die beiden Ventilatoren helfen dann nur leidlich. Apropos Ventilatoren - noch gibt es die zu kaufen, bevorraten sie sich, denn bald sind sie vielleicht schon wieder Gold wert.

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ war 1975 ein Lied und gleichermaßen Wunsch von Rudi Carell. 50 Jahre später möchte ich das oft umtexten. Keine Sorge aber, an diesem Wochenende ist noch alles gut. Nicht nur erträglich, sondern eigentlich genau richtig. Freuen Sie sich auf und über die paar Wolken. Und dann wird‘s langsam wärmer, sagt zumindest der Wetterbericht.

Das ist dann Grund genug, um uns am kommenden Freitag anzuschauen, wie wir Menschen bei heftigen Temperaturen helfen können. Kommt meine Nachbarin da noch mit ihrem Einkauf klar oder bringe ich ihr etwas aus dem Supermarkt mit? Oder schaue einfach mal nach ihr? Hilft ein Schälchen Wasser den Vögeln? Oder wie sieht es mit obdachlosen Menschen aus, die ja keine schützende Wohnung haben und der Sonne den ganzen Tag ausgesetzt sind. Hilfen sind gar nicht schwer. Oder bringe ich den Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission ein paar Packungen Eis vorbei? Der Dienst an der Geschirrspülmaschine ist heftig. Mal schauen, was mir noch einfällt. Wir hören also wieder voneinander. Passen Sie bis dahin auf sich auf.

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