Als Junge, ich war da wohl vier oder fünf Jahre alt, pflanzte ich kleine Steine im Garten meiner Eltern. Ich hatte diese zuvor sehr sorgfältig gesammelt, nach Farbe und Form sortiert; nicht einfach irgendwelche Steine, sie mussten schon besonders sein, unterschiedlich aber auch. Sie bekamen dann ausgesuchte Plätze, ich hob kleine Löcher aus, es war wichtig, wie die Steine nun eingesetzt wurden, meist zeigte die Spitze nach oben. Und in den nächsten Wochen wurden meine kleinen Anlagen gepflegt, regelmäßig gegossen.
Von Schleswig-Holstein kannte ich damals noch wenig, selbst den Bungsberg lernte ich erst später kennen, mit 167,4 Metern ist er die höchste Erhebung bei Altenholz bei Kiel. Hier wuchs ich auf, die Gegend ist leider flach wie eine Scheibe. Ich wollte einfach Abenteuer erleben, wollte Cowboy und Indianer spielen. Dazu brauchte ich neben der Weite des Landes eben auch Berge. Unser Garten damals hatte 2700 Quadratmeter, um 1960 wurde jeder Zentimeter als Anbaufläche genutzt.
Mein Vater war Schlosser, meine Mutter Hausfrau
„Arbeiterhaushalt“: Mein Vater war Schlosser, meine Mutter Hausfrau, das hieß, dass auf jeden Pfennig geachtet wurde. Ein eigenes Haus war da bereits der Luxus pur. Geld war überschaubar vorhanden, dennoch ging es uns gut. Denn alles, was nötig war, wurde angebaut und später geerntet, gelagert oder eingemacht. Das war Arbeit. Manchmal war die gesamte Familie eingebunden. Kartoffeln, Gemüse, Getreide für etliche Tiere, viele Obstbäume, Büsche mit allerlei Beeren, ein kleines Feld mit Mohn (der Mohnkuchen meiner Mutter war der Hammer), Rüben, Schwarzwurzeln, allerlei Kohl, Topinambur, Kräuter für die Hausapotheke, meine Großmutter war eine Heilerin.
Mein Vater hatte sehr viel umzugraben, dabei wurde alles gleich gedüngt, Mist von Schweinen und Kaninchen war doch genug vorhanden, nur der Hühnerdung, „der ist zu scharf fürs Land“, sagte mein Vater oft. Gesät wurde meist gemeinsam. Ich lernte früh, Bäume zu beschneiden oder auch zu veredeln. Verschiedene Apfelsorten auf einen Baum zu setzen, das war wohl die Freude am Gestalten. Das klappt auch mit anderen Obstsorten, „Kernobst zu Kernobst und Steinobst zu Steinobst“ war allerdings einzuhalten.
Das Ausmisten besorgte Papa, den Rest meine Mutter
Meine Mutter schuftete wie eine Verrückte. Mein Vater auch, er „schob regelmäßig Überstunden“, da blieb nur nach Feierabend Zeit für den Garten, selbst an den Wochenenden war er bis 16 Uhr im Betrieb. Mutti hatte mit uns Kindern zu tun. Haushalt (selbst Taschentücher und Unterwäsche wurden gebügelt) und Garten waren ständige, tägliche Herausforderungen. Die Backerei, unzählige Flaschen mit Säften im Keller, Unmengen an eingemachten Dingen, die Gläser gut sortiert nebeneinander, Konserven waren etwas für Reiche oder Faule, Fässer mit Sauerkraut, selbst ein Fass mit Salzheringen (die Ostsee war nicht weit), Gläser mit Wurst, Schinken und Speck und Würste hingen von der Decke. Das Reich meiner Mutter war oft einfach Mühe.
Jeden Tag mussten übrigens etliche Tiere, Schweine, Hühner, Enten, Gänse, Tauben versorgt werden. Das Ausmisten besorgte Papa, den Rest meine Mutter. Fleisch kam mehrfach in der Woche auf dem Tisch, nicht nur selten an den Wochenenden, alles wurde gegessen, nur Meerschweinchen, Hund und Katzen blieben verschont.
Kennen Sie noch eine „Erdmiete“? Bestimmte Gemüsesorten werden vor dem Winter, eingebettet in Stroh, in der Erde vergraben. Und können dann im Frühjahr ausgebuddelt und frisch verzehrt werden. Lecker! Frische Möhren im März. Die erste Gefriertruhe brachte später Erleichterung, einfrieren ist leichter als einwecken. Schon bald kam eine zweite dazu. „Möchtest du zwei oder drei Koteletts zum Mittagessen?“ Wir lebten im Schlaraffenland. Wird man älter, verweilt man wohl häufiger bei den Erinnerungen an die Kindheit, vielleicht verklärt man diese sogar etwas? Oft mache ich das nachts in meinen Träumen. Alles ist dann gut – nur mit meinen gepflanzten Gebirgen, das hat leider doch nicht hingehauen. Ein gutes Wochenende!



