Auf die Seychellen reisen, wie es gerade einige tun, nach Kambodscha wie jüngst Rüdiger? Oder doch lieber Kuba? Hier waren meine Freunde Cora und Tommy einige Wochen unterwegs. Wohin zieht es Sie dieses Jahr in den Urlaub? Ganz weit weg oder doch lieber an die Ostsee, wird es Brandenburg – oder bleiben Sie in diesem Jahr auf dem Balkon? Der eigene Garten kann auch eine prima Alternative sein, vorausgesetzt man hat einen. Unverändert steht Kreta bei mir an erster Stelle, den Himalaya will ich gar nicht erklimmen. Ab und an aber muss ich kurz raus, wie am vergangenen Wochenende; da ging‘s für mich nach Brighton. Da war ich nämlich noch nie und ich wollte unbedingt mal Fish & Chips essen. Im Orginal!

„Warte niemals, bis du Zeit hast“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Und worauf soll ich auch warten? Im nächsten Monat werde ich 68 Jahre alt, ich bin gesund, kann noch (leidlich) krauchen, habe eine tolle Partnerin und ein paar Euro habe ich auch auf dem Konto. Nur meine Uhr, die läuft nicht rückwärts.

Mir ist sehr deutlich, damit bin ich in mehrfacher Hinsicht ein Glückskind. Eine meiner Freundinnen war seit Jahrzehnten nicht mehr richtig weg, meine Nachbarin auch nicht, alles geht für ihre drei Töchter drauf. Und Paula schafft es diesen Sommer, nach Jahren, für 14 Tage zu ihrer Schwester zu fahren. Und die wohnt 60 Kilometer entfernt. Wolfgang hat zwar das Geld, mit seinen nunmehr 85 Jahren und den nun müden Knochen aber nicht mehr den Mut, um zu reisen.

Nur bitte keine englischen Bratwürste dazu

Der Flug nach London war preiswert und mit eineinhalb Stunden Dauer auch kurz, eine halbe Stunde später waren wir vor Ort. Das „Study Hotel“ war okay, ich fühlte mich gleich ein paar Jahre jünger und das englische Frühstück aus gebackenen Bohnen, gegrillten Tomaten, krossem Speck und Spiegelei, ich mag das einfach. Nur bitte keine englischen Bratwürste dazu, deren Konsistenz und auch der Geschmack … man kann‘s ja lassen.

Brighton hat den „Royal Pavilion“, eine frühere königliche Sommerresidenz. Sehen muss man auch den Aussichtsturm „British Airways i360“ samt gläserner Plattform in 162 Metern Höhe und einer Cocktailbar. Wohl 40 Kilometer reicht der Blick von hier. Es gibt auch die Brighton Museum & Art Gallery, für Abwechslung ist also gesorgt. Ein Muss sind der Brighton Palace Pier, der Strand, das Meer.

Palace Pier, Brighton, England, Großbritannien, Europa
Der Palace Pier in Brighton, Großbritannien. © picture alliance / imageBROKER | UWE KRAFT

Am Freitag war es ruhig, es gab wenige Urlauber, ebenso am Montag, da lagen wir nur mit wenigen anderen am Strand. Das Wetter verwöhnte uns die gesamte Zeit. Am Samstag aber steppte der Bär. Brighton ist für junge Menschen aus London und dem Umland Partymeile. Man muss das mögen. Ich mag‘s. Und meine Freundin, die ein paar Jahre jünger ist als ich, kann etwas mehr Trubel auch richtig gut ab.

Richtig beeindruckt haben mich vornehmlich die Älteren

Viele tranken dort viel. Und in der Luft hingen Schwaden von Haschisch und Marihuana. Es waren nicht nur die jungen Menschen, die sich dieser Form von „Müßiggang“ hingaben. Nun ist Brighton kein Traumziel für englische Alkoholiker, auch kein Kifferparadies, die Menschen kamen mir lediglich entspannter und freundlicher vor. Richtig beeindruckt haben mich vornehmlich die Älteren. Manchmal meinte ich, sie hätten ein paar Falten weniger als meine Mitmenschen in Berlin, aufgeschlossener und kontaktfreudiger waren sie auch, zogen sich auch anders an. Ich habe noch nie so viele ältere Männer mit langen Haaren oder Pferdeschwanz gesehen und Hut ab, sie kleideten sich modischer als deutsche Zeitgenossen. Swinging Sixties, England hat wohl andere Traditionen.

Geld ausgeben, für gebrauchte, recht trendige Klamotten kann man übrigens in ganzen Stadtteilen. Wo haben sie alle Sachen nur aufgetrieben? 185 Pfund für eine hübsche Vintage-Jacke schlugen dann auch bei mir heftig zu Buche, während meine Freundin sich an neue Schuhe im Sonderangebot hielt. Mal raus. Es hat mir einfach Spaß gemacht. Fish & Chips am Strand waren lecker. „We have all the time in the world just for love. Nothing more, nothing less, only love.“ Mir ging der Song von Louis Armstrong einfach nicht aus dem Kopf. Schön, wenn man Glück gemeinsam erleben und teilen darf.