Momentan geht es viel um die Parteien, die Ziele sind wichtig, die Ausrichtungen und natürlich vor allem die aktuellen Wahlprogramme für die Bundestagswahlen am 23. Februar. Aber auch um die Menschen geht es, um die Mannschaft. Wen aber wünschen wir uns als Bundeskanzler oder -kanzlerin, wem trauen wir zu, anstehende Probleme zu bewältigen, alles gut beieinander zu halten? Ich habe in den sozialen Medien Freunde und Freundinnen nach ihren Wünschen gefragt: „Welche Charaktereigenschaft oder Fähigkeit sollte ein Kanzler, eine Kanzlerin in Deutschland haben? Nur ein Wort, bitte.“
Das mit dem einen Wort ist wirklich schwierig, denn nur eine Charaktereigenschaft wird ganz sicher nicht reichen. Ich selbst finde den Umgang in der Politik oft rau, nicht nur den mit dem politischen Gegner, rauer ist zuweilen sogar der Ton in den Parteien untereinander. Hüte dich vor Freunden. Begriffe wie „Killerinstinkt“ habe ich also erwartet, „Skrupellosigkeit“ auch, irgendetwas mit „strategischem Geschick“ und „Strippenzieherei“. Ich wurde eines Besseren belehrt.
„Aufrichtigkeit“ ist sicher wichtig im Leben, aber ausgerechnet in der Politik? Aber gut, ich hatte ja nach Wünschen gefragt. „Friedensstiftend“, ein Wort, gerade in dieser Zeit, das mich nicht überrascht hat, es wurde aber nur einmal genannt. „Menschlichkeit“ ist meines Erachtens auch ein frommer Wunsch in manchmal harten Zeiten. „Bescheidenheit“: Ich hoffe, der amerikanische Präsident liest mit. Zumindest aber seine Wähler haben aber wohl andere Wünsche als die deutschen. Mit „demokratietreu“ und „Anständigkeit“ käme man gerade jetzt in einigen anderen Nachbarländern auch nicht weit.
„Fingerspitzengefühl“, „Verlässlichkeit“, „Anstand“, „Herz“, „Mut“, „Durchsetzungskraft“, „Überzeugung“
Mein Freund Orlando hat einen schlauen Kopf und einen wachen Geist und er schwimmt manchmal auch gerne gegen den Strom: Ein „Gotteskind“ wünscht er sich. Merci, Orlando – das könnte sicher helfen! Wir reden aber noch mal beim gemeinsamen Hefeweizen darüber.
„Fingerspitzengefühl“, „Verlässlichkeit“, „Anstand“, „Herz“, „Mut“, „Durchsetzungskraft“, „Überzeugung“, „Teamfähigkeit“, das wurde jeweils ein- oder zweimal genannt, der „Es muss ja nicht gleich schenkelklopfend ausarten, ein paar Lachfalten machen einen Menschen doch aber schön. Wer hat also Lachfalten? Überprüfen Sie doch zwischenzeitlich die Wünsche und das, was gerade im Angebot vorhanden ist.
Bevor Sie aber weiterlesen, raten Sie doch mal, was im Ranking ganz sehr weit oben steht? „Empathie“ wünschen sich sehr viele sehr, „Ehrlichkeit“, „Demut“, „Weisheit“ auch. „Integer“ soll der Mensch sein und ein „Rückgrat“ besitzen, „Courage“ wird gewünscht, gepaart mit „Besonnenheit“, „Charisma“ wäre auch nicht schlecht.
Man möchte fast meinen, wir wählen einen Papst
Da fängt mein Kopf ja langsam an zu schwirren! Eine „eierlegende Wollmilchsau“ (Entschuldigung) an der Spitze der Bundesregierung – das wird vielleicht doch nicht hinhauen mit allen unseren Wünschen. Ich befürchte, es wird Enttäuschungen geben. Kommen dann noch „Menschenliebe“ und „Nächstenliebe“ hinzu, und beides finde ich grundsätzlich gut, dann möchte man fast meinen, wir wählen einen Papst.
Ich bedanke mich nun bei allen, die mir ihre Wünsche mitgeteilt haben und schließe mich den damit verbundenen Hoffnungen an. Ergänzen möchte ich um einige weitere Wünsche: „Lernfähigkeit“ wäre gut, dort wo Zeit ist, wo wir aber auch Zeit lassen. Und: Reden Sie mit uns! Ein Mensch, der Politik erklärt, auch unbequeme Wahrheiten, würde mir schon gefallen.
Wie früher gehen wir nach dem Wählen gut essen
Ich freue mich übrigens auf den Wahlsonntag. Was für ein Geschenk! Dabei viele Nachbarn, fast den gesamten Kiez zu treffen, das unterstreicht die Besonderheit des Tages. Und wie früher gehen wir danach gut essen. Dann ist es auch nicht mehr so lang bis zur ersten Hochrechnung.
Fast hätte ich vergessen: Ein paar Menschen aus der Politik kenne ich persönlich. Ich werde sie bald mal fragen, welche Wünsche sie eigentlich an uns Wähler haben. Ein Wort. Mal schauen, was Michael, Ülker, Maik, Elke, Lisa und andere so sagen.


