Na gut, einmal noch. Ein letztes Mal. Auch wenn die Sache mit den guten Vorsätzen so sinnlos ist wie Steuerreformen auf Bierdeckeln. Schöner Ansatz, aber lebensfremd. Wie Sport und Sparen, die liebsten Vorsätze der Deutschen. Spätestens nach einer Woche Januar ist alles wie immer.
Guter Vorsatz für 2025 also: mehr Gelassenheit. Bitte etwas konkreter, mahnen Vorsatzexperten. Je präziser der Plan, desto höher die Umsatzchancen. Na gut. Also zum Beispiel mehr Gelassenheit an der Spülmaschine. In jedem Haushalt gibt es ja mindestens eine Person, die Geschirr wie ein liebestoller Gorilla ins Gerät wirft und eine weitere, die das Spülgut neu anordnet, so effizient und ästhetisch anspruchsvoll, dass man umgehend ein Filmchen für Instagram davon machen möchte. Wie viele Lebensstunden habe ich vergeudet, um Tassen, Teller, vor allem aber Besteck voll stiller Vorwürfe neu zu arrangieren? Künftig möchte ich das tägliche Durcheinander als Zeichen intellektueller Diversität betrachten können. Es gibt Schlimmeres, wenn auch nicht viel.
Liebe Zukunft, gib mir zudem die Kraft, auch im neuen Jahr keine einzige Resolution zu unterschreiben, die weniger dem Weltfrieden dient als dem guten Gewissen der Unterzeichnenden. Lass mich Abstand halten von jeglicher Debatte über Gendern und E-Autos, weil dazu alles von jedem gesagt worden ist. Schließlich möchte ich Langmut mit all den einzelnen Socken in unserem Heim üben, die aneinander geknotet ein Tau ergäben, mit dem man sich vom Dach des Kanzleramts abseilen könnte. Buddha sagt: Keine Socke bleibt ewig allein. Recht hat er. Neulich fand ich zwei Waisenstrümpfe in einem lang nicht gebrauchten Bettbezug. Deren Geschwisterchen hatte ich kurz zuvor in falsch verstandenem Ordnungswahn dem Altkleiderkreislauf zugeführt.


