Dauernd wird der Dialog gesucht. Neulich raunte mich ein Sanitärartikel an. „Ommmmmm. Ich (2,5 g/49mm) suche Dich zum gemeinsamen Menstruieren. Wenn Dein Herz auch für Biobaumwolle schlägt, zieh am Streifen.“ Tja, Zielgruppe knapp verfehlt. Ich arbeite mich durch die Dialogangebote im Bad eines Biohotels, das wir für eine Radrundreise gebucht haben. Vielleicht hat Patrick Graichen hier geheiratet?

Ich habe nichts gegen E-Autos und komme eine Woche ohne Langstreckenflüge aus. Als Situativökologe nehme ich, was kommt, gern auch einen Sonntagsbraten. Die hölzerne Herberge, obgleich am Wasser gelegen, bietet nicht mal Fisch. Auch gut. Dann eben was von der Linse.

Aber zunächst weitere Dialogoptionen inspizieren. „Get shit done“ ruft das Toilettenschild. Mario Barth gefällt das. Ich erfahre, dass das gruselige Schlürfen nicht auf Monster in der Kanalisation hinweist, sondern auf eine Vakuumtoilette, die einen statt zehn Liter Wasser braucht. Im ansonsten kargen Zimmer finde ich sieben weitere pädagogisch wertvolle Informationen. Dabei wollte ich nur ruhen. Vielleicht bietet man künftig dialogfreie Zimmer an, gern gegen Aufpreis.

Alle Hinweise, auf dufte getextet, sind ja gut gemeint. Aber das ist ihre Schwäche. Denn mit jedem Schild wird dem Gast subtil mitgeteilt, dass er irgendwas verbraucht oder verursacht, also am Ende das Problem von allem sei. Nicht jeder mag dieses protestantische Schuldgefühl, auch wenn es vor jeglicher Ausgelassenheit bewahrt.

Ein Ökohotel ist das Gegenteil von Italien, auch beim Abendessen. Auf der Speisekarte ist unter jedem Gericht die anfallende Menge CO2 vermerkt. Ganz vorn der Erbsensprossensalat mit 135 Gramm. Nehm´ ich, für den Planeten. Schön wäre jetzt eine LED-Anzeige, die für alle sichtbar unsere CO2-Bilanz anzeigt, auch als Ansporn für Gierhälse, die auf die Tofu-Pilz-Praline mit katastrophalen 644 Gramm CO2 nicht verzichten können. Der Siegertisch bekommt eine CD mit den besten Reden von Claudia Roth. Keine Angst, ist nicht lang.

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