Bei tristem Herbstwetter in Köpenick springt zwischen den sonst grauen Fassaden der Wohnhäuser an der Glienicker Straße plötzlich etwas ins Auge. Seit Kurzem ist dort eine ganze Hausfassade quietschbunt gestaltet. Darauf unter anderem zu sehen: Kinder in Blasen, die springen, tanzen, lesen, Seifenblasen erzeugen und durch ein Fernglas gucken. In anderen Blasen sind eine Windmühle, ein Schmetterling, ein Fisch und ein Teddybär abgebildet.
Die Hausfassade, die zur Grundschule in der Köllnischen Vorstadt gehört, dürfte am ersten Schultag nach den Herbstferien viele der insgesamt 510 Schülerinnen und Schüler überraschen. Sie ergänzt jetzt den bereits 2024 im Rahmen einer Projektwoche ebenfalls bunt gestalteten, 200 Meter langen Zaun, der das Schulgrundstück zur Glienicker Straße hin sichert.
Köpenick: Wandgemälde ein Heimspiel für Künstler Sebastian Pekor
Erst am Mittwoch in der vergangenen Woche hatten die beiden Künstler Sebastian Pekor (41) und Stephan Wilke (43) mit den Arbeiten an der Fassade begonnen. Innerhalb von fünf Tagen, wobei sie acht Stunden am Tag in teils luftiger Höhe mit ihren Sprühdosen zu Werke gingen, erschufen sie das bunte Kunstwerk. Das sogenannte Mural (Wandgemälde) ziert jetzt die gesamte 17 Meter hohe und zwölf Meter breite Außenwand des Schulgebäudes, also insgesamt eine Fläche von 204 Quadratmetern.

Für den international tätigen Künstler Sebastian Pekor, der selbst in Köpenick aufgewachsen ist, ist es ein besonderes Projekt. „Dass ich hier in Köpenick die Fassade male, ist cool, weil der Ort mein Zuhause ist“, betont er. Er habe in der Vergangenheit auch schon mal größere Flächen gemalt, noch nie aber eine zusammenhängende Fläche dieser Größe. Stephan Wilke, der in Biesdorf groß geworden ist, hat schon mal eine Schulfassade im Oderbruch gestaltet. Doch für ihn ist die Hauswand in Köpenick das bisher größte Projekt.
Sebastian Pekor leistet neben seiner Tätigkeit als Künstler auch soziale Arbeit. So leitet er eine Lernwerkstatt in Kreuzberg und gibt immer wieder Graffiti-Workshops an Schulen. Stephan Wilke, mit dem er bereits seit 1998 künstlerisch zusammenarbeitet, ist hauptberuflich Grafikdesigner. Die beiden haben viel Freude daran, mit Kindern kreativ zu arbeiten.
Schule in der Köllnischen Vorstadt: Schulleiterin wollte etwas für den Kiez tun
Dass es überhaupt zu diesem Projekt gekommen ist, liegt an einem Zufall. Sebastian Pekor, der schon früh mit der Hip-Hop-Kultur in Kontakt kam und schon damals auf dem ehemaligen Mellowpark-Areal neben dem Kabelwerk Köpenick im Verein „All eins“ mitwirkte, war an einem Kunstprojekt auf dem Alexanderplatz beteiligt. Dort gestaltete er als einer von vielen Künstlern eine Open-Air-Galerie mit. Andrea Hofer, Leiterin der Schule in der Köllnischen Vorstadt, kam dort vorbei und war von seiner Arbeit begeistert. Sie schaffte es, ihn als Künstler für das Projekt zu gewinnen.

„Ich finde, dass die Schule viel schöner geworden ist“, meint Andrea Hofer. Zuvor sei die Fassade grau und altroséfarben gewesen und habe insgesamt nicht freundlich ausgesehen. Das nun entstandene Wandgemälde sei auch so gestaltet, dass es ein gutes Bild der vielfältigen Schülerschaft zeige. „Was mir sehr gut gefällt“, wie sie betont. „Wir sind einfach bunt!“ Die Schulleiterin hat sich auch deshalb für die Zaun- und Fassadengestaltung eingesetzt, weil sie davon überzeugt ist, damit die Lebensqualität im Kiez verbessern zu können.
„Das ist hier mein Kiez, und ich möchte, dass es hier um die Schule herum schön ist und die Kinder sich wohlfühlen.“ In einer Bezirksregion, in der jedes dritte Kind von Armut betroffen ist, sei das besonders wichtig. Sie will deshalb auch noch mit den Kindern den Vorplatz der Schule an der Ecke Glienicker Straße und Rudower Straße verschönern. Dort befinden sich aktuell Glas- und Altkleidercontainer, um die herum immer wieder Müll abgelegt wird.

Für die Street Art Berlin GmbH ein bisher einmaliges Projekt
Verantwortlich für die Fassadengestaltung ist die Street Art Berlin GmbH, für die es sich um ein Pilotprojekt handelt. „Dass wir eine ganze Schule verschönern, ist einmalig in Berlin“, sagt Geschäftsführerin Diana Marossek. Nach dem Zaun und der Fassade soll nun noch eine weitere Wand auf dem Schulhof folgen.
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Unterstützt wird das Projekt von dem 2020 ins Leben gerufenen Förderprogramm „Stärkung Berliner Großsiedlungen“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. In Treptow-Köpenick profitieren davon zwei Bezirksregionen: das Allende-Viertel sowie die Köllnische Vorstadt/ Spindlersfeld.

„Mit dem aktuellen Projekt wird ein wichtiger Beitrag zur Gestaltung und Aufwertung des öffentlichen Raums geleistet. Die Verschönerung der Fassade trägt nicht nur zur ästhetischen Aufwertung des Stadtteils bei, sondern fördert auch das Sicherheits- und Wohlbefinden in der Bezirksregion“, erklärt Diana Marossek.



