Ein großes Blubbern auf dem Müggelsee sorgt aktuell für Aufsehen. Am Dienstag machte ein von einem Boot aus aufgenommenes Video bei Facebook die Runde. Darauf zu sehen ist, wie Wasser in nicht gerade geringer Menge an die Oberfläche des Sees strömt. Wie zuerst der „Berliner Kurier“ berichtete, wird das Blubbern durch ein Leck in einem unterirdisch verlaufenen Rohr verursacht.
Entspannt reagiert darauf Stephan Natz. Der Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe sagte der Morgenpost am Donnerstag: „Von diesen Schäden am Müggelsee weiß ich seit Jahren.“ Es gibt dort ihm zufolge immer wieder mal Lecks. Das derzeitige Blubbern komme nicht zum ersten Mal vor. Der Müggelsee sei diesbezüglich speziell. In anderen Berliner Seen gebe es solche Probleme nicht, weil es dort auch nicht solche Leitungen gebe, berichtet Natz.
Müggelsee: Welche Leitungen der Berliner Wasserbetriebe dort verlaufen
Die Berliner Wasserbetriebe haben mehrere Leitungen im Müggelsee. Darunter befinden sich Rohwasserleitungen ins Wasserwerk Friedrichshagen, die Grundwasser von den Brunnen am gegenüberliegenden Ufer ins Werk bringen. Dort, auf der Südseite des Müggelsees, befand sich früher das Wasserwerk Köpenick, das jedoch 1996 stillgelegt wurde, unter Denkmalschutz steht und sogar mal Drehkulisse war. Von 1998 bis 2008 wurde in dem Wasserwerk eine ZDF-Kinderserie produziert. Die Leitungen nach Friedrichshagen wurden verlegt, als das Wasserwerk Köpenick noch in Betrieb war.
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Außerdem verlaufen am Grund des Müggelsees noch drei große Trinkwasserleitungen. Diese lassen nach Auskunft der Wasserbetriebe Trinkwasser unter dem See in Richtung von Versorgungsgebieten im Süden Berlins fließen. Dabei handelt es sich um zwei parallele, innen je 90 Zentimeter starke Leitungen, die auf rund dreieinhalb Kilometern Länge diagonal unter dem See verlaufen. Die dritte Leitung ist mit einer Stärke von innen 50 Zentimetern kleiner und mit einer Länge von rund einem Kilometer auch kürzer. Sie führt in Richtung des Krankenhauses Köpenick.
Warum das Leck an der Trinkwasserleitung aufgetreten ist
„Diese Leitungen sind alle aus Stahl und aus den 80er-Jahren, die beiden sehr großen von 1987/88 und die kleinere von 1982, also alle nicht alt. Sie liegen etwa zwei Meter tief im Sediment eingespült, also in der Mitte des Sees gut zehn Meter unter dem Wasserspiegel“, erklärt Stephan Natz. „Trotz des vergleichsweise jungen Alters haben wir immer wieder Schäden auf diesen Rohren, weil offenbar die Qualität der Isolierungen bei Lieferung damals nicht die beste war“, ergänzt er. Eigentlich müssten solche Leitungen 100 Jahre alt werden. Er vermutet deshalb, dass damals in der DDR schlechte Chargen verwendet worden sind.

Wie Stephan Natz erläutert, können solche Stahlleitungen nicht brechen, allerdings durchrosten. Genau dieses Phänomen trete im Müggelsee immer wieder auf. „Wenn das geschieht, dann folgt immer dasselbe: Wir stellen Anträge beim Wasser- und Schifffahrtsamt und beauftragen eine Taucherfirma, mit der wir einen Rahmenvertrag haben.“ Dabei handle es sich um die Firma Wirth & Lindemann GmbH aus Wittenberg, die auch bereits vor Ort sei.
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„Die spülen dann am Seeboden rund um die Schadensstelle einen Trichter vom Sediment frei, sodass sie dort an das Rohr herankommen und eine Dichtschelle darumlegen können. Danach wird der Trichter wieder mit Sediment zugespült. Das alles dauert drei bis vier Wochen“, erklärt Natz. Wie groß genau der Schaden ist, kann der Sprecher der Wasserbetriebe aktuell noch nicht sagen. Die Schätzung geht von einem etwa fünf Zentimeter langen Loch in der Trinkwasserleitung aus. Das würde bedeuten, dass pro Stunde etwa 118 Kubikmeter Wasser ausströmen, was rund 0,4 Prozent der aktuellen Versorgungsmenge Berlins entspricht.
Deshalb ist ein Abstellen der Leitung für die Reparatur nicht möglich
Abschalten wollen die Berliner Wasserbetriebe die löchrige Leitung unter keinen Umständen. Der Grund ist, dass dann Wasser aus dem See in die Leitung eindringen und diese kontaminieren würde. Ein Hygieneproblem wäre die Folge. „Denn letztlich ist so ein Rohrschaden ja ein Schaden an einer Lebensmittelverpackung“, so Natz. Die Keime, die aus dem Müggelsee in die Leitung kämen, würde man ihm zufolge nie wieder loswerden.
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Wirkliche Konsequenzen aus den seit Jahren immer wieder auftretenden Lecks können die Berliner Wasserbetriebe nicht ziehen. Sie prüfen zwar einen Neubau der Leitungen, doch wahrscheinlich ist das nicht. Laut Stephan Natz würden dafür „irre Kosten“ entstehen. Zudem bräuchte es entsprechende Genehmigungen. Das alles würde Jahre dauern und sei mit einem immensen Aufwand verbunden. Der Bau der Leitungen würde dann nochmals Jahre in Anspruch nehmen. „Deshalb ist es einfacher, immer mal ein Loch zu stopfen“, sagt Natz.





