Nach monatelangen Vorbereitungen ist es in dieser Woche endlich so weit. Dann wird ganz Grünau zu einer großen Partyzone, die auch Zehntausende Menschen aus anderen Ortsteilen und Bezirken in den Südosten Berlins locken soll. Zum 275-jährigen Bestehen haben sich die Veranstalter, der Förderverein Grünauer Friedenskirche, auch einiges einfallen lassen, was nicht jedes Volksfest im Angebot hat.

So wird es zum Beispiel einen kostenlosen historischen Schiffs-Shuttle geben. Damit sollen auch Menschen, die sich sonst keine Dampferfahrt leisten können, in den Genuss kommen, einmal über Spree und Dahme zu schippern. Die Fahrten finden am Sonnabend und Sonntag jeweils stündlich von 11.30 Uhr bis zum Abend statt. Gependelt wird zwischen dem Anleger Luisenhain vor dem Rathaus Köpenick und dem historischen Anleger am Bürgerpark Grünau nahe dem Café Liebig und der Seniorenresidenz Riviera.

Grünau: Beim Festakt werden Medaillen verliehen

Los geht das dreitägige Jubiläumsfest von Freitag bis Sonntag eigentlich schon am Donnerstag. Dann werden um 20 Uhr in der Friedenskirche Grünau am Don-Ugoletti-Platz mit geladenen Gästen aus der Berliner Kultur, Politik und Wirtschaft die Festtage eröffnet. Bei dem öffentlichen Festakt werden auch erstmals die vom Grünauer Künstler Rüdiger Roehl gestalteten „Grünau-Medaillen“ verliehen. Damit werden Menschen ausgezeichnet, die sich ehrenamtlich um den Ortsteil verdient gemacht haben.

Zum Jubiläum lädt Grünau Menschen aus der ganzen Stadt und dem Brandenburger Umland zu einem Besuch ein. Mit dieser historischen Postkarte wird für das Event geworben.
Zum Jubiläum lädt Grünau Menschen aus der ganzen Stadt und dem Brandenburger Umland zu einem Besuch ein. Mit dieser historischen Postkarte wird für das Event geworben.© Förderverein Grünauer Friedenskirche | Förderverein Grünauer Friedenskirche

Auf der Empore der Friedenskirche wird in diesem Zusammenhang die Ausstellung über Walther Rathenau eröffnet. Der Industrielle, Schriftsteller und Politiker der Weimarer Republik wurde vor 102 Jahren von Rechtsradikalen ermordet. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Oberschöneweide in der Wuhlheide.

Regattastraße wird zur Festmeile

Von Freitag an wird der gesamte Bereich rund um die Friedenskirche zum Festgelände und die Regattastraße zur Festmeile. Es werden zahlreiche Imbissstände und Kirmes-Attraktionen aufgebaut sein. Für das Unterhaltungsprogramm aus Kultur und Musik sorgen mehr als 100 Künstler auf vier Open-Air-Bühnen, die von der Friedenskirche bis zur Regattatribüne über Grünau verteilt sind.

Speziell für Kinder ist die von „Radio Teddy“ bespielte Kinderbühne an der Kirche mit Artistik, Clownerie und Märchenspiel gedacht. Am Freitag wird ab 15 Uhr zusätzlich die „Fête de la Musique“ auf den Bühnen gefeiert.

Filmorchester Babelsberg tritt auf

Musikalischer Höhepunkt soll der Auftritt des Deutschen Filmorchesters Babelsberg werden. Das Ensemble wird am Sonnabend um 20 Uhr vor der Regattatribüne ein Klassik-Open-Air spielen. Passend zum Thema „275 Jahre Grünau zwischen Klassik und Moderne“ werden bekannte Filmsounds der vergangenen 100 Jahre präsentiert. Mit dabei sind internationale Solisten und die Sängerin Katharine Mehrling von der Komischen Oper als Stargast.

Vor der Regattatribüne Grünau, wo am Sonnabend der Festumzug endet, wird später das Deutsche Filmorchester Babelsberg ein Klassik-Open-Air spielen.
Vor der Regattatribüne Grünau, wo am Sonnabend der Festumzug endet, wird später das Deutsche Filmorchester Babelsberg ein Klassik-Open-Air spielen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Direkt im Anschluss wird über der Dahme ein großes Feuerwerk mit musikalischer Untermalung von Georg Friedrich Händel gezündet. Die Orchestersuite in D-Dur, eine der populärsten Werke der klassischen Musik, wurde 1749 in London uraufgeführt, dem Jahr der Grünauer Ortsgründung.

Festumzug am Sonnabend als großes Schaulaufen

Für ein weiteres Highlight soll bereits am frühen Sonnabendnachmittag der drei Kilometer lange Festumzug durch Grünau werden. Er startet um 14 Uhr an der Grünauer Brücke am Teltowkanal, führt über die Regattastraße und endet an der Regattatribüne. Dabei soll der Blick auf die Vergangenheit mit ihrer Mode und ihrem Brauchtum gerichtet werden. So präsentieren sich Grünauer Bürger, Vereine und Institutionen in historischen Kostümen.

Besonders im Blickpunkt wird Johanna Roggow stehen. Die 18-Jährige, die sich in einem Casting durchgesetzt hat, wird als „historische Ruderin“ mit einem Skull auf der Schulter an der Spitze laufen. Für sie wurde extra ein Outfit maßgeschneidert, das dem einer historischen Postkarte aus dem 19. Jahrhundert ähnelt.

Mit diesem maßgeschneiderten Ruderkostüm wird Johanna Roggow am Sonnabend den Festumzug durch Grünau anführen.
Mit diesem maßgeschneiderten Ruderkostüm wird Johanna Roggow am Sonnabend den Festumzug durch Grünau anführen.© Heiko Stang | Heiko Stang

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„Ich finde, es ist ein tolles Event, und ich freue mich sehr darauf“, sagte die Abiturientin vor wenigen Wochen im Morgenpost-Interview. Obwohl sie schon auf einer Bühne gestanden und vor Menschen gesprochen habe, sei sie „sehr aufgeregt“. Über ihre Heimat sagt Johanna Roggow: „Grünau ist immer eine Bereicherung.“

Vergangenheit und Gegenwart werden repräsentiert

Im Festumzug hinter ihr werden unter anderem Hauptmann-von-Köpenick-Darsteller Heiko Stang, der als Projektleiter die gesamten Festlichkeiten organisiert hat, die Hauptmann-Garde, Musik- und Wassersportvereine, Handwerksbetriebe, die Freiwillige Feuerwehr sowie Institutionen und Gewerbetreibende laufen. Sie alle sollen das Leben in Grünau in der Vergangenheit und Gegenwart sichtbar machen.

Für das Kostüm von Johanna Roggow war Ina Stang verantwortlich. Die Frau des Hauptmann-von-Köpenick-Darstellers und Projektleiters von „275 Jahre Grünau“, Heiko Stang, nahm dafür Ende April Maß.
Für das Kostüm von Johanna Roggow war Ina Stang verantwortlich. Die Frau des Hauptmann-von-Köpenick-Darstellers und Projektleiters von „275 Jahre Grünau“, Heiko Stang, nahm dafür Ende April Maß.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Zum Programm von 275 Jahre Grünau gehört außerdem das regionale Tauffest am Sonntag. Dieses wird von der Evangelischen Kirchengemeinde Bohnsdorf-Grünau mit den Nachbargemeinden Adlershof und Altglienicke im Strandbad Grünau gefeiert. Die jeweiligen Pfarrerinnen und Pfarrer werden dann mit ihren Talaren ins Wasser der Dahme steigen und Taufwillige, die sich vorher anmelden mussten, in die Kirche aufnehmen.

Stolpersteinverlegung für Familie Königsberger

Des Weiteren werden am Sonntag ab 16.30 Uhr gegenüber vom Café Liebig an der Anlegestelle Stolpersteine für die ehemaligen Besitzer des Grundstücks verlegt. Es handelt sich um die Familie des Berliner Oberbaurates Georg Königsberger (1873–1932).

Seine Witwe Käthe und die vier Kinder mussten einst aufgrund der Verfolgung durch die Nationalsozialisten das Land verlassen. Von den Nazis enteignet, wurde die Villa Königsberger während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Später kam das Gelände in den Besitz des Magistrats und ist heute namenlos. Neben den Stolpersteinen für die Familie wird auch eine Stele zur Erinnerung und Information über die Geschichte des Grundstücks eingeweiht.

Entstanden ist Grünau im Übrigen, weil auf Anweisung von Friedrich dem Großen im Süden von Berlin auf der Uferlandschaft der Dahme eine Kolonie angesiedelt wurde. 1749 erhielt diese von den ersten vier Kolonisten-Familien aus der Pfalz den Namen „Auf der Grünen Aue“.

Alle Informationen zum Jubiläumsfest gibt es auch unter www.gruenau275.de.

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