Treptow-Köpenick

Ausbau A100: So werden Anwohner vor dem Verkehr geschützt

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Lea Hensen
Die Baustelle der A100 am Treptower Park. Hier soll der 16. Bauabschnitt der Autobahn enden.

Die Baustelle der A100 am Treptower Park. Hier soll der 16. Bauabschnitt der Autobahn enden.

Foto: Jessica Hanack / BM

So will die grüne Verkehrsstadträtin Claudia Leistner den Ortsteil Alt-Treptow vor dem drohenden Durchgangsverkehr bewahren.

Berlin. Dem Treptower Norden droht ein Verkehrschaos: 2024 soll am Treptower Park laut Koalitionsvertrag der 16. Bauabschnitt der A100 enden. Eine Weiterführung nach Friedrichshain-Kreuzberg ist nicht geplant. Der Ersatzbau der maroden Elsenbrücke wird voraussichtlich nicht vor 2028 fertig. Die Bauarbeiten an der wichtigen Querung zwischen Treptow und Friedrichshain sorgen seit 2018 beidseitig für Stau.

Das Problem erscheint absehbar: Autofahrende finden sich, wenn sie in ein paar Jahren von der Autobahn abfahren, in einem Ortsteil wieder, der auf das gesteigerte Verkehrsaufkommen nicht vorbereitet ist. Der Koalitionsvertrag spricht zwar von einem „qualifizierten Abschluss“ der A100.

„Bei der Inbetriebnahme soll der Bund die verkehrliche Umgebungssituation beachten“, heißt es, und auch von einem „Verkehrskonzept für die betroffenen Bereiche einschließlich der Sonnenallee“ ist die Rede. Wie genau dieses Konzept aussehen soll, ist allerdings nicht bekannt.

Kiezblocks gibt es bereits in Friedrichshain-Kreuzberg

Claudia Leistner (Grüne), neue Verkehrsstadträtin im Berliner Südosten, will die Menschen in Alt-Treptow vor dem drohenden Durchgangsverkehr bewahren. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost sagte sie, dass sie einen Einwohnerantrag unterstütze, der für das Wohngebiet Karl-Kunger-Kiez einen Kiezblock einrichten will.

Kiezblöcke gibt es in Berlin schon in Friedrichshain-Kreuzberg. Sie leiten den Verkehr so um, dass die Straßen im Kiez hauptsächlich von Fußgängern und Radfahrenden genutzt werden können – der Durchgangsverkehr durch Autos wird weitgehend unterbunden. Anwohner dürfen weiterhin einfahren, auch der Lieferverkehr ist erlaubt, und natürlich bekommen auch die Müllabfuhr und der Rettungsdienst eine Durchfahrt.

Hauptbaustein der Kiezblock-Idee, deren Ursprung in Barcelona liegt, ist die Diagonalsperre, die die Mitte einer Kreuzung durch Poller teilt. Aber auch die Einrichtung von Einbahnstraßen, Fahrrad- oder Spielstraßen sowie Geschwindigkeitsbegrenzungen gehören zu den Maßnahmen.

Einwohnerantrag schafft es in BVV

Der Einwohnerantrag aus dem Kungerkiez hat es mit 1700 Unterschriften in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) geschafft und wird laut Leistner bald umgesetzt werden. Auf die Frage, ob ein Kiezblock das Problem des gesteigerten Verkehrsaufkommens in Alt-Treptow nicht einfach nur verdränge, weil sich Autofahrende stattdessen andere Straßen suchen, sagt die Verkehrsstadträtin, dass die Verkehrswende vorangebracht werden muss.

Der Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel müsse auch außerhalb Alt-Treptows erfolgen. „Ziel muss es sein, auch das Gebiet um den Kiezblock verkehrlich so zu entwickeln, damit gerade keine Verdrängung des Autoverkehrs in andere Straßen erfolgt“, sagte sie. Für die Autobahnabfahrt schlägt sie vor, eine Pförtnerampel zu prüfen, die nur so viel Verkehr reinlässt, wie der Ortsteil aushält.

CDU warnt vor Stauproblem

Katrin Wegner von der Kungerkiez-Initiative, einer Nachbarschaftsinitiative, die Alt-Treptow klimafreundlicher gestalten will, sieht in dem Durchgangsverkehr schon jetzt ein großes Problem. Weil die Elsenstraße als Weiterführung der Elsenbrücke stark überlastet sei, würden sich viele Autofahrende einen Schleichweg durch den Kungerkiez suchen. Gerade die Kreuzung Bouchéstraße/Kiefholzstraße sei dadurch besonders belastet.

„Zu Hauptverkehrszeiten kommt man kaum über die Straße“, sagt Wegner. Für die Schulkinder, die die Bouché-Schule im Norden des Kiezes besuchen, sei die Situation gefährlich. Eine Diagonalsperre, die ein Abbiegen in die Kiefholzstraße zu einer Seite hin verhindert, könnte eine denkbare Lösung sein.

Christoph Keller, einer der Initiatoren des Einwohnerantrags, sagt: „Welche Maßnahmen am Ende wirklich umgesetzt werden, müssen die Anwohnenden in Zusammenarbeit mit Experten entscheiden.“ Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 sei im Gespräch. Keller ist zuversichtlich, dass erste Maßnahmen in 2022 umgesetzt werden können.

Dustin Hoffmann, Ortsvorsitzender der CDU in Alt-Treptow, hält den Kiezblock hingegen für unnötig und befürchtet, dass er nur die Parkplatzsuche erschwert. „Wenn Parkplatzsuchende nur durch bestimmte Straßen fahren dürfen, bekommen wir dadurch ein neues Stauproblem“, sagt er. Stattdessen fordert er, dass der Senats das angekündigte Verkehrskonzept vorantreibt.