Alt-Treptow

Schmollerplatz: Anwohner fürchten zweiten Schlesischen Busch

| Lesedauer: 4 Minuten
Lea Hensen
Das Bezirksamt Treptow-Köpenick will den Schmollerplatz in Alt-Treptow umgestalten: Mitarbeitende des Planungsbüros und die Kungerkiez-Initiative waren bei einer Info-Veranstaltung vor Ort

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick will den Schmollerplatz in Alt-Treptow umgestalten: Mitarbeitende des Planungsbüros und die Kungerkiez-Initiative waren bei einer Info-Veranstaltung vor Ort

Foto: Lea Hensen / Berliner Morgenpost

Der Schmollerplatz in Alt-Treptow soll umgestaltet werden. Anwohnende wollen aber vor allem eins: Dass es weiterhin ruhig bleibt.

Berlin. Der rund ein Hektar große Schmollerplatz in Alt-Treptow kann getrost als unscheinbar bezeichnet werden: Der nördliche Teil besteht aus einer Grünfläche, an deren einen Seite die Neuapostolische Kirche steht, mittendurch führt ein Trampelpfad, am Rande der Wiese stehen wenige Bäume. Auf der anderen Seite der Heidelberger Straße, die den Platz teilt, stehen seit 2017 zwei moderne Wohnhäuser, die auch „Treptower Zwillinge“ genannt werden, und eine Keramik-Skulptur des Künstlers Christian Uhlig.

Seit Jahren wird der Platz vor allem von Hundebesitzerinnen und -besitzern genutzt. Das Bezirksamt möchte den Platz nun schöner gestalten und seine Aufenthaltsqualität erhöhen. Dafür soll noch in diesem Jahr ein Freiraumkonzept erarbeitet werden, die Bürgerbeteiligung läuft seit Freitag.

Interessierte Anwohnerinnen und Anwohner konnten sich am Freitagnachmittag vor Ort mit Mitarbeitenden des vom Bezirk beauftragten Planungsbüros austauschen und ihre Ideen einbringen. Dabei wurde deutlich, dass einige von ihnen den unscheinbaren Charakter des Platzes gerne bewahren würden: Sie befürchten, dass sich die Drogenszene aus dem Görlitzer Park und dem Schlesischen Busch, die beide nur wenige hundert Meter entfernt sind, auf den Schmollerplatz verlagert, wenn dieser attraktiver wird.

Schmollerplatz: Bänke wurden wegen Trinkerszene entfernt

„Ich möchte, dass sich möglichst wenig verändert“, sagte eine 83-jährige Anwohnerin der Berliner Morgenpost. „Wir hatten hier vor einigen Jahren ja schon die Probleme mit der Kaufhalle.“ Vor dem Neubau der Mehrfamilienhäuser befand sich bis 2015 auf der südlichen Seite des Platzes eine Supermarkt-Filiale, zuletzt von Kaiser’s. Viele Kunden nutzten die umliegenden Bänke als Treffpunkt, mit den Jahren hatte sich dort eine Trinkerszene etabliert. In Folge wurden alle Bänke abgebaut.

Timo Marzahn ist am Schmollerplatz aufgewachsen. Der 51-Jährige befürwortet, dass der Platz umgestaltet werden soll. „Ich weiß allerdings auch, dass die Mehrheit der hier lebenden älteren Anwohner dagegen ist, weil sie zum Beispiel ihre Schlafzimmer zum Platz hin haben und sie keinen Lärm durch sich ansammelnde Jugendliche möchten “, sagte er. Die meisten umliegenden Wohnhäuser gehören der Wohnungsbaugenossenschaft Treptow-Nord, deren Mieterinnen und Mieter oft höheren Alters sind. „Ich sorge mich darum, dass die Drogenszene aus dem Schlesischen Busch rüberschwappt“, sagt eine weitere Anwohnerin. In den vergangenen Monaten waren mit zunehmender Polizeipräsenz immer mehr Dealer aus dem Görlitzer Park auf die Grünanlage jenseits des Landwehrkanals ausgewichen.

Schmollerplatz: Initiative erhielt Förderung für Klima-Garten

Wie der Platz tatsächlich umgestaltet wird, soll bis Ende des Jahres erarbeitet werden. Anwesend war am Freitag auch die Kungerkiez-Initiative. Die Nachbarschaftsinitiative setzt sich seit Jahren dafür ein, Alt-Treptow lebenswerter und klimafreundlicher zu gestalten und hat bereits zahlreiche Projekte realisiert. Für ein neues Projekt wurde gerade erst eine Förderung von 1,5 Millionen Euro durch das Bundesumweltministerium bewilligt.

Im Rahmen dessen soll auf dem Schmollerplatz ein öffentlich zugänglicher Stadtnatur- und Klima-Demonstrationsgarten mit Hochbeeten entstehen, den Anwohnende und zum Beispiel Kita-Gruppen pflegen. Ein BVV-Beschluss von Mai hatte der Initiative den Platz für die Gestaltung eigentlich zugesagt. Dass nun das Bezirksamt die Planung doch selbst in die Hand nehmen will, irritiert die Initiatoren.

Stadträtin für Stadtentwicklung: Bringen beide Ansätze zusammen

„Bei der Bürgerbeteiligung des Bezirksamts können die Anwohnenden zwar ihre Wünsche einbringen, in unserem Projekt würden wir den Platz allerdings gemeinsam entwickeln“, sagte José von Keyserling der Berliner Morgenpost. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass die Initiative für Projekte im öffentlichen Raum Wege findet, die anderen Stellen oft versagt bleiben: Zum Beispiel, was das Gärtnern auf öffentlichen Grünflächen betrifft — eigentlich sei das verboten. „Der Demonstrationsgarten ist das Herzstück unseres Klimaprojekts, dessen Entwicklung wahnsinnig aufwendig war“, sagt Katrin Wegner von der Kungerkiez-Initiative. „Es wäre schade, wenn nun stattdessen die Planung des Bezirksamts innerhalb weniger Monate durchgedrückt wird.“

Auch Claudia Leistner (Grüne), neue Stadträtin für Stadtentwicklung, war am Freitag vor Ort. „Ich bin mir sicher, dass wir für die Umgestaltung des Schmollerplatzes beide Ansätze zusammen bringen können“, sagte sie. Nächster Schritt ist eine öffentliche Planungswerkstatt am Donnerstag, 25. November, um 19 Uhr im Jugend- und Kulturzentrum Gérard Philipe, Karl-Kunger-Straße 29/30.