Coronavirus in Berlin

Impfungen in Berlin: In 57 Minuten zum Corona-Schutz

Bundespräsident ist zu Besuch in Berlins größtem Impfzentrum in der Arena in Treptow. Dort wird ab 27. Dezember immunisiert.

Berliner blicken mit Hoffnung auf Corona-Impfungen

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA empfiehlt die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer. In Berlin blicken viele mit Hoffnung auf den Beginn der Impfungen.

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Berlin. In Berlins größtem Corona-Impfzentrum war das Personal schon in großer Zahl angetreten. Hoher Besuch hatte sich am Montagvormittag in der Arena in Treptow angesagt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier machte sich genau an jenem Tag ein Bild von der Lage, an dem der Impfstoff von Biontech und Pfizer in Berlin zugelassen werden sollte. Was er sah im ehemaligen Busdepot der Berliner Verkehrsbetriebe, beeindruckte das Staatsoberhaupt. Sehr gut organisiert sei das alles, befand Steinmeier nach seinem Rundgang durch die Halle mit ihren 80 Impfkabinen, Empfangstresen und Wartezonen, wo die Impflinge nach dem Pieks noch eine halbe Stunde beobachtet werden sollen.

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Impfungen in Berlin: Vorbereitungen für Impfstart sind annähernd abgeschlossen

Exakt 57 Minuten werde ein Impfvorgang dort dauern, berichtete Projektleiter Albrecht Broemme dem hohen Besucher, der vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (beide SPD) begleitet wurde. Die Vorbereitungen auf den Impfstart am 27. Dezember sind annähernd abgeschlossen. Dutzende Bundeswehrsoldaten wurde am Montag für ihren Einsatz an den Registrierungsstellen der sechs Berliner Impfzentren geschult. Wann sie allerdings in großer Zahl zu ihren Einsatzorten ausrücken werden, ist noch offen. Denn noch fehlt die wichtigste Zutat für ein Impfzentrum, nämlich der Wirkstoff in ausreichender Menge.

In Berlin wird die Impfkampagne gegen das Coronavirus am Sonntag nach Weihnachten in einem Pflegeheim beginnen, sagte Senatorin Kalayci. Derzeit seien die Experten der Leitstelle dabei, die Touren für die mobilen Impfteams zusammenzustellen, welche die Alten- und Pflegeheime anfahren werden. Diese werden vom Impfzentrum im früheren Terminal C des Flughafens Tegel aus operieren. Man werde in allen Bezirken beginnen, versicherte die Senatorin. Weil absehbar zunächst nur etwas mehr als 18.000 Impfdosen für Berlin bereit stehen werden, muss aber unter den besonders gefährdeten Gruppen noch einmal differenziert werden. So sollen die Teams zunächst Heime ansteuern, wo besonders viele Bewohner mit Demenz leben, für die es schwierig sei, Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.

Impfungen in Berlin: Start mit mobilen Teams und in der Arena in Treptow

Womöglich werde das Personal beim ersten Besuch nicht komplett durchgeimpft, sagte der Regierende Bürgermeister. Solange man so knapp mit den Ressourcen sei, müsse man auswählen. Er gehe davon aus, dass man in den kommenden Wochen weitere Impfdosen erhalten werde. Es sei auch nicht so, dass man die notwendige zweite Impfration für jede einzelne vorrätig halten müsse, so Müller. Zunächst war der Zeitabstand zwischen beiden Impfungen mit 21 Tagen angegeben worden, Nun erfuhr Müller, dass man 20 und 50 Tagen hat, um die zweite Dosis zu verabreichen. Das entspanne die Lage.

Beginnen sollen die mobilen Teams, aber auch in der Arena wird es am Sonntag losgehen. Es würden erste Bewohner und Mitarbeiter aus Pflegeheimen in das Impfzentrum gebracht, sagte Projektleiter Albrecht Broemme der Morgenpost. Der Prozess sei in den Impfzentren sei viel effizienter als in Pflegeheimen, begründete Broemme. In der Arena könne man in den 80 dort aufgestellten Impfkabinen bis zu 2000 Menschen am Tag impfen. In Pflegeheimen rechnet der frühere Berliner Feuerwehrchef nur mit etwa 80 Impfungen pro Tag.

Die ersten Impfungen in der Arena sollen auch Testlauf sein für den Start der großen Kampagne, wenn zunächst die Berliner im Alter von über 80 Jahren zur Impfung eingeladen werden. Außerhalb der Pflegeheime seien das etwa 160.000 Menschen, hieß es. Inklusive der Beschäftigten in Pflege und Krankenhäusern zählen laut Gesundheitssenatorin rund 200.000 Menschen in Berlin zu den Gruppen mit der höchsten Priorität.

Tempo hängt an verfügbarer Menge des Impfstoffs

Die Kandidaten werden per Brief eingeladen und können dann telefonisch oder online einen Termin vereinbaren. Die Menschen würden vor dem Impfen auf Wunsch von Ärzten beraten und müssten danach – wie bei jeder Impfung – eine halbe Stunde unter Beobachtung bleiben. Bis in größerem Umfang Menschen von außerhalb der Pflegeheime in die Arena und später in den fünf anderen Berliner Impfzentren mit weiteren 220 Impfkabinen kommen, wird es noch einige Wochen dauern. In der Gesundheitsverwaltung gehen sie davon aus, dass die Termine frühestens in der zweiten Januarwoche vergeben werden.

Die große Unbekannte bleibt der Impfstoff. Sie sei vorsichtig geworden, Zahlen über zur Verfügung stehende Dosen zu nennen, sagte die Gesundheitssenatorin. Man sei abhängig vom Bund. Was Deutschland erhalte, gehe zu 4,5 Prozent nach Berlin. Mit den vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) avisieren Mengen könne man eine „Durchimpfung gewährleisten“, sagte Kalayci. In welcher Zeit das erfolgen könne, bleibe aber die Frage.