Bildung

Treptow-Köpenick: Gemeinschaftsschule soll geteilt werden

In Treptow-Köpenick soll eine Gemeinschaftsschule geteilt werden. Die Eltern sind entrüstet: Schulcharakter ginge verloren.

In Treptow-Köpenick soll eine Gemeinschaftsschule geteilte werden.

In Treptow-Köpenick soll eine Gemeinschaftsschule geteilte werden.

Foto: Felix Kästle / dpa

Berlin. Die Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule im Bezirk Treptow-Köpenick soll ab dem kommenden Schuljahr ihren Grundschulteil auslagern. Eigentlich sollen an einer Gemeinschaftsschule alle Schüler unter einem Dach lernen. Die Kleinen und die Großen, die Leistungsstärkeren und die Leistungsschwächeren fördern sich so gegenseitig. Das soll die Bildungsgerechtigkeit erhöhen. Doch für die Brahe-Gemeinschaftsschule in Treptow-Köpenick gibt es andere Pläne.

Vom eigentlichen Standort aus, der in der Straße „Am Plänterwald“ liegt, geht es dann für die Schulanfänger 800 Meter weiter nach Süden in die Willi-Sänger-Straße. Rund zehn Minuten sind das zu Fuß. Dort liegt ein ehemaliges Schulgebäude, das nun für die Grundstufe hergerichtet wird.

Linke kritisieren den bevorstehenden Umzug

Von der Elternschaft, Teilen des Kollegiums und auch aus der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gibt es schon länger dagegen Protest. Besonders die Fraktion der Linken im Bezirk kritisiert den bevorstehenden Umzug. Das Prinzip einer Gemeinschaftsschule funktioniere nur, wenn alle wirklich an einem Ort zusammen lernten. Mit mobilen Ergänzungsbauten auf dem Schulhof habe man doch die Zahl der Schulplätze deutlich erhöht. Das sei „ein solidarischer Beitrag“ der Gemeinschaftsschule gewesen, meinte Johann Eberlein, bildungspolitischer Sprecher der Linken im Bezirk. Genau diese „Campuslösung“ erlaube allen, auch zukünftig zusammenzubleiben.

Doch es ist die aktuelle Schulplatznot, die den Druck auf den Umzug erhöht. Für das jetzige Schuljahr 2019/20 suchte der Bezirk vor gut einem Jahr händeringend freie Plätze für 75 Schüler an weiterführenden Schule, sie mussten daraufhin in andere Bezirke ausweichen – weite Schulwege inklusive. Für Schulstadträtin Cornelia Flader (CDU) ein prägendes Erlebnis, das sich nicht wiederholen soll. Ihre Rechnung: Indem der Grundschulteil in ein anderes Gebäude zieht, einem „Filialstandort“, kann der Hauptstandort sich ganz für die älteren Schüler öffnen. Mehr Schulplätze im Sekundarschulbereich also, obwohl Zahlen belegen, dass für das kommende Schuljahr 2020/21 alles gut aussieht.

Vorschlag eine neue Sekundarschule zu bauen, kommt für Bezirksamt nicht in Frage

In der BVV wurde, um den drohenden Umzug zu verhindern, bis zuletzt allerlei beschlossen. So steht im Raum, ob eine „Ringtauschlösung“ möglich sei, eine Art Bäumchen-wechsel-dich von verschiedenen Schulen im Bezirk. Vorschlag ist, dass die „Schule am Wildgarten“, eine Förderschule mit Schwerpunkt „Lernen“, in das Gebäude an der Willi-Sänger-Straße zieht. Im Bezirksamt hält man den Standort für diesen Schultyp allerdings für „nicht geeignet“.

Auch der Vorschlag aus der BVV, eine ganz neue Sekundarschule zu bauen, kommt für das Bezirksamt nicht in Frage. Man habe geprüft, „jedoch derzeit keine Liegenschaft identifizieren können“, die sich dafür eigne.

Es bleibt also beim Umzug von Teilen der Gemeinschaftsschule? „Der Umzug ist noch nicht detailliert geplant, soll aber zum Schuljahresbeginn abgeschlossen sein. Die Schule hat entsprechende Ausstattungsaufträge – wie Stühle und Tische – an das Bezirksamt übermittelt“, so Flader. Es sei „Eile geboten“, denn aktuell richteten Baufirmen den Standort Willi-Sänger-Straße für Grundschulkinder her, „bei einem Stopp der Baumaßnahmen“ drohe man nicht rechtzeitig zum Herbst fertig zu werden. „Dann würde das Schulamt Probleme mit der Zuweisung der Schüler bekommen.“

BVV durch Coronakrise unfähig zu handeln

Vor Gegenwehr muss sich die Schulstadträtin kaum fürchten. Die politische Ebene, die BVV, ist durch die Coronakrise unfähig zu handeln. Der letzte Schulausschuss vom 19. März, in dem die Gründe für die Absage eines Ringtauschs erläutert werden sollten, fand schon nicht mehr statt. „Das Bezirksamt macht einfach weiter wie bisher und lässt umziehen. Dass wir derzeit keine Möglichkeit haben, uns dagegen zu wehren, ist dabei unerheblich“, empört sich Jana Oestreich von der Gesamtelternvertretung der Brahe-Gemeinschaftsschule. Ihre Tochter geht dort in die erste Klasse, wäre also selbst vom Umzug betroffen. „Das ist für mich dann keine Gemeinschaftsschule mehr“, sagt Oestreich und spricht damit aus, was viele andere denken. Dann hätte man gleich eine traditionelle Grundschule wählen können.

Schulstadträtin Cornelia Flader will am Umzug festhalten und ihn nicht „kurz vor der Ziellinie“ über den Haufen werfen. Politische Vorbehalte weist sie von sich – schließlich baue man die Gemeinschaftsschule doch aus. Das sei also eine „Stützung und Stärkung“ des Standorts und „keine Zerschlagung“.