Ausflugstipp

So entstand die Köpenicker Villenkolonie Hirschgarten

Ein Spaziergang durch die Köpenicker Villenkolonie Hirschgarten, das Erpetal und die Mittelheide bis zum Märchenviertel.

Der Hirteplatz wurde nach dem Gründer der Villenkolonie, Albert Hirte, benannt.

Der Hirteplatz wurde nach dem Gründer der Villenkolonie, Albert Hirte, benannt.

Foto: Simone Jacobius

Berlin. Manchmal braucht es Visionen und Ausdauer, bis etwas Schönes entsteht. So war es auch mit der Villenkolonie Hirschgarten. Als der Bankier Albert Hirte (1833–1898) Anfang der 60er-Jahre des 19. Jahrhunderts die Hirschacker genannten Wiesen erbte, fand er die Landschaft so reizvoll, dass er dort wohnen wollte. Eine Villenkolonie mit dem Namen Hirschgarten entstand, ein blühender und grüner Garten, in dem die Straßen sternförmig von einem Platz abgehen.

Im kommenden Jahr wird die Villenkolonie an der Spree 150 Jahre alt. Viele der prächtigen Häuser wurden liebevoll restauriert, auch die sternförmige Anlage des Areals ist erhalten geblieben. Der knapp acht Kilometer lange Ausflug führt von dort über das Erpetal, die Mittelheide bis ins Märchenviertel.

Der Hirteplatz ist das Herzstück der Kolonie

Wir starten am Brandenburgplatz, wo mehrere Bus- und Straßenbahnlinien halten, und gehen den Fürstenwalder Damm entlang und biegen rechts in den Ahornweg ein. Er führt uns vorbei an schönen Alt- und Neubauten runter zum Wasser. Die Spree mit ihrem grünen Uferstreifen, der Spreepromenade, hat zu jeder Jahreszeit ihren Reiz. Die Sternallee führt zum Herzstück der Kolonie: dem Hirteplatz, der nach dem Gründer der Kolonie benannt wurde. Dort stehen besonders prächtige Villen. Weiter geht es rechts in den Weg zur Quelle entlang über den Fürstenwalder Damm und kurz darauf links in den Kurzen Weg und rechts in die Stillerzeile. Gleich links folgen wir dem Hinweisschild zum Wiesenrain.

Dort beginnt die schöne Wiesenlandschaft des Erpetals. Eine Brücke kreuzt das kleine Flüsschen. Wir gelangen auf die Straße Am Wiesenrain, der wir kurz nach rechts folgen. Hinter der Brücke führt links ein kleiner Fußweg an der Erpe entlang, der von Wiesen und Weiden gesäumt ist und in das Landschaftsschutzgebiet zwischen Neuenhagener Mühlenfließ – besser bekannt als Erpe – und der Wuhle führt. Dazu gehört auch die Mittelheide.

Wir unterqueren den Bahndamm und folgen dem Uferweg. An der zweiten Brücke geht es nach links über den Wiesengrund in die Kleingartenanlage. Nach einer kurzen Wegstrecke verlassen wir die Kolonie, kreuzen einen Fahrweg und gehen an der Schranke vorbei in den Wald hinein. Der Weg führt immer geradeaus. Nach einer Weile gelangt man an einen kleinen Waldspielplatz direkt an der Grenze zum Siedlungsgebiet Wolfsgarten, besser bekannt als Märchenviertel. Der Weg hinter dem Spielplatz führt links ins Märchenviertel hinein und wird zum Däumlingsweg. Rechter Hand die Siedlung, links der Wald, folgen wir der Straße, bis sie auf einen Zaun stößt. Dort geht es rechts einen kleinen Weg hinein, immer am Zaun entlang über Stock und Stein. Bei der Brache linker Hand handelt es sich um den ehemaligen Güterbahnhof, auf dessen Areal ein großangelegter Wohnungsbau geplant ist.

Wenn rechts ein fahrbahnähnlicher Weg abgeht, folgen wir dem an den Garagenbauten vorbei. Weiter geht es links in den Waldburgweg, den Rastplatz kreuzen und dem Stellingdamm folgen. Wir befinden uns mitten in einer alten Arbeitersiedlung. Die war Ausgangspunkt und Hauptschauplatz der „Köpenicker Blutwoche“ vom 21. bis 28. Juni 1933, bei der politisch andersdenkende Personen durch die SA verfolgt, misshandelt und getötet wurden.

Die Straße führt nun direkt zum S-Bahnhof Köpenick mit dem benachbarten Einkaufszentrum, wo es viele Möglichkeiten zur Einkehr gibt.

Tipps und Infos auf einen Blick

Villenkolonie Hirschgarten Am 19. Juni 1870 begann die Geschichte der Villenkolonie Hirschgarten, als der Bankier Albert Hirte mit seinem Freund Ferdinand Lindenberg vom nahen Cöpenick mit dem Fischerkahn aufgebrochen war, um den Bau einer Villenkolonie vorzubereiten. Zum 50. Jahrestag der Gründung von Hirschgarten wurde der zentrale Platz im Sommer 1920 nach Hirte benannt. 2020 wird der 150. Geburtstag der Kolonie begangen.

Köpenicker Blutwoche Ein Ereignis des frühen SA-Terrors in Berlin war die „Köpenicker Blutwoche“ Ende Juni 1933. Mehrere hundert SA-Männer verschleppten und folterten bis zu 500 politisch Andersdenkende und Juden, mindestens 23 Menschen starben. Daran erinnert die Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche an der Puchanstraße 12. Geöffnet: Do., 10–18 Uhr, So., 14–18 Uhr, Eintritt frei, Tel. 902 97 33 50, www.gedenkstaette-koepenicker-blutwoche.org

Die Route Die Strecke des Ausflugs ist 7,6 Kilometer lang. Dafür sollten 1,5 bis 2 Stunden eingeplant werden.