Neue Wohnungen

Köpenick bekommt ein neues Stadtquartier

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs sollen 1800 Wohnungen entstehen. Kritik an den wenigen geplanten Parkplätzen.

So soll der Güterbahnhof Köpenick bebaut werden.

So soll der Güterbahnhof Köpenick bebaut werden.

Foto: BM

Berlin. Der ehemalige Güterbahnhof in Köpenick wird zum neuen Stadtquartier. Rund 1800 Wohnungen sollen dort entstehen, mindestens 40 Prozent davon sollen günstige Mieten haben. Geplant sind auch der Bau von drei Schulen. Auch Kitaplätze sollen in ausreichendem Maß geschaffen werden. Spielplätze und ein Kiezclub sind vorgesehen.

Einen entsprechenden Beschluss für das Vorhaben hat der Senat auf seiner Sitzung Anfang Oktober gefasst. Damit sei man bei der Revitalisierung des einstigen Bahnareals „ein entscheidendes Stück vorangekommen“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Seit 2016 wurden vorbereitende Untersuchungen für das Projekt durchgeführt. Nun sind sie abgeschlossen. Als Baubeginn ist 2021 avisiert.

Das gesamte Entwicklungsgebiet reicht über die brach liegenden Bahnflächen hinaus und ist etwa 58 Hektar groß. Nördlich des neuen Quartiers liegt die Gartensiedlung Elsengrund aus den 20er-Jahren. Im Süden befinden sich Bauten der Gründerzeit und des Reformwohnungsbaus.

Senat plant insgesamt 14 neue Stadtquartiere

Das Areal am Bahnhof Köpenick ist eines von 14 neuen Stadtquartieren, die der Senat in Berlin plant. Insgesamt 43.500 Wohnungen sollen auf diesen Flächen entstehen. Bei einigen dieser Quartiere komme der Senat nicht voran, weil die Vorplanung fehle oder wegen Bürgerprotesten, sagte Stefan Förster, Mitglied der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Doch das Köpenicker Projekt habe Tempo aufgenommen, es gehe „ziemlich zügig voran“. Er nehme an, so Förster, dass das Abgeordnetenhaus dem Senatsbeschluss ohne große Diskussion zustimmen werde.

Randbebauung zur Siedlung Elsengrund ist strittig

„Insgesamt ist das Projekt von der Dimensionierung her nicht strittig.“ Strittig sei dagegen die Randbebauung zur Siedlung Elsengrund, sagte der Abgeordnete, der auch Vorsitzender des Bezirksdenkmalrates Treptow-Köpenick ist. „Das ist eine herausragende Siedlung des Schweizer Architekten Otto Rudolf Salvisberg .“ Die Bebauung in Nachbarschaft dieser Siedlung müsse angepasst sein.

„Ich gehe davon aus, dass das berücksichtigt wird. Es gab Zusagen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, diese Bedenken mit einzuarbeiten.“ Konkrete Entwürfe der Neubauten gebe es jedoch noch nicht. „Damit rechne ich nicht vor Mitte 2020.“

Nur wenige Stellplätze für Autos vorgesehen

Das neue Stadtquartier soll laut Senatsbeschluss „autoarm“ sein. Doch die Verkehrssituation für das neue Quartier müsse genauer betrachtet werden, fordert Förster. Wegen der nahen S-Bahnhöfe Köpenick und Hirschgarten sei der Senat davon ausgegangen, dass nur wenige Stellplätze im neuen Quartier erforderlich seien. „Aber wir sind hier im Außenbezirk, die Pkw-Dichte ist höher als in der Innenstadt.“ Wenn die Bewohner des neuen Quartiers ihre Autos nicht abstellen könnten, würden sie am Stellingdamm oder in der Siedlung Elsengrund parken. „Das kann nicht die Lösung sein.“

Straßen schon heute oft zugeparkt

Ähnliche Überlegungen beschäftigen auch den Verein Bürger für das Märchenviertel und den Elsengrund. Schon jetzt sei die Verkehrssituation in der Siedlung schwierig, sagt die Vereinsvorsitzende Anja Menge. Die Straßen seien eng und zugeparkt. Doch der Verein stehe dem neuen Stadtquartier nicht negativ gegenüber. „Wir sehen ein, dass Wohnraum geschaffen werden muss, sind aber dennoch kritisch.“ Im neuen Quartier seien nur wenige Stellplätze geplant. „Wir können uns kaum vorstellen, dass die Menschen, die dort einziehen, keine Autos haben.“

Eine weitere Sorge bezieht sich auf die S-Bahn: „Die S3 ist in den Stoßzeiten jetzt schon überlastet.“ Der Verein stehe mit der Stadtentwicklungsverwaltung in Kontakt, sagt Anja Menge. „Sie geben uns immer offen Auskunft und haben auch schon Bürgerveranstaltungen durchgeführt. Das finden wir sehr in Ordnung.“

Neue Verbindung soll Bahnhofstraße entlasten

Das Güterbahnhofsgelände liegt seit den 90er-Jahren brach. Es erstreckt sich zwischen den S-Bahnhöfen Köpenick und Hirschgarten. Bislang sind knapp 34 Hektar Fläche ungenutzt. Mit der Entwicklung des neuen Stadtquartiers ist auch eine neue Straße vorgesehen, die vom S-Bahnhof Köpenick bis zum Brandenburgplatz führt. Voraussichtlich verläuft sie unter dem neuen Wohnquartier und unter dem Bahndamm.

Mit dieser Verbindung soll die nahe gelegene Bahnhofstraße vom Verkehr entlastet werden. Denn die Unterführung unter der S-Bahnbrücke am Bahnhof Köpenick ist ein Verkehrsnadelöhr. In ihrem Umfeld kommt es häufig zu Staus. Geplant ist auch, dass der Bahnhof Köpenick einen zweiten Abgang in Richtung Hirschgarten bekommt. Die Station soll 2027/28 mit einem Regionalbahnsteig ergänzt werden.

Eine Sekundarschule und zwei Grundschulen geplant

Die Wohnungen im neuen Quartier sollen vor allem landeseigene Gesellschaften bauen. Vorgesehen ist, dass Genossenschaften mit mindestens 20 Prozent beteiligt werden. Mehrere Köpenicker Genossenschaften hätten bereits Interesse angemeldet, sagt der FDP-Abgeordnete Förster. Im östlichen Teil des Entwicklungsgebiets sind öffentliche Erholungsflächen und Grünverbindungen vorgesehen. Im neuen Quartier soll eine Integrierte Sekundarschule mit voraussichtlich 1000 Plätzen entstehen. Außerdem sind zwei Grundschulen mit rund 430 und 290 Plätzen geplant.

Für die Neubauten müsse es „einen gemeinsamen Planungs- und Realisierungsprozess“ geben, fordert die SPD-Bezirksverordnete Ellen Haußdörfer. „Wir können nicht Wohnungen bauen und fünf Jahre später erst die Schulen.“ Er begrüße das Vorhaben, sagte Philipp Wohlfeil, Fraktionschef der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung.

Senat setzt Projekt fort, wenn Abgeordnetenhaus zustimmt

Durch den direkten S-Bahnanschluss sei die verkehrliche Erschließung relativ einfach. In dem Projekt werde es einen großen Anteil von mietpreisgebundenen Wohnungen geben. „Meine größte Sorge ist, ob die geplanten Plätze in Kitas und Schulen ausreichen.“

Mit dem Senatsbeschluss vom Dienstag wird sich nun das Abgeordnetenhaus beschäftigen. Wenn es zustimmt, wird der Senat das Projekt festsetzen. Dann kann die Planung und Umsetzung beginnen. Bebauungspläne werden aufgestellt, Wettbewerbe durchgeführt, private Flächen sollen angekauft werden. Der Senat hat bereits 2017 eine Verordnung beschlossen, die ihm das Vorkaufsrecht für Grundstücke im Entwicklungsgebiet sichert.