HTW-Präsident

Carsten Busch: „Wir bringen Zukunft nach Schöneweide“

Ob Neubau oder denkmalgeschützter Behrens-Bau: Carsten Busch, neuer Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft, macht Tempo.

Carsten Busch ist neuer Präsident der HTW. Der Campus Wilhelminenhof liegt attraktiv an der Spree.

Carsten Busch ist neuer Präsident der HTW. Der Campus Wilhelminenhof liegt attraktiv an der Spree.

Foto: Funke Fotoservice / Jörg Krauthöfer

Treptow-Köpenick. Mediterrane Gefühle lösen wohl nur die wenigsten Hochschulen aus. Doch in der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) lässt es sich bei Sonne in den Strandkörben an der Spree ziemlich gut studieren. Zum Antrittsinterview treffen wir den Informatiker Carsten Busch, neuer Präsident der HTW, im Campus Wilhelminenhof in Schöneweide.

Ihr Vorgänger, Präsident Klaus Semlinger, hat hart daran gearbeitet, die HTW am Standort Wilhelminenhof zu zentralisieren. An Ihnen ist es nun, das zu realisieren.

Carsten Busch Unsere Marschrichtung ist: Die HTW muss an die Spree. Wir möchten hier an dem alten Industriestandort unsere Rolle als regionaler Entwicklungsfaktor stärker spielen. Das können wir am besten, wenn wir mit allen Fachbereichen, Verwaltung und Hochschulleitung vor Ort sind. Ich habe dem Bezirk und dem Land Berlin einen Innovationspakt vorgeschlagen, der beinhaltet beispielsweise Existenzgründungen aus der Hochschule heraus, Unterstützung bei der Ansiedlung von Unternehmen, Vernetzungsimpulse wie internationale Tagungen oder Vortragsreihen zur Stadtteilentwicklung auf dem Campus. Eine wichtige Sache ist auch, mehr studentisches Wohnen hierher zu bringen.

Sie sehen die HTW als Motor einer größeren Entwicklung?

Das Industrieareal hier ist so groß, dass wir einen Mix haben. Wissenschaft und Technik, dafür stehen wir. Dazu kommen Gewerbe und Unternehmen – und Wohnen. Es ist ein sehr attraktives Areal mit Spreelage und der HTW als Modernisierungsfaktor. Und es wird noch gewinnen, wenn endlich der BER eröffnen wird. Dann sind wir das Eingangstor in die Stadt – und nicht mehr Randlage. Ich glaube, dass wir eine gesellschaftliche Aufgabe haben. Zu DDR-Zeiten arbeiteten hier einmal 25.000 Menschen, diese Arbeitsplätze sind unwiderruflich verloren. Nun können wir unseren Beitrag dazu leisten, dass hier wieder Hoffnung und Zukunft gelebt und erzählt wird. Das kann eine Hochschule, denn mit ihr kommen junge Leute und innovative Themen in den Kiez.

Die Studierenden beleben den Kiez, das sieht man sofort.

Wir sind jetzt schon mit knapp 10.000 Studierenden und mehreren Hundert Arbeitsplätzen einer der größten Arbeitgeber. Wenn wir aber erst mit 15.000 Studierenden hier sind, wird sich diese Entwicklung dramatisch beschleunigen. So ein Umzug macht nochmal Tempo. Aber ich werde nicht um jeden Quadratmeter feilschen!

Es gibt Pläne, dass der Peter-Behrens-Bau, in dem die HTW jetzt schon Mieter ist, vom Land Berlin gekauft und mit Mensa und Sporthalle zum großen Campus entwickelt wird. Wie weit sind diese Pläne?

Vor drei Jahren haben wir in einer Studie mehrere Varianten geprüft. Der Peter- Behrens-Bau ist sehr geeignet, ich selber habe dort einige Jahre meine Forschungsgruppe geleitet. Über hundert Jahre alt, ist er technisch freilich nicht mehr auf dem neuesten Stand. Keine Frage, man könnte ein wunderbares Hochschul-Juwel daraus machen. Aber Neubauten wären auch geeignet.

Es gibt Bauplätze?

Es gibt genügend Freiflächen, die wir rund um unsere HTW direkt an der Spree haben. Gleich neben diesem Gebäude, in dem wir jetzt gerade sitzen, gibt es drei Bauplätze, auf denen wir direkt mit Blick auf die Spree bauen könnten. Da sind landeseigene Grundstücke. Auch auf der anderen Seite sind noch Gewerbeflächen, im Areal sind noch tausende Quadratmeter frei. Laut Variantenplanung ist es etwa gleich teuer, ob wir neu bauen oder ein Bestandsgebäude wie den Behrens-Bau sanieren. Allerdings war in der Berechnung nicht der Kauf des denkmalgeschützten Gebäudes kalkuliert. Aber diese Verhandlungen mit dem Eigentümer führt das Land Berlin. Wir sind flexibel und brauchen keine Sänften. Hauptsache wir ziehen hierher.

Der Peter-Behrens-Bau wird dem Land als schlüsselfertige Paketlösung angeboten. Das hat seinen Reiz. Auf einen Neubau durch das Land können Sie unter Umständen Jahre warten.

Für die drei Baufelder vor uns liegen Investitionsanmeldungen meiner Hochschule vor. Der städtebauliche Wettbewerb dafür wurde vom Senat durchgeführt und bestätigt, als der Neubau, in dem wir jetzt sitzen, entstand – im Übrigen in nur knapp zwei Jahren Bauzeit. Wir müssten dieses Gebäude nur kopieren – ein bisschen größer, bisschen höher, ein bisschen tiefer. Die Neubauriegel würden sich vom Mensa-Block bis zum Unternehmen First Sensor ziehen.

Was ist denn Ihr Favorit?

Ich habe eine Priorität, die heißt HTW an die Spree. Erst an zweiter Stelle kommt die Frage, welchen Platz und wieviel Quadratmeter wir bespielen. Der wesentliche Punkt ist, den Knoten in der Entwicklung zu lösen. Wir haben jetzt eine typische Wartesituation, die wir in Berlin kennen. Ich glaube, es ist gut für den Bezirk und die Hochschule, aus dieser Warteschleife heraus zu kommen. Dazu braucht es Flexibilität: So lange wir uns hier als HTW zentrieren können, ist es egal, ob Neubau oder Behrens-Bau.

Nun schlägt der Senat zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn die HTW vollständig nach Oberschöneweide zieht. Auf dem Stammplatz in Karlshorst würde Platz für eine Schule frei.

Lichtenberg braucht dringend Schulen. Wir können in Karlshorst sehr schnell Flächen für Schulbauten freimachen. Wenn klar ist, dass wir nach Schöneweide ziehen, kann der Bezirk in Schnellbauweise eine Schule errichten und im Jahr darauf dort schon einziehen. Und wir könnten in Etappen die drei einzelnen Gebäudekomplexe freimachen. Es gibt dort drei große inhaltliche Bereiche, die Wirtschaftsinformatik mit 800 Studenten, die Betriebswirtschaftslehre mit 3500 bis 4000 Studierenden und die Verwaltung einschließlich Hochschulleitung.

Die Hochschule wächst, wie sieht es mit neuen Studienangeboten aus?

Wir sind derzeit in der Diskussion, geplant sind fünf, sechs neue Studiengänge. Welche, darüber wird gerade entschieden.

Am Eingang hängt ein Plakat, darauf steht: „Von Schöneweide nach Silicon Valley?“ Daraus spricht ein sehr gesundes Selbstbewusstsein.

Das ist natürlich sehr hochgegriffen. Aber wir haben hier am Standort sieben IT-Studiengänge, dazu gehören Medieninformatik, angewandte Informatik, Computer Engineering bis hin zum Game-Design. Wir sind nach der TU (Technische Universität, d. Red.) der größte IT-Anbieter in der Stadt mit tausenden von Studienplätzen. Im IT-Bereich wird auf jeden Fall auch einer unserer neuen Studiengänge angesiedelt sein.