Stadtplanung

Hotelhochhaus statt Kino am Treptower Park

Der Eigentümer will den Kinokomplex an der Elsenstraße abreißen. Eine Aussichtsplattform soll entstehen.

Das Kino CineStar in Alt-Treptow soll abgerissen werden. Auf der Fläche ist ein Hochhaus mit Hotel geplant.

Das Kino CineStar in Alt-Treptow soll abgerissen werden. Auf der Fläche ist ein Hochhaus mit Hotel geplant.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE

Schön ist das blaue CineStar-Kino am Treptower Park wirklich nicht. Wie ein fremder Satellit liegt es an der vielbefahrenen Elsenstraße - gleich gegenüber dem Park Center. Dass der Grundstückseigentümer dem Kino das Licht ausschalten möchte, macht seit vergangenem Jahr die Runde. Er will abreißen, um auf der Fläche ein Büro-Hochhaus mit Hotel zu bauen. Das Projekt ging kürzlich durch das Baukollegium. Ein Bauantrag zum Grundstück Elsenstraße 115 liegt dem Bezirk allerdings nicht vor.

Turm mit Aussicht

Vor 22 Jahren, 1997, wurde der Kinokomplex mit neun Sälen gebaut - mit 2400 Plätzen auf Zuwachs. Doch cineastische Sehgewohnheiten haben sich verändert. Die Masse blieb offenbar aus. Dieser Tage sind dort 23 Filme im Programm aufgelistet.

Vorgesehen ist stattdessen ein Gebäude mit einem 70 bis 80 Meter hohen Turm, das „dadurch eine besondere städtebauliche Wirkung“ entfaltet, so beschreibt es der zuständige Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Im Erdgeschossbereich sei eine Plaza oder eine Passage vorgesehen, wo auch Gastronomie und Läden Platz finden können.

Es ist wohl so geplant, dass man von der S-Bahn-Station aus künftig durch das Gebäude laufen könnte, um dann direkt auf der anderen Seite ins Einkaufscenter gelangen zu können. Auch eine Tiefgarage soll entstehen.

Verkehrskonzept fehlt

„Wir brauchen kein weiteres Hotel“, argumentiert Linken-Politikerin Katalin Gennburg für ihren Wahlkreis Treptow-Köpenick. „Wir haben eine Unterlastung bei 50 bis 60 Prozent in den Berliner Häusern“, erläutert sie. Mit dem Hochhaus würde ein „vertikales neues Stadtquartier“ entstehen, und Fragen zur Infrastruktur seien nicht geklärt. „Die Elsenbrücke ist kaputt, für den Norden Treptows gibt es kein Verkehrskonzept“, bemängelt sie. Ein Hotelbetrieb habe regen Lieferverkehr, mehr Parkplätze würden auch gebraucht.

Klar ist noch nicht, wie viele Geschosse der Neubau haben wird. 12 bis 22 sind vorstellbar. Highlight wird aber sicher das Dachgeschoss des Turmes, dort soll es ebenfalls ein gastronomisches Angebot geben. Damit, so Hölmer, entstünde für die Öffentlichkeit ein besonderer Aussichtspunkt an der Schnittstelle zwischen dem großen Park als Gartendenkmal und dem Kiez. Die Planung haben die Berliner Architekten Gewers & Pudewill übernommen.

Im Baukollegium ist man der Meinung, dass der Investor zu verpflichten sei, mit dem Bau auch Gemeinschaftsräume zu schaffen. Man sei im Gespräch mit dem Eigentümer, so Hölmer. Gleichzeitig wolle man mit den Bürgern klären, inwieweit kulturelle und soziale Initiativen und Einrichtungen Platz in dem neuen Gebäude finden können. Denkbar wäre da wohl eine kleine Bibliothek oder ein Kieztreff.

Bebauungsplanverfahren gefordert

Um das Hochhaus am Ende realisieren zu können, ist ein Bebauungsplanverfahren gefordert. Das kann dauern, realistischerweise müsse „ein Zeitraum von mindestens zwei bis drei Jahren eingeplant werden“, so Hölmer. Also läuft erst einmal der Kinobetrieb weiter.