Wuhlheide

Parkeisenbahn: Wo aus Kindern Lokführer werden

Hier macht lernen Spaß: Jugendliche werden bei der Parkeisenbahn Wuhlheide zum Schaffner, Schrankenwärter oder Zugführer ausgebildet.

Kinder lernen den Eisenbahnbetrieb bei der Parkeisenbahn in der Wuhlheide.

Kinder lernen den Eisenbahnbetrieb bei der Parkeisenbahn in der Wuhlheide.

Foto: David HeerdE

Berlin. Bald heißt es wieder „Fahrkarten bitte“. Am 16 und 17. März geht die kleine Parkeisenbahn Wuhlheide an den Start in die neue Saison. Das Schöne ist, dass hier die Kinder die Regie übernehmen. Die Züge tuckern nach genauem Fahrplan auf einer Strecke von 35 Minuten durch die Grünanlage. Wie bei der großen Bahn, - wenn sie pünktlich ist.

In einem abgestuften Ausbildungssystem werden die Kids zum Schaffner, Ticketverkäufer, Schrankenwärter oder zum Zugführer ausgebildet. 95 sind in diesem Sommer dabei, um sich die Dienste zu teilen. Die meisten Jugendlichen sind natürlich ganz wild darauf, Lokführer zu werden, doch dazu muss man 18 Jahre alt sein, erzählt uns Tobias Golla aus dem Team in der Wuhlheide. Schließlich, so Golla, „fährt man eine echte Eisenbahn mit 20 Km/h und mit sehr, sehr alter Technik“. Anfangen können die Kinder mit neun Jahren, ein Attest vom Kinderarzt muss vorliegen, die Sehfähigkeit soll gewährleistet sein, damit man rot und grün unterscheiden kann, sonst könnte das fatale Folgen für den Zug und seine Gäste haben.

Lokführer-Job ist besonders begehrt

Die Ausbildung der Kinder erfolgt über fünf Unterrichtstage mit je zwei Stunden. „Aber nur in den Ferien“, so Golla, „aber ohne Frontalunterricht, sondern in Gruppen und lebendig in der Vermittlung“. Da wird gelernt wie die Lochzange funktioniert und wann man wie das Signal für die Schrankenschließung gibt. Ab 13 Jahre darf man die Zugtickets verkaufen, in dem Alter funktioniert der Umgang mit Geld, haben Golla und das Eisenbahnteam festgestellt. In dem Alter darf man auch den Zugführer mit der roten Binde. „spielen“. Von Oktober bis März wird gebüffelt, im März geht der Fahrbetrieb wieder los.

Begehrt ist natürlich der Job des Lokführers, doch dafür muss man 18 Jahre alt sein. Schließlich fährt der Jugendliche eine echte Eisenbahn mit 20 Km/h und mit sehr, sehr alter Technik. Übrigens kümmern sich zwei Pädagogen darum, dass alles rund läuft, und bei den Kindern die Leistungen in der Schule nicht nachlassen, weil die Jungs lieber die Kelle schwingen als Hausaufgaben zu machen.

Die Parkeisenbahn hat einige Jahrzehnte auf dem Buckel, gegründet wurde sie 1956 als Pionierbahn als Berufsvorbereitung für die Deutsche Reichsbahn. Dank des Engagements vieler Ehrenamtlicher überlebte das Projekt die Wende. Heute dient sie der Kinder- und Jugendarbeit. „Das ist sinnvolle Freizeitgestaltung, die wir anbieten“, sagt Golla. Immerhin 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen würden später in ihrem Beruf der Bahn verbunden bleiben, im Bereich Technik, bei den Verkehrsbetrieben oder der Bahn. Drei Vereine und 120 Mitgliedern unterstützen die Parkeisenbahn.

Zu tun gibt es jede Menge, beispielsweise die Fahrkartengestaltung, die Planung von Veranstaltungen, Betrieb des Gastrobereich, Tobias Golla kümmert sich um die Pressearbeit. Bei ihm ist es jedenfalls so gelaufen: mit neun Jahren kam er zur Parkeisenbahn, mit 16 Jahren fing er bei der Deutschen Bahn eine Ausbildung zum Lokführer an. Heute ist er doppelt so alt und bei der Gewerkschaft für die Branche tätig. „Ich bin mir also treu geblieben.“