In Schmöckwitz

Investor baggert in Berlin einfach Insel weg

Der Investor wollte mehr Platz, um neue Liegeplätze für Boote zu schaffen und baggerte einfach eine Insel im Wasserschutzgebiet weg.

Boote auf dem Großen Seddinsee bei Schmöckwitz

Boote auf dem Großen Seddinsee bei Schmöckwitz

Foto: picture alliance

Berlin. Eine Insel mitten im Wasserschutzgebiet, 650 Quadratmeter groß – und ein Investor baggert sie einfach weg. Damit mehr Yachten im Hafen anlegen können, damit mehr Liegegebühren in die Kassen fließt – das legt eine Stellungnahme des Bezirksbürgermeisters von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD), nahe. Tatort: Yachthafen Schmöckwitz.

Der Hafen befindet sich im äußersten Südosten Berlins, liegt am Langen See und ist laut dem Betreiber Ausgangspunkt für Bootstouren durch Köpenick, Berlin-Brandenburg und zur Ostsee. Liegegebühren laut Website: 75 bis 340 Euro im Monat. Die „Berliner Zeitung“ hatte am Donnerstag zuerst über die verschwundene Insel berichtet. Nun spricht Bezirksbürgermeister Oliver Igel von einem „völlig inakzeptablen Vorgehen“ in Schmöckwitz. Es habe keinerlei Genehmigung für die Baggeraktion gegeben, Erde sei ohne Deklaration entsorgt worden. Und, so hieß es in einem früheren Brief von Igel: Man prüfe „grobe Verstöße“ gegen Naturschutz-, Wasser- und Abfallrecht. Der Eigentümer habe das Abtragen der Insel inzwischen zugegeben.

Es sei etwas schiefgelaufen, sagte ein Sprecher des Bezirksamt auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Was genau, das werde momentan zusammen mit der Senatsverwaltung für Umwelt geprüft. Auch auf Landesebene hieß es, man könne zum laufenden Verfahren nichts Näheres sagen.

Yachthafen in Wasserschutzzone

Der Rotsch-Hafen in Schmöckwitz wird von einer Immobilien-Firma namens Thiele Gruppe aus Sachsen-Anhalt entwickelt. Der Geschäftsführer Nico Thiele war bisher nicht zu erreichen. Eine Person aus dem Umfeld des Yachthafens, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagte der Berliner Morgenpost, die Insel sei bereits in den 30er-Jahren teilweise abgesackt, die Häuser darauf „schief und krumm“, das alles eine Gefahr für die Anleger. Es handle sich um ein Gewässer in Privatbesitz und sei auch nicht in einem Wasserschutzgebiet.

Laut Angaben der Umweltsenatsverwaltung von 2009 befindet sich der Yachthafen in einer Wasserschutzzone der Kategorie III A. Diese seien vor allem vor Verunreinigung des Grundwassers, vor Abwässern und Chemikalien zu schützen. Ob Baumaßnahmen wie das Wegbaggern einer Insel gegen die Regeln ist und ob die Angaben von 2009 noch aktuell sind, konnte die Senatsumweltverwaltung bis Redaktionsschluss nicht beantworten.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.