Bahnhof Treptower Park

Sie wehrt sich lautstark gegen Belästigung - das Netz feiert

Die Studentin Pina R. machte einem Grapscher in der S-Bahn eine klare Ansage. Auf Facebook wird ihre Geschichte hundertfach geteilt.

Pina R. hat einen Grapscher in seine Schranken verwiesen

Pina R. hat einen Grapscher in seine Schranken verwiesen

Foto: Jannike K.

Es sind Sätze, die auf den ersten Blick stutzig machen. "Heute ist ein guter Tag", beginnt der Facebook-Post einer jungen, blonden Berlinerin: "Heute wurde ich sexuell belästigt." Was dann folgt, wurde in den vergangenen Tagen in dem sozialen Netzwerk über 1600 mal geliked und rund 330 Mal geteilt. Aber der Reihe nach.

Die junge Studentin heißt Pina R., ist 23 Jahre alt und arbeitet nebenbei als Boulder-Trainerin. Bouldern ist eine Form des Kletterns ohne Seil und Klettergurt an Felsblöcken, -wänden oder Kletterwänden. Auf dem Foto, das sie Anfang der Woche auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht hatte, lehnt sie an ihrem Fahrrad und lächelt entschlossen in die Kamera. Dazu erzählt sie folgende Geschichte, die das Netz begeistert.

"Ein kräftiger Schlag auf und ein Kniff in den Hintern"

Am Dienstag sei sie gegen 16.30 Uhr an der S-Bahnhaltestelle Treptower Park unterwegs gewesen. Während sie sich noch am Automaten ein Ticket gezogen habe, sei bereits ihr Zug eingefahren. "Aus einer der Türen löst sich aus einer Gruppe Jungs (18-21) einer, ohne dass ich wirklich Notiz davon nehme. Nur spüre ich Sekunden später einen kräftigen Schlag auf und Kniff in den Hintern."

Lachend habe sich der Grabscher wieder zu seinen Freunden begeben. "Sag mal, bei dir hackt's wohl" war alles, für das die Studentin in diesem Moment Zeit hatte. "Womit weder ich und sicherlich auch nicht die Jungs gerechnet haben: Die Bahn steht da noch, als ich beide meine Karten habe. Also rein mit dem Rad, abgestellt, Bahn fährt los. Und ich bin sauer - also so richtig. So mit pochender Schläfe und Rauch aus den Ohren. Und ich sehe keinen Grund diese Wut für mich zu behalten", schreibt Pina R. weiter.

Was dann folgte, kann sie im Detail nicht genau wiedergeben. "Irgendwas mit 'Schande für Männlichkeit', 'Respektlosigkeit', 'erbärmlich', 'in der Gruppe stark fühlen' und 'schämt euch'", erinnert sie sich. Einer der Jungs habe ihr zwischendrin auch noch Schläge angedroht, aber das war ihr egal. Auf Facebook wird sie für ihre mutige Aktion gefeiert. "Ja Ja und Ja Danke!!!", schreibt Fina. "Respekt! Die Courage muss Frau erstmal haben. Hoffe, dass sich viele in ähnlichen Situationen angesprochen und motiviert fühlen", kommentiert Manu. Zalreiche Menschen pflichten ihnen bei.

Weil sie in ihrem Posting am Rande erwähnt hat, dass so etwas "überdurchschnittlich oft bei jungen Männern aus bestimmten Kulturen, in denen sie wie kleine Paschaprinzen erzogen werden", passiert, haben auch einige rechte Seiten ihren Beitrag geteilt. Der junge Mann, der sie am Treptower Park belästigt hat, hatte vermutlich einen türkischen Hintergrund, sagt Pina R., das habe sie an der Sprache erkannt.

Pina R. wehrt sich gegen rechte Vereinnahmung

"Ich möchte aber nicht, dass meine Geschichte für eine Vermischung von Sexismus und Rassismus instrumentalisiert wird", sagt sie der Morgenpost. Daher hat sie sich nachträglich unter dem Beitrag explizit von rechten Ideologien distanziert.

Dennoch halte sie den momentanen Dialog über Alltagssexismus für unehrlich, wenn auch aus teilweise ehrenhaften Motiven. Sie habe In Mitte, Friedrichshain, Tempelhof, Weißensee und nun in Neukölln gelebt. In Berlin sei ihr Alltagssexismus "bei weitem leider am häufigsten in Neukölln begegnet. Den richtigen Ton zu treffen, ohne Nationalisten Munition zu liefern, ist wirklich schwer."

Ihre lautstarke Ansprache in der S-Bahn hat jedenfalls Wirkung gezeigt. Die Botschaft hat nicht nur die Empfänger erreicht. "Warum also war es ein guter Tag?", schreibt sie in ihrem Facebook-Beitrag. "Weil mich bereits auf dem Weg zurück zu meinem Fahrrad anerkennendes Nicken und zustimmende Daumen nach oben begleiteten - von Männern und Frauen. Weil zwei Frauen unabhängig voneinander auf mich zu kamen und mir ihre Anerkennung ausdrückten und mir von ihren Erfahrungen berichteten. Weil ich einer der beiden mitgeben konnte, dass sie sich nicht hilflos fühlen muss sondern es okay ist, laut zu sein."

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