Joshua Kantara war für seine Rolle in der Netflix-Serie „Cassandra“ mit Mina Tander für den New Faces Award nominiert, der am Donnerstagabend verliehen wurde. Wir haben dem 24-Jährigen, der bereits mit zwölf Jahren als Kinderreporter bei der Berlinale unterwegs war, die Möglichkeit gegeben, sich selbst vorzustellen.

Alle Nominierten des New Faces Award Film 2026: Giulio Brizzi, Joshua Kantara, Marc-Philip Ginolas, Christina Tournatzẽs, Tom Schilling, Alison Kuhn, Langston Uibel, Kya-Celina Barucki, Derya Akyol, Jonathan Kriener, Leonie Brill Bunte New Faces Award Film 2026 im Delphi Filmpalast.
Alle Nominierten des New Faces Award Film 2026: Giulio Brizzi, Joshua Kantara, Marc-Philip Ginolas, Christina Tournatzẽs, Tom Schilling, Alison Kuhn, Langston Uibel, Kya-Celina Barucki, Derya Akyol, Jonathan Kriener, Leonie Brill Bunte New Faces Award Film 2026 im Delphi Filmpalast.© BM | Brauer Photos / M.Nass

Wer ist Joshua Kantara?

Joshua Kantara: Ich bin 24 Jahre alt und in Schöneberg aufgewachsen. Ich bin ein durch und durch interdisziplinärer Filmemacher. Ich stehe seit meinem elften Lebensjahr vor und hinter der Kamera. Ich habe etwa 2013, im Alter von zwölf Jahren, mit Youtube angefangen. Jede Woche habe ich zwei Videos gemacht mit verschiedenen Challenges, dabei habe ich quasi nebenbei Produktion, Kamera und Schnitt gelernt. Ich stand selber auf der Bühne, habe Musicals mit dem Schul-Ensemble des Robert-Blum-Gymnasiums gemacht.

Was liebst du an Schöneberg?

Alles. Hier fühle ich mich zu Hause. Ein guter Mix zwischen Kreuzberg und Charlottenburg, viele Kinder, gutes Down-to-Earth-Niveau. Ein sehr begehbarer Bezirk mit vielen Cafés. Nicht ganz durchgentrifiziert. Ich bin in der Nähe der Straße aufgewachsen, in der David Bowie mit Iggy Pop in einer WG gelebt hat. Auch Marlene Dietrich ist ja in dem Bezirk aufgewachsen.

Joshua Kantara Zeichnung Berlinale 2014
Joshua Kantara war 2014 Kinderreporter bei der Berlinale. In seinem Bild drückte er damals seine Begeisterung aus. © Privat | Privat

… und an Berlin?

Als echter Berliner lebt man immer in so einer Love-Hate-Relationship mit der Stadt. Besonders im Winter. Aber die Stadt bietet einfach so viel. Jeder Bezirk vereint so viele unterschiedliche Milieus: wie in Schöneberg zum Beispiel der Akazienkiez und das Rathaus Schöneberg.

Wie bist du entdeckt worden?

Zu einem Musicalauftritt kam ein Casting-Direktor. Der hat drei Leute aus unserer Klasse gefragt, ob sie zum Casting wollen. Ich war der Einzige, der hingegangen ist. Es hat nicht geklappt, aber ich wurde dann immer wieder eingeladen. Im Grunde hat Jacqueline Rietz mich entdeckt, und sie war dann diejenige, die mir einen Agenturvertrag angeboten hat. Ich wusste gar nicht, worauf ich mich einlasse. Meine Mutter hat den Vertrag dann durchgelesen. Ich war damals 17 Jahre alt. Kurz danach hatte ich meine erste Filmrolle mit 18. Meine erste Filmrolle war ein TV-Film mit Christoph Maria Herbst während Corona, und ich habe leider einen Tag vor dem Dreh Corona bekommen.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe in der RTL-Serie „Meme Girls“ mitgespielt. Die Serie „Cassandra“ kam 1,5 Jahre später, etwa 2023. Das war für mich besonders, weil ich ein afrodeutscher Junge bin. Habe tatsächlich davor noch kein Casting gehabt, in dem es eine schwarze Familie gab, die richtig Geld hatte und wo das nicht thematisiert wurde.  Es ist ein unglaublich ambitioniertes Projekt, das mir als jungem Schauspieler sehr viel Selbstvertrauen gegeben hat.

New Faces Award Film 2026: Die schönsten Bilder der Verleihung

Helena Zengel
Helena Zengel („Systemsprenger“) kam als Laudatorin zum New Faces Award Film.© BM | Brauer Photos / M.Nass
Bunte New Faces Award Film 2026 - Verleihung & Saal im Delphi Filmpalast in Berlin am 28.05.2026: Tom Schilling („All Star“), Langston Uibel (Disruptive Mind by Glow), Kya-Celina Barucki (Beste Schauspielerin „Mädchen, Mädchen“), Marc-Philip Ginolas (Best Filmdebüt „Tschappel“), und Jonathan Kriener („Chabos“).
Tom Schilling („All Star“), Langston Uibel (Disruptive Mind by Glow), Kya-Celina Barucki (Beste Schauspielerin „Mädchen, Mädchen“), Marc-Philip Ginolas (Best Filmdebüt „Tschappel“), und Jonathan Kriener („Chabos“).© BrauerPhotos / M.Nass | BrauerPhotos / M.Nass
Kya-Celina Barucki
Kya-Celina Barucki wurde als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. © BM | Brauer Photos / M.Nass
Simone Rethel und Falk Willy Wild
Simone Rethel und Falk Willy Wild bei der After Show Party im Delphi.© BM | Brauer Photos / M.Nass
Zwei Preisträger: Tom Schilling und Langston Uibel.
Zwei Preisträger: Tom Schilling, der in jungen Jahren schon einmal nominiert war, erhielt den „All Star“-Panther, Langston Uibel wurde als „Disruptive Mind“ ausgezeichnet.© BM | Brauer Photos / M.Nass
Filmproduzent Till Schmerbeck
Kam gerade zurück aus Cannes: KI-Filmproduzent Till Schmerbeck.© BM | Brauer Photos / M.Nass
Robert Stadlober
Robert Stadlober hielt eine flammende Laudatio auf seinen Schauspielerfreund Tom Schilling, den er erstmals bei einem Casting am Nordbahnhof traf und mit dem er im Jahr 2000 „Crazy“ gedreht hatte.© BM | Brauer Photos / M.Nass
Preistraeger NFA 2025
Die Preisträger des New Faces Award Film von 2025: v. li. Enzo Brumm, Dana Herfurth und Regisseur Bernhard Wenger („Pfau - Bin ich echt?“).© BM | Brauer Photos / M.Nass
Marcel Ostertag
Gäste beim New Faces Award: Der Berliner Modedesigner Marcel Ostertag (re.) und Red Club-Gründerin Michaela Mumm von Oldenburg.© BM | Presse

Was bedeutet es dir, dass du für den New Faces Award nominiert bist?

Es ist eine Riesenehre. Ich war noch nie nominiert. Es wird mir nicht so schnell aus dem Kopf gehen, dass meine Performance geehrt wird. Mit 17 Jahren ungefähr habe ich eine Krebserkrankung gehabt und war insgesamt zwei Jahre im Krankenhaus. Und habe in der Zeit nicht viel machen können, außer mir Filme übers Filmemachen anzuschauen.

Wie hat die Erkrankung dein Leben verändert?

Ich wusste schon im Krankenhaus, dass ich mir nichts anderes vorstellen kann, als vor oder hinter der Kamera zu stehen. Ich bin jetzt sechs Jahre raus aus der Chemo. Und dass mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, ist einfach unglaublich für mich.