„Das ist gierig und unersättlich sowie unakzeptabel“, schreibt eine Leserin der Berliner Morgenpost. Und „nicht christlich und barmherzig“ von der katholische Kirche. Ihren Namen möchte sie nicht öffentlich nennen. Dafür aber ihre Kritik. Es geht um die Kosten für einen Gießauftrag auf dem St.-Matthias-Friedhof in Tempelhof-Schöneberg.
Wenn ein älterer Mensch Angehörige dort beerdigt hat, „nicht mehr gesundheitlich fit ist, vielleicht auch nicht vermögend ist, soll er fast 500 Euro für den Gießauftrag bezahlen“, schreibt die Leserin. Zum Verständnis: Externe müssen nicht für die Grabpflege beauftragt werden. Wer aber keine Zeit hat oder körperlich nicht in der Lage ist, kommt an dem Service nicht vorbei. Denn wer das Nutzungsrecht an der Grabstelle hat, ist in der Regel auch zur Pflege verpflichtet.
Grabpflege auf St.-Matthias-Friedhof: Kosten sind gestiegen
Eine Nachfrage beim St.-Matthias-Friedhof bestätigt, dass die Kosten für die Grabpflege gestiegen sind. Es gebe viele Anrufe empörter Angehöriger, heißt es aus der Friedhofsverwaltung. Die Erhöhung sei zur Deckung der Kosten aber notwendig gewesen, schreibt Gerrit Pötter. Er ist Vorsitzender des Friedhofsausschusses im Kirchenvorstand.
Vor der Preiserhöhung habe es eine sorgfältige Nachberechnung der bisherigen Kosten gegeben. Beteiligt waren laut Pötter neben dem Friedhofsausschuss auch der Finanzausschuss vom Kirchenvorstand und die Friedhofsleitung. Genehmigt wurde die Preiserhöhung schließlich vom Kirchenvorstand, schreibt Pötter. Dieser sei zu einem wirtschaftlichen Betrieb des Friedhofs verpflichtet.
Zu der Frage, wie hoch die Preiserhöhung ausfiel, gab es von Pötter keine Antwort. In einem Schreiben vom 7. November 2025 sind aber alle Angehörigen über die steigenden Kosten ab Anfang November informiert worden. Die neuen Preise würden darauf abzielen, kostendeckend zu arbeiten – „ohne weitere Gewinnabsichten zu erbringen“. Die Leserin bezeichnet die Preissteigerung hingegen als unverschämt und eine Sauerei. Immerhin seien die Kosten von rund 500 Euro für manche Senioren die Hälfte ihrer Rente.

Grabpflegekosten steigen: Preise richten sich nach Grabgröße und Ort
Mit Blick auf die aktuelle Preistabelle muss aber unterschieden werden. Denn die Kosten variieren stark. Wer nur ein Urnenreihengrab zwischen April und September gießen lässt, zahlt 145 Euro für den gesamten Zeitraum. Angehörige mit einem Doppelgrab an einer Wunschstelle zahlen hingegen 460 Euro für das Gießen. Der Preis richtet sich also nach Größe und Ort. Wer zusätzlich zum Gießen auch die Reinhaltung bucht, zahlt zusätzlich. Auch hier richten sich die Kosten nach Größe und Ort des Grabes.
Die Preiserhöhung hat laut Gerrit Pötter zu weniger Neubestellungen an Grabpflegeleistungen geführt. Man sei nach wie vor im Gespräch mit den Hinterbliebenen. „Wir versuchen weiterhin, unseren Friedhof als eine würdige Stätte der Trauer und der Hoffnung zu erhalten“, schreibt Pötter.
Grabpflege in Berlin: Preise steigen auch wegen höherem Mindestlohn
Mit der Preiserhöhung ist der St.-Matthias-Friedhof aber nicht alleine. Daniel Krems hat eine private Firma, die Grabpflege in Berlin anbietet. Auch er bestätigt, künftig seine Preise erhöhen zu müssen. „Die doppelte Mindestlohnsteigerung kommt, das haut dramatisch rein“, sagt der Geschäftsführer. Die steigenden Energie-, Benzin- und Einkaufspreise seien für sein Unternehmen immens.
In den vergangenen fünf Jahren hat er die Preise für die Grabpflege nicht angehoben. Für ein Doppelgrab auf einem Pankower Friedhof liegen die Kosten fürs Gießen zwischen März und November etwa bei 275 Euro. Nun komme er aber nicht um eine Erhöhung herum. „Wir erhöhen um 10 Prozent. Das ist noch moderat“, sagt er. Mit einem noch weiter steigenden Mindestlohn sei aber auch das „nicht das Ende der Fahnenstange“.



