Die Tage der letzten großen Brache am Berliner Südkreuz sind gezählt: Die Berliner Stadtreinigung (BSR) plant eine neue Unternehmenszentrale am Bahnhof Südkreuz in Tempelhof-Schöneberg – und wird sich das riesige Areal mit der ebenfalls landeseigenen Immobiliengesellschaft Berlinovo teilen. Am Montag wurde für das insgesamt 345 Millionen Euro teure Bauvorhaben der erste Spatenstich gesetzt.
Die beiden Neubauten sollen auf dem rund 12.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Wilhelm-Kabus-Straße Ecke Ella-Barowsky-Straße entstehen. Errichtet werden die sieben und 17 Stockwerke hohen Häuser in Holz-Hybrid-Bauweise unter Verwendung von Recycling-Materialien. Auch energetisch sollen sie vorbildlich sein: mit Photovoltaik auf dem Dach und der Nutzung von Erdwärme.
Entstehen werden beide Gebäude nach den Plänen der Wiener Büros Franz&Sue Architekten sowie Schenker Salvi Weber. Ausgewählt wurde der Entwurf der Österreicher in einem zweistufigen Wettbewerbsverfahren bereits 2021. Der Siegerentwurf hatte sich gegen 70 Teilnehmer durchgesetzt.
Baustart nach fünf Jahren Planung – Fertigstellung bis 2029
Dass es fünf Jahre bis zum ersten Spatenstich dauerte, hat sicher auch damit zu tun, dass beide Unternehmen als Bauherren fungieren. Denn es war klar, dass das Projekt allein für die BSR zu groß war. 2023 konnte schließlich mit der Berlinovo eine Absichtserklärung, ein sogenannter Letter of Intent (LOI), geschlossen werden. 2024 folgte schließlich eine Kooperationsvereinbarung der beiden Bauherren und 2026 konnte schließlich der Bauauftrag ausgelöst werden.
Wenn es bis zum Baubeginn auch lange gedauert hat – BSR-Prokurist Andreas Thürmer berichtete von ersten Planungsüberlegungen, die bereits 2016 starteten –, soll es mit dem Bau der beiden Gebäude und dem begrünten Stadtplatz in ihrer Mitte nun schnell gehen. Bis 2029 soll alles fertiggestellt sein.
Der „S!nn Campus“, wie die beiden Bauherren den Standort getauft haben, steht für „Städtische Innovation, Infrastruktur und Vernetzung“. An diesem Ort kämen Stadtsauberkeit, Kreislaufwirtschaft und Innovation zusammen: „Hier entsteht kein Verwaltungsbau von gestern, sondern ein modernes, klimafreundliches Zentrum für die Stadt von morgen“, sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD).
BSR investiert 142 Millionen Euro in neue Zentrale am Südkreuz
Das Bauvorhaben, so Giffey, sei eine gute Investition. „Die 142 Millionen Euro, die auf die neue BSR-Zentrale entfallen, sind gut investiert“, versicherte Giffey, die zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der BSR ist. Die alte BSR-Zentrale an der Ringbahnstraße in Tempelhof sei technisch veraltet, sanierungsbedürftig und biete nicht genügend Platz für die insgesamt rund 1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die man am Südkreuz zusammenziehen könne. „Die wirtschaftliche Abwägung fiel eindeutig zugunsten des Standortes am Südkreuz aus“, sagte Giffey.

Für die BSR sei das Projekt am Bahnhof Südkreuz ein weiterer Schritt, bereichs- und standortübergreifend in die zukunftsorientierte Entwicklung und Leistungsfähigkeit des Unternehmens, in das Arbeitsumfeld aller Beschäftigten und in den Service für die Kunden zu investieren.
Auch Finanzsenator Stefan Evers (CDU), zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender der Berlinovo, zeigte sich überzeugt, dass sich das Vorhaben rechnet. Für das „Leuchtturmprojekt innovativer Stadtentwicklung“ veranschlagt die Berlinovo Gesamtbaukosten in Höhe von 203 Millionen.
„Unsere landeseigene Immobiliengesellschaft schafft moderne Büroflächen an einem verkehrsgünstigen Standort. Ein Erfolgsrezept für die Vermietung ist der Campus-Gedanke“, betonte der Finanzsenator in seiner Ansprache. Das Konzept ermögliche Austausch und Begegnung – und neue Ideen. „Kurzum: Eine kreative Arbeitswelt, die Fachkräfte und Nachwuchskräfte gleichermaßen überzeugen wird“, so Evers. Rechnen werde sich das Vorhaben unter anderem auch deshalb, weil die Berlinovo derzeit zur Miete am Potsdamer Platz sitzt. Es sei allemal von Vorteil, wenn Berlins Landesunternehmen in landeseigenen Immobilien untergebracht seien.
Turmprojekt in Berlin: Ob und wann ein Umzug erfolgt, bleibt offen
Doch diese Aussage des Finanzsenators war wohl etwas voreilig. Ein Umzug, sagte Berlinovo-Geschäftsführer Alf Aleithe, sei noch keineswegs sicher und müsse noch geklärt werden. Das hänge auch davon ab, wie sich die Mietnachfrage gestalte, man wolle sich nichts verbauen. In dem 17 Meter hohen Turm entstehen 23.700 Quadratmeter „vielfältig nutzbare Büro- und Innovationsflächen sowie 1200 Quadratmeter Gastro- und Gewerbefläche“, so Aleithe.

In dem 65 Meter hohen Gebäude können insgesamt rund 1800 Arbeitsplätze entstehen. „Jenseits von Spekulation schaffen wir Werte für die Stadt und sind verlässliche Partner für Mieter, Unternehmen und Fachkräfte“, so der Berlinovo-Chef weiter. Erste Mietinteressenten hätten sich aber bereits gemeldet und seien auch unter den rund 100 zur Spatenstich-Zeremonie erschienenen Gästen „zahlreich“ vertreten, versicherte Aleithe. Namen nannte er allerdings nicht. „Dazu ist es noch zu früh.“
„,S!nn Campus‘ strahlt weit über Berlin hinaus“

Überzeugt, dass der Berlinovo-Turm nicht lange auf Mieterinnen und Mieter warten muss, zeigte sich auch Co-Geschäftsführerin Caroline Oelmann: „Mit dem ,S!nn Campus‘ zeigen wir, wie zwei landeseigene Unternehmen gemeinsam Arbeitswelten schaffen, die weit über Berlin hinausstrahlen.“ Davon profitiere auch Berlin insgesamt: „Hier entsteht ein Umfeld, das Talente anzieht, moderne Zusammenarbeit ermöglicht und den Wirtschaftsstandort Berlin im Wettbewerb der Städte nachhaltig stärkt“, sagte Oelmann.


