In der Nacht zu Mittwoch ist in Schöneberg ein Schuss aus einer Waffe gefallen. Ein Mann wurde dadurch „erheblich verletzt“, wie die Polizei mitteilte. Lebensgefahr soll aber nicht mehr bestehen. Das bestätigte ein Polizeisprecher gegenüber der Berliner Morgenpost.

Der mutmaßliche Täter sei noch auf der Flucht. Den Angaben zufolge ist das Opfer 19 Jahre alt. Wie und warum es zur Tat kam, sei weiterhin unklar. Der Schuss war an der Steinmetzstraße Ecke Bülowstraße zu hören gewesen.

Augenzeuge berichtet über Opfer: „Ein Schuss durch die Leiste“

Der Besitzer eines Kioskes an der Steinmetzstraße ist offenbar der einzige, der etwas von dem Schuss mitbekommen hat. Und war wohl auch der erste. „Gegen 1 Uhr habe ich einen Knall gehört“, erzählt der Mann, der anonym bleiben möchte, dieser Redaktion. „Ich bin sofort raus und habe einen Jugendlichen mit einer Schussverletzung auf dem Boden liegend entdeckt.“

Der Verletzte habe ihm davon berichtet, aus einem Auto mit zwei Insassen heraus beschossen worden zu sein. „Ich habe darauf den Notruf verständigt und habe Servietten geholt, um die Wunde abzubinden“, erzählt der Augenzeuge. Es sei jedoch keine tiefe Wunde gewesen, sondern – so weit er das als Laie sagen könne – ein Schuss durch die Leiste. „Der junge Mann konnte beim Eintreffen der Krankenwagen sogar zu Fuß hinein gehen“, so der Kioskbesitzer. „Ich denke, es ging um etwas Persönliches, einen Streit aus der Vergangenheit vielleicht.“

Schwerverletzte Person Rotlichtviertel
Die Polizei bei der Spurensicherung.© Olaf Wagner | Olaf Wagner

Die Berliner Polizei spricht von einem „Durchschuss im Hüft- und Rückenbereich“, sie ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Sicherheitskräfte waren eine Stunde vor Ort, die Bülowstraße zwischen Potsdamer Straße und der Steinmetzstraße in dieser Zeit vollständig gesperrt.

Zwei Notärzte, zwei Rettungswagen und Sonderfahrzeuge waren im Einsatz und versorgten den 19-Jährigen zunächst in der Steinmetztraße. Später übergaben sie ihn dann an Rettungskräfte, die den jungen Mann in ein Krankenhaus brachten. Dort musste er notoperiert werden. Bei der Absuche wurden unter anderem ein Projektil und eine Hülse entdeckt und sichergestellt.

Gewerkschaft: „Steinmetzkiez Hotspot der Waffengewalt“

Laut einem „t-online“-Bericht seien gegen 1:30 Uhr mehrere Bekannte oder Freunde des Opfers zum Tatort gekommen, wodurch die Stimmung wohl angespannt war. Die Gegend ist indes nicht zum ersten Mal Schauplatz von Schussabgaben. Unweit der Steinmetzstraße, an der Bülowstraße, fielen zuletzt im September 2024 Schüsse – dabei wurde ein wahrscheinlich unbeteiligter Mann getötet.

„Es ist in Berlin Alltag, dass junge Männer aufeinander losgehen und auch bereit sind, Waffen einzusetzen, um den anderen schwer zu verletzten oder gar zu töten“, kommentiert Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. „Der Steinmetzkiez ist einer der Hotspots und wäre in vielen anderen Bundesländern vermutlich die absolute Hot-Spot-Waffenverbotszone.“ Da es in der Hauptstadt davon aber jede Menge Orte gebe, zeige sich erneut, welches Placebo mit den drei aktuellen Verbotszonen aufgestellt wurde, kritisiert Jendro.

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr insgesamt 666 Straftaten mit Schusswaffen. Davon wurde in 363 Fällen geschossen, in 303 Fällen mit einer Schusswaffe gedroht. Damit ist die Zahl der Drohungen gesunken, von 340 in 2023 auf 303 in 2024. Die Zahl der Schüsse ist aber nahezu identisch geblieben (2023: 364). Im Bereich Mord, Raubmord und Totschlag wurde 17 Mal geschossen, bei Raubüberfällen sechs Mal und bei körperlichen Auseinandersetzungen 63 Mal.