Erneut ist es am Donnerstag zu einem Polizeieinsatz an der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau gekommen. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen mussten Polizeikräfte an die Problemschule ausrücken. Auch die Feuerwehr war seit dem Mittag vor Ort. Ein Polizeisprecher sagte dieser Redaktion, es habe eine Auseinandersetzung gegeben, bei der auch Reizgas oder Pfefferspray eingesetzt worden sei.
Sanitäter der Feuerwehr versorgten die betroffenen Jugendlichen. Laut einem Feuerwehrsprecher wurden insgesamt zwölf Kinder leicht verletzt, sie erlitten Atemwegsreizungen und Augenreizungen. „Einer von ihnen hat etwas mehr abbekomen“, so der Sprecher. Er habe vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht werden müssen und werde dort nun behandelt. Die anderen elf Verletzten konnten noch am Nachmittag ihren Eltern übergeben werden. Insgesamt waren 30 Einsatzkräfte der Feuerwehr an der Bergius-Schule im Einsatz.
Medienberichte: Schülerin soll ihren großen Bruder bei Streit um Hilfe gebeten haben
Ein 15-Jähriger soll einem gleichaltrigen Mitschüler Reizgas ins Gesicht gesprüht haben. Gegen den mutmaßlichen Angreifer ermittelt die Polizei nun wegen gefährlicher Körperverletzung. Gegen seinen Mitschüler wegen Körperverletzung und Beleidigung.Bisherigen Erkenntnissen der Polizei zufolge soll der Mitschüler sich zunächst mit der 14 Jahre alten Schwester des Angreifers gestritten haben. Bei dem Streit habe er das Mädchen beleidigt und geschubst, so die Polizei.
Laut „B.Z.“ waren Schüler der 8. und 9. Klasse betroffen. In der Pause habe der Bruder des Mädchens seinen Mitschüler auf den Vorfall angesprochen und ihm dann im Flur des Schulgebäudes unvermittelt Reizgas ins Gesicht gesprüht. Anschließend habe der Angreifer sofort das Schulgebäude verlassen. Die Polizei suchte den Angreifer zu Hause auf und führte eine Gefährderansprache durch. Auch der beteiligte Mitschüler wurde im Krankenhaus von der Polizei ermahnt. Mit einer Gefährderansprache will die Polizei signalisieren, dass sie einen potenziellen Straftäter im Blick hat und fordert ihn auf, ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen.
„Wenn eine Schulverwaltung über Jahr und Tag alle Warn- und Hilferufe aus einer Schule in den Wind schlägt, dann landet man dort, wo man jetzt ist“, kommentiert Andreas Thewalt, Elternvertreter an der Bergius-Schule, den neuerlichen Vorfall. „Nämlich an einer Schule, an der Polizeieinsätze an der Tagesordnung sind.“
Immer wieder Probleme mit gewaltbereiten Schülern
Im November 2024 hatten die Lehrer der Sekundarschule, die von der 7. bis zur 10. Klasse reicht, in einem Brandbrief von Problemen mit aggressiven, gewaltbereiten und bildungsfernen Schülern berichtet. Manche Schüler sprächen kein Deutsch und hätten zuvor noch nie eine Schule besucht. Es gebe eine „bedrohliche Gewaltbereitschaft und verbale Übergriffe“ vor allem der männlichen Schüler, hieß es.
Mitte Januar gab es dann einen Vorfall mit gewaltbereiten Schülern im Umfeld. Nach einer „Jagd“ auf einen Schüler der Bergius-Schule durch Jugendliche anderer Schulen musste die Polizei zu einem größeren Einsatz anrücken. Die Schulleitung berichtete von einem eingegangenen Drohbrief auf Arabisch. Anschließend stand tagelang die Polizei vor dem Eingang.
Neuer Schulleiter trat gerade erst sein Amt an
Erst kürzlich hatte die Friedrich-Bergius-Schule eine neue Leitung bekommen. Der neue kommissarische Schulleiter Engin Çatik nahm seine Arbeit in der Sekundarschule am 24. Januar auf. Bisher leitete der Pädagoge die Johanna-Eck-Schule in Tempelhof. Auch an dieser Schule hatte es vor einigen Jahren zahlreiche Konflikte gegeben, die sich mittlerweile in Luft aufgelöst zu haben scheinen.
Die bisherige Bergius-Schulleiterin wurde „aufgrund von fachlichen Entscheidungen freigestellt“, wie Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) formulierte. „Das Ziel ist es jetzt ganz klar, die Schule zu stabilisieren. Und das passiert.“


