Verkehr

Fahrradspur am Tempelhofer Damm soll 2021 gebaut werden

Von April bis Oktober soll der Fahrradstreifen zwischen Alt-Tempelhof und Ullsteinstraße entstehen. Parkplätze werden kostenpflichtig.

Der Tempelhofer Damm soll sicherer für Fahrradfahrer werden. Ab April nächsten Jahren soll beginnend auf Höhe der Stadtautobahn A100 ein geschützter Radweg gebaut werden.

Der Tempelhofer Damm soll sicherer für Fahrradfahrer werden. Ab April nächsten Jahren soll beginnend auf Höhe der Stadtautobahn A100 ein geschützter Radweg gebaut werden.

Foto: Evergreen Landschaftsarchitekten

Fahrradfahrer können sich freuen. Eine der durch Autos am stärksten frequentierten Straßen Berlins bekommt einen geschützten Fahrradweg. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg will die Fahrradspur auf dem Tempelhofer Damm zwischen dem U-Bahnhof Alt-Tempelhof und Ullsteinstraße im kommenden Jahr bauen. Mittwochabend stellte das Bezirksamt seine Pläne vor – coronabedingt im Rahmen einer Videokonferenz – und gab zusammen mit zwei Planungsbüros auch einen Ausblick auf die geplante Parkraumbewirtschaftung im umliegenden Gebiet.

Damit sowohl Fahrradfahrer als auch Autos auf dem Tempelhofer Damm genug Platz vorfinden, werden auf dem Abschnitt auf beiden Seiten die Parkplätze wegfallen. Fahrradfahrer finden dafür nahezu auf der gesamten Strecke einen zwei Meter breiten Radweg vor, der entweder durch sogenannte Leitboys oder Sperrpfosten von der Fahrbahn der Autos abgegrenzt ist – mit Ausnahmen an den Bushaltestellen. Bisher müssen Radler zwischen den parkenden und fahrenden Autos entlangfahren. Der Fahrzeugverkehr wird auch nach dem Umbau weiterhin auf zwei Spuren in die Innenstadt und wieder zurück rollen können.

Bauarbeiten beginnen an der Stadtautobahn

Sobald die Prüfung der Pläne durch die Senatsverkehrsverwaltung abgeschlossen ist, sollen die Bauarbeiten im April im Norden, also auf Höhe Alt-Tempelhof, beginnen und sich über acht Monate bis zur Ullsteinstraße fortsetzen. Laut Christiane Heiß (Grüne), Tempelhof-Schönebergs Stadträtin für den Fachbereich Straßen, beginne man aber zunächst damit, zwei Taxi-Stände zu verlegen, bevor dann gebaut werde. Während der Arbeiten muss die Fahrbahn auf je eine Spur pro Richtung verringert werden.

Von einem „Verkehrsversuch“ wollte Christiane Heiß nun nicht mehr sprechen. Der Radweg könne mindestens für zehn Jahre bleiben. „Wir wissen, dass die Berliner Wasserbetriebe im Jahr 2025 dort noch nicht bauen werden“, so Heiß. Der Fahrradweg werde also voraussichtlich nicht durch eine Baumaßnahme wieder verschwinden müssen. Insgesamt soll der Tempelhofer Damm auf dieser Strecke aufgewertet werden. Heiß sprach von einer „Modellstraße“, die der Tempelhofer Damm nun werden solle. Offen blieb am Mittwoch, wo Fahrradstellplätze und solche für Lastenräder entstehen könnten.

Parkraumbewirtschaftung könnte in 2021 kommen

Ein zweiter wichtiger Themenblock war die geplante Parkraumbewirtschaftung auf dem Tempelhofer Damm. Diese ist in einem Gebiet zwischen A100 im Norden und Ullsteinstraße im Süden sowie den Bahnanlagen im Westen und der Komturstraße im Osten vorgesehen. Das Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme (IVAS) hat in seiner Bestandsaufnahme 8850 öffentliche Parkplätze auf dem Areal gezählt. Der Großteil davon weist eine Auslastung von 85 bis 100 Prozent auf und ist damit sehr stark frequentiert. Das hat auch zur Folge, das nach einem Parkplatz suchende Autofahrer die Verkehrsbelastung erhöhen.

Um Entlastung in die Gegend zu bringen und damit Lärm und Emissionen zu verringern, ist nun ein Zwei-Zonen-System geplant. In unmittelbarer Nähe zum Tempelhofer Damm sollen die Parkgebühren etwas höher liegen als weiter davon entfernt. Genaue Kosten wurden nicht genannt. Ausnahmen gelten für Anwohner, die mit einem Parkausweis für eine der vier geplanten Anwohner-Parkzonen kostenlos parken können. Darüber hinaus soll eine Beschilderung Autofahrer besser auf die vier Parkhäuser aufmerksam machen, die insgesamt 970 Parkplätze anbieten können. Dazu sollen die Parkhausbetreiber eng mit in die Pläne eingebunden werden.

ADFC begrüßt den Radweg, will aber weiter demonstrieren

Spätestens bis zum Ende des kommenden Jahres will man das Gebiet auf die Parkraumbewirtschaftung umgestellt haben, so Christiane Heiß. Ein Grund dafür sei, dass der Berliner Senat Kosten für beispielsweise Parkscheinautomaten subventioniere.

Stefan Gammelien vom ADFC Tempelhof begrüßte die Neuigkeiten aus dem Bezirksamt sehr. „Wir sind froh, dass der Bezirk sich nun darum kümmert. Leider ist sehr viel Zeit vergangen, die man hätte besser nutzen müssen.“ Seit dem Beschluss durch die Bezirkspolitik im Jahr 2017 setzen sich Initiativen der Fahrradfahrer wie der ADFC aber auch des Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg für den Bau des Radwegs ein. Einmal im Monat demonstriere man deshalb vor dem Tempelhofer Rathaus, dem Sitz von Stadträtin Heiß. „Noch ist nichts in trockenen Tüchern“, sagt Stefan Gammelien. Deshalb wolle man weiter demonstrieren – bis der Radweg gebaut ist.

Infos und Anregungen können Bürger auf mein.berlin.de hinterlassen

Die Videokonferenz vom 4. November 2020 soll zeitnah auf der Internetseite des Straßen- und Grünflächenamts Tempelhof-Schöneberg zu finden sein