Tempelhof-Schöneberg

Erste Spielstraße in Schöneberg als Demo angemeldet

Zum Spielen und Austauschen wird am Sonntagnachmittag auf Anwohnerinitiative die Frankenstraße in Schöneberg gesperrt.

So wünschen sich das manche für ihre Nachbarschaft: Das Foto entstand in der Bänschstraße in Kreuzberg. Der Bezirk hat etliche Straßen zu Spielstraßen auf Zeit erklärt.

So wünschen sich das manche für ihre Nachbarschaft: Das Foto entstand in der Bänschstraße in Kreuzberg. Der Bezirk hat etliche Straßen zu Spielstraßen auf Zeit erklärt.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Am Sonntag soll in Schöneberg erstmalig eine Spielstraße eingerichtet werden. Auf Initiative der Anwohner und der Grünen Tempelhof-Schöneberg wird ein Abschnitt der Frankenstraße in der Zeit von 14 bis 17 Uhr für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Um den kurzzeitigen Freiraum zu ermöglichen, mussten die Initiatoren kreativ werden und haben für den Bereich eine Demo angemeldet. Sofern das Bezirksamt die Genehmigung erteilt, will der Verein Life am 4. Juli die Brünnhildestraße als Spielstraße testen. Im Gespräch ist auch die Steinmetzstraße.

Die Polizei Berlin bestätigte am Freitag, dass für die Frankenstraße zwischen Hexenspielplatz und Kyffhäuserstraße eine Demo mit bis zu 100 Teilnehmern durch die Grünen Tempelhof-Schöneberg angemeldet worden ist. Folglich wird der Bereich durch die Polizei gesperrt. Auch, dass dies eine Spielstraße zum Zweck hat, ist bei der Polizei bekannt. Aus Anwohnersicht sei das Ziel, die Straße über die Zeit der Coronavirus-Pandemie hinaus, regelmäßig als Begegnungsort für die Nachbarschaft zu nutzen.

Anmeldung einer Spielstraße dauert oft lange

„Mir liegt viel daran, den öffentlichen Raum umzugestalten und mehr für Kinder und Fußgänger zu öffnen“, sagt Sabrina Rech, auf deren Initiative die Spielstraße in der Frankenstraße entstanden ist. Seit fünf Jahren lebt sie in der Nachbarschaft. Der Umweg über die Demo sei deshalb nötig gewesen, weil die Umsetzung einfach schneller gehe, sagt sie. „Ich bin sehr gespannt, wie viele Menschen am Sonntag kommen.“

Mit ins Boot geholt hat sie die Grünen Tempelhof-Schöneberg. „Mit unserem Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung haben wir die Grundlage für temporäre Spielstraßen in Tempelhof-Schöneberg geschaffen. Nun wollen wir den BVV-Beschluss endlich mit Leben füllen“, sagt die grüne Bezirksverordnete Annabelle Wolfstrum. Spielstraßen schafften nicht nur während des Coronavirus eine Möglichkeit, sich unter freiem Himmel zu treffen, ergänzt Nina Freund, eine von zwei Kreisvorsitzenden der Grünen Tempelhof-Schöneberg. Man wolle die Anwohner ermutigen, sich mehr für Spielstraßen einzusetzen.

Initiativen wie „Temporäre Spielstraßen“ und „Kiez erfahren“ arbeiten zusammen

Spielstraßen kurzfristig und möglichst unbürokratisch einzurichten, indem zunächst eine Demo angemeldet wird, dieser Methode bedient sich auch das Bündnis „Temporäre Spielstraßen“ schon seit mehreren Jahren. So wurde beispielsweise getestet, ob die Böckhstraße (inzwischen mittwochs 14 bis 18 Uhr Spielstraße) in Kreuzberg angenommen wird, wie Cornelia Dittrich vom Bündnis berichtet. Die Initiative bemühe sich schon seit etwa zehn Jahren und vollkommen unabhängig von der Coronavirus-Pandemie Spielstraßen einzurichten.

Dittrich war am Donnerstagabend Gastrednerin bei einem durch das Projekt „Kiez erfahren“ des Bezirks Tempelhof-Schöneberg organisierten Webinar zum Thema. „Kiez erfahren“ unterstützt Anwohner und Initiatoren bei der Einrichtung von Spielstraßen, organisiert selbst aber keine, berichtet Regine Wosnitza von „Kiez erfahren“. „Es ist deutlich zu spüren, dass ein Interesse da ist“, sagte sie im Anschluss an das Webinar.

Temporäre Spielstraßen: Inzwischen gibt es einige lokale Initiativen

Während des Webinars erläuterte Cornelia Dittrich die Vorgehensweise bei der Anmeldung genauer. Sie problematisierte, dass es bislang keine einheitliche Variante gebe, um Spielstraßen beim Bezirk anzumelden. Und weil der Anfang einer solchen Initiative, also die Motivation der Nachbarn, häufig nicht leicht sei, sei eine Demo der einfachste Weg, eine „Probespielstraße“ einzuführen. „Eine Demo anzumelden, davor schrecken allerdings viele zurück“, sagt Cornelia Dittrich. Die eigentliche Arbeit aber, sagt sie, sei die regelmäßige Betreuung der Straßen durch die Bürger.

Auch nach zehn Jahren gebe es keine Straße in Berlin, die regelmäßig als Spielstraße genutzt werden kann, berichtet Dittrich. Und das obwohl inzwischen auch lokale Initiativen aus anderen Bezirken wie Neukölln oder Pankow dazugekommen sind. In Pankow sei das sechsjährige Engagement nun endlich von Erfolg gekrönt, berichtet Cornelia Dittrich. Dort eröffnen nächste Woche ein Spielabschnitt auf Zeit in der Gudvanger Straße (jeden ersten Mittwoch im Monat von Mai bis Oktober). Die Templiner Straße wird ebenfalls regelmäßig umgenutzt (April bis Oktober jeden Dienstagnachmittag). Diese Straßen seien aber nicht im Zusammenhang mit Coronavirus-Pandemie entstanden, sondern in davon unabhängigen Initiativen, so Dittrich.

Bezirk Tempelhof-Schöneberg richtet selbst keine Spielstraßen ein

Anfang Mai hatten Pankower Eltern die Gudvanger Straße ebenfalls über eine Demonstration testweise sperren lassen. Als weiteren Erfolg ist die Unterstützung des Pankower Bezirksamts zu bewerten: Auf der Internetseite wird erläutert, wie man eine Spielstraße anmelden kann.

In Tempelhof-Schöneberg wolle die Verwaltung selbst keine temporären Spielstraßen betreiben. Das teilte Christiane Heiß (Grüne), Bezirksstadträtin für für Straßen und Grünflächen, am Mittwochabend in ihrer Antwort auf eine mündliche Anfrage der SPD-Politikerin Wiebke Neumann mit. Sinn und Zweck der Spielstraßen solle es vielmehr sein, dass sich „Anwohnende, Initiativen, Kinderläden und anderen Einrichtungen in einer Straße, einem Kiez zusammentun, um eine temporäre Spielstraße zu betreiben.“ Schließlich sind diese es auch, die die Betreuung der Spielräume übernehmen müssen. Bei der Antragstellung unterstützte man aber gern, so Heiß.

Spielstraße in der Brünnhildestraße in Schöneberg beantragt

Über die durch Life angemeldete Spielzone in der Brünnhildestraße will der Bezirk sich nun beraten. Um infrage zu kommen, sollten die Straßen bestimmte Kriterien erfüllen. Von Vorteil ist, wenn es sich um eine wenig befahrene Nebenstraße ohne zwingenden Durchgangsverkehr handele. Alle umliegenden Straßen sollten auch während des gesperrten Abschnitts weiter funktionieren und auch der öffentliche Nahverkehr, also Bus oder Tram, sollten davon unbehelligt bleiben, so die Stadträtin in ihrer Antwort. Es sollten außerdem keine Parkplatzanlagen, Gewerbehöfe oder wichtige Einfahrten durch die Sperrung betroffen sein.

Die Idee der Spielstraßen auf Zeit ist in Zeiten der Coronavirus-Pandemie neu aufgeflammt. Gerade als Konsequenz auf die bis vor einigen Wochen noch gesperrten Spielplätze. Die Initiative „Temporäre Spielstraßen“ gibt es aber weit länger. Vor allem der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gilt als neuer Vorreiter. Seit einigen Wochen und zunächst für zwei Monate werden jeden Sonntag 19 Straßen für die Nachbarschaft gesperrt. Neukölln zieht am Pfingstwochenende nach. Dort werden ab Sonntag erstmalig Abschnitte der Selkestraße, der Hobrechtstraße und zwischen Karl-Marx-Platz und Richardplatz auf Zeit gesperrt.