Coronavirus

Die Corona-Krise im Museum

Das Archiv der Museen Tempelhof-Schöneberg sammelt Dokumente oder Fotos der Pandemie für die Nachwelt.

Wie ausgestellt: Die Mund-Nase-Maske wird wohl zu einem der stärksten Symbole der Corona-Zeit. Die eine oder andere findet sicher auch den Weg ins Archiv von Tempelhof-Schöneberg.

Wie ausgestellt: Die Mund-Nase-Maske wird wohl zu einem der stärksten Symbole der Corona-Zeit. Die eine oder andere findet sicher auch den Weg ins Archiv von Tempelhof-Schöneberg.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Wenn sie endlich überwunden ist, wird die Zeit der Coronavirus-Krise noch vielen Menschen lange in Erinnerung bleiben. Denn für viele bringt sie etliche persönliche Veränderungen mit sich. Eine außergewöhnliche Zeitspanne auf dieser Erde, die auch für Nachwelt nachvollziehbar aufgearbeitet werden soll. Das bezirkliche Archiv der Museen von Tempelhof-Schöneberg ruft deshalb unter „#Collecting Corona“ die Menschen dazu auf, Dokumente und Erinnerungen, die einen Bezug zum Bezirk und zur Coronakrise haben, zu spenden. Einmal ins Archiv eingepflegt, steht die Sammlung Archivbesuchern zur Verfügung. Auch Kuratoren können darauf für Ausstellungen zurückgreifen.

Entwickelt hat die Idee Archiv- und Sammlungsleiterin Marie Becker. Wonach genau sucht sie nun also? „Das kann ganz unterschiedlich sein. Wir nehmen sowohl Fotos als auch Textdokumente und Objekte, zum Beispiel Bilder oder Plakate, an“, sagt Marie Becker. Auch niedergeschriebene Gedanken oder Geschichten können das sein. Nur Ton- und Filmaufnahmen könne man nicht archivieren. „Wichtig ist, dass die Materialien einen Bezug zum Bezirk und natürlich zu Corona haben.“ Beteiligen können sich auch Menschen, die in anderen Bezirken leben.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen in Deutschland finden Sie in unserem Klinik-Monitor.

Collecting Corona: Besondere Zeit soll für andere Generationen konserviert werden

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus veränderten unsere Gesellschaft nachhaltig. „Sie stellen Selbstverständlichkeiten in Frage, fordern den Einzelnen heraus und betreffen alle ohne Ausnahme. Wir wollen diese besondere Situation unbedingt aus der Perspektive der Bewohner und Bewohnerinnen unseres Bezirks festhalten“, sagt Marie Becker.

Denn das Regionalarchiv sammle vor allem persönliche Geschichten und Ereignisse der Bezirksgeschichte, erklärt Becker weiter. Es will dazu beitragen, gesellschaftliche Entwicklungen greifbar und verständlich zu machen. Auch die Zeit der Coronavirus-Pandemie gehöre zu den Ereignissen, bei denen Erinnerung und Erkenntnis für die nachfolgenden Generationen wichtig sein können. „Uns geht es vor allem darum, diese besondere Zeit mit all ihren Widersprüchen und Unsicherheiten für die nachfolgenden Generationen zu dokumentieren“, so die Archivleiterin.

Bezirksstadtrat Steuckardt: „Corona verändert das Leben der Menschen“

Wie lange es dauern wird, die Materialien in den Bestand einzupflegen, könne sie noch nicht abschätzen. Auch die Museen und Archive in Berlin arbeiten aufgrund des Coronavirus noch im Notbetrieb. Marie Becker hoffe aber, dass man die gesammelten Dinge den Menschen schnellstmöglich zur Verfügung stellen kann.

Für Bezirkskulturstadtrat Matthias Steuckardt (CDU) ist klar, dass die Corona-Pandemie das Leben der Menschen verändert hat und nachhaltig verändern wird. „Die Corona-Pandemie hat gewohnte Verhaltensweisen bereits jetzt stark verändert, wenn ich heute in einem Film sehe, wie Menschen sich die Hand geben oder in die Arme fallen, wirkt das auf mich fremd und vertraut gleichzeitig“, sagt Steuckardt.

Er sei sich sicher, dass das Jahr 2020 als „ein Jahr des Umbruchs in die Geschichtsbücher eingehen“ werde. Der Einbruch der Wirtschaft, die Art zu arbeiten oder zu reisen, eben persönliche Verhaltensweisen, die sich in den vergangenen Wochen verändern mussten, hätten Folgen, die noch lange spürbar sein würden. „Bei der Vermittlung von Geschichte sind neben Daten und Fakten ebenso die Gefühle der Menschen essenziell, um Verhaltensweisen nachvollziehen zu können – zur Dokumentation der Gefühlslagen der Menschen soll der Sammlungsaufruf einen Beitrag leisten“, so der Stadtrat.

Museen im Bezirk bereiten neue Ausstellungen vor

Seit dem 11. Mai haben die bezirklichen Kultureinrichtungen wie Museen und Galerien auch im Bezirk wieder geöffnet. In Tempelhof-Schönebergs Häusern wie dem Haus am Kleistpark, dem Tempelhof Museum oder dem Jugend Museum sei die Wiedereröffnung „überall gut angelaufen“, sagt Museums- und Fachbereichsleiterin Irene von Götz. Gäste würden sich problemlos an die Abstands- und Hygieneregeln halten. „Wir freuen uns in jedem Fall sehr über die Öffnungen.“

Seit dem 12. Mai zeigen die kommunalen Galerien drei neue Ausstellungen, die ursprünglich bereits ab März präsentiert werden sollten. So ist im Haus am Kleistpark beispielsweise eine Ausstellung in Kooperation mit dem „Verein der Berliner Künstlerinnen 1867“ zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten, die für den Marianne Werefkin-Preis 2020 nominiert sind.

Im Tempelhof Museum und am Informationsort Schwerbelastungskörper werden zurzeit zwei neue Sonderausstellungen vorbereitet, die im Laufe des Juni gezeigt werden. „Die genauen Zeiten und Bedingungen für die Eröffnungen werden wir zeitnah bekanntgeben“, sagt Irene von Götz. Infos zu den Museen in Tempelhof-Schöneberg sind unter www.museen-tempelhof-schoeneberg.de zu finden.

Fragen und Anregungen zum Sammelaufruf „Collecting Corona“ sind unter archiv@ba-ts.berlin.de möglich.

Coronavirus in Berlin - Das müssen Berliner wissen: