Tempelhof

Platznot im Eckener-Gymnasium in Mariendorf

Elternvertreter haben eine Petition gestartet. Sie fordern, dass Bezirk und Senat auf die unzureichenden Platzverhältnisse reagieren.

Schüler Leonard Beringuier (15, v.l.) und die beiden Elternvertreter Ulrich Neumann und Daniela Jurga setzen sich für eine Erweiterung der Schule ein.

Schüler Leonard Beringuier (15, v.l.) und die beiden Elternvertreter Ulrich Neumann und Daniela Jurga setzen sich für eine Erweiterung der Schule ein.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Ulrich Neumann ist seit vier Jahren Elternvertreter am Eckener-Gymnasium in Tempelhof-Mariendorf. Noten, Lehrmethoden, Schulprofil – nichts hat ihm in dieser Zeit mehr Kopfzerbrechen bereitet als eines: Das Eckener Gymnasium hat ein Platzproblem. Die Klassen sind groß. In vielen Räumen kommen auf 39 Quadratmeter gut 30 Schülerinnen und Schüler. Eine Situation, die eigentlich untragbar ist, sagen Schule und Eltern. Doch Unterstützung von Bezirk oder Senat lassen auf sich warten. In Rahmen einer Petition kamen 526 elektronische und 258 handschriftliche Unterschriften zusammen.

„Wir haben ein massives Raumproblem“, sagt Ulrich Neumann. Neumann hat einen 14-jährigen Sohn am Eckener-Gymnasium und ist einer von 59 Elternvertretern. Vor gut 113 Jahren wurde das Eckener Gymnasium in der Kaiserstraße errichtet. Innen wie außen deutet viel auf die lange Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes hin. Zu diesem Zeitpunkt war es üblich, viel mehr Schüler in einem Raum unterzubringen als das heute der Fall ist, berichtet der Schulleiter Klaus-Peter Bender beim Besuch der Schule in dieser Woche.

Um den heutigen Standard zu erfüllen, würden 1200 Quadratmeter Unterrichtsfläche fehlen, sagt er. „Der Standard für alte Schulen gibt eine Klassenraumgröße von 60 Quadratmetern vor.“ Nur zwei Klassenräume würden diesen Standard erfüllen, so der Schulleiter.

Eckener-Gymnasium: Mittagessen wird im Stehen eingenommen

Mehr als 700 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit das

Eckener-Gymnasium. Bei 20 Klassen (je eine 5. und 6. Klasse, vierzügig von 7. bis 10. Klasse), die das Gymnasium hat, lernen also 18 Klassen auf zu geringem Platz. Es gibt Räume mit 39, 46, 50 und eben zwei mit 60 Quadratmeter Fläche. Hinzu kommt die Oberstufe (11. und 12. Klasse), die auf die Räume zum Teil als Kursräume angewiesen ist. Dabei nutzt die Schule einfach jeden noch so kleinen Raum, etwa den alten Fahrradkeller, um Unterricht zu ermöglichen. Für Gruppenarbeit oder anderes gibt es keine Ausweichmöglichkeiten.

Als besonders heikel zeigt sich die Situation, wenn es um das kostenlose Mittagessen geht, das gut 100 Schüler der fünften und sechsten Klassen seit dem Sommer jeden Tag in der Schule bekommen. Eine Mensa oder Essensausgabe gibt es im Eckener-Gymnasium allerdings nicht. Dafür müsste zunächst umgebaut werden.

Als die Regelung kam, versprach man der Schule eine Lösung mit Containern auf dem Schulhof. „Wir warten“, sagt Ulrich Neumann. Man würde gern „ein Mittagessen mit Tablett, Messer, Gabel und einem richtigen Teller“ anbieten, sagt Schulleiter Bender. Im Moment sei das nicht realisierbar. Bender kritisiert, dass Gesetze erlassen werden, ohne dass die nötigen Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

Rückzugsorte gibt es nicht

So lange dieser Zustand anhält, werden Speisen in einer Papp-Schachtel mit Plastikbesteck in der kleinen Cafeteria ausgegeben. Hier bekommen die Schülerinnen und Schüler eigentlich kleine Snacks wie belegte Brote. In der Mittagspause stünden die Schüler in langen Schlangen in den engen Fluren an, um das Mittagessen zu bekommen. Gegessen wird meist im Stehen, auf dem Schulhof, im Gang, im Klassenraum. „Das ist unwürdig“, sagt Klaus-Peter Bender. Es fehle konzeptionelles Arbeiten, kritisiert der Schulleiter und Lehrer. Um die Situation zu entspannen, seien auch „Fliegende Klassenzimmer“ als Ergänzungsbauten denkbar.

Der einzige Aufenthaltsraum, den die mehr als 700 Schüler und Schülerinnen zur Verfügung haben, ist das Foyer im Erdgeschoss. Ein Rückzugsort für Hausaufgaben, zum Essen oder Austausch ist das nicht. Sitzmöglichkeiten existieren nur eine Hand voll, um den Fluchtweg nicht zu versperren. Derzeit bemühen sich die Eltern darum, Fördergelder zu akquirieren, um ein Stück des Gartens zum Sitzen und Essen herzurichten, berichtet Ulrich Neumann. Dabei schlummert im dritten Stock unter dem Dach ein echtes Schmuckstück: Der großzügige Dachboden steht komplett leer, aber auch er bedarf gewisser Umbauarbeiten, um nutzbar gemacht zu werden.

Begonnene Planungen zum Umbau wurden nicht weiterverfolgt

Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Raumnot in der Schule.

Weil der Bedarf über die Jahre gewachsen ist, hat man bereits in den 70er-Jahren auf das Foyer im zweiten und dritten Obergeschoss verzichtet und durch das nachträgliche Einziehen von Wänden Räume geschafft. Die durch den Bezirk als Schulträger festgelegten Schülerzahlen stiegen über die Jahre, aber an der räumlichen Situation hat sich nichts verändert, kritisieren Eltern und Schulleitung.

Ulrich Neumann legt Planungsunterlagen aus dem 2015 vor, in denen ein Architekturbüro bereits eine neue Raumaufteilung präsentiert. Vorausgesetzt, ein Erweiterungsbau schaffe weitere Kapazitäten von den nötigen 1200 Quadratmetern.

Um diesen zu errichten, solle die Sporthalle auf dem Schulgelände abgerissen und durch einen Neubau mit Klassenräumen ersetzt werden, so die Vision von Schulleitung und Elternvertretung. Eine neue Sporthalle könnte auf dem gegenübergelegenen Grundstück an der Kaiser- Ecke Küterstraße entstehen, so Bender. Dort befindet sich allerdings eine Kleingartenanlage. Laut dem Schulleiter sei diese Fläche bereits im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive als Ersatzfläche ins Visier genommen worden.

Elternvertreter: „Es gibt keine Informationen“

Die Eltern wissen nicht mehr weiter. Obwohl er sich schon so lange

mit dem Thema beschäftige, würden Kontaktaufnahmen mit dem Bezirk letztlich im Nichts enden, sagt Ulrich Neumann. Inzwischen würde er gar keine Antwort mehr auf seine Anfragen erhalten.

„Es fließen keine Information“, sagt Neumann. Bis heute wisse man nicht, wann man mit einer Lösung rechnen kann. Geld zur Verfügung zu stellen allein, reiche nicht, so Ulrich Bender in Richtung Bildungssenatorin Scheeres (SPD).

Aus der Schülerschaft heißt es: „Wir sind unzufrieden.“ Vor allem fehle es an einem Aufenthaltsraum, wo Freistunden verbracht werden können. Es fehle schlicht Platz, um sich „mal breit zu machen“, berichtet ein Schüler. Die Raumnot führe zu Angespanntheit unter vielen Schülern, sagen einige. Das könne auch mal zu Lasten der gut 70 Lehrer gehen.

Bildungssenat will eine „Taskforce Schulbau“ in Tempelhof-Schöneberg einrichten

Eine Tage vorher gestellte Anfrage beim Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg konnte bis Freitag nicht beantwortet werden. Zur Begründung wurde die aktuelle Situation im Rahmen des Coronavirus herangezogen. Die Pressesprecherin aus dem Schulamt verwies außerdem darauf, dass die Investitionspläne zum Schulbau des Berliner Senats derzeit aktualisiert werden. Ein Ergebnis liege noch nicht vor.

Nur knapp auch die Antwort aus der Senatsbildungsverwaltung: „Die Taskforce Schulbau trifft sich mit den Bezirk Tempelhof-Schönberg zeitnah, um die Ausgestaltung von Schulplätzen festzulegen. Der jährliche Monitoring-Bericht wurde stets im Einvernehmen mit dem Bezirk herausgegeben.“