Tempelhof-Schöneberg

Von Überzeugungen und Überzeugungsarbeit

Zwei Amtszeiten war Jutta Kaddatz Stadträtin für die CDU. Zum Monatsende verabschiedet sich die dann 67-Jährige in den Ruhestand.

Der rote Sessel: Er schmückt nicht nur das Büro von Jutta Kaddatz, sondern ist auch stets ihr Lieblingsplatz gewesen.

Der rote Sessel: Er schmückt nicht nur das Büro von Jutta Kaddatz, sondern ist auch stets ihr Lieblingsplatz gewesen.

Foto: Julia Lehmann

Nach zwei Amtszeiten als Bildungs- und Kulturstadträtin geht Jutta Kaddatz mit dem Ende dieses Monats in den Ruhestand. Am Sonnabend ist der 67. Geburtstag der CDU-Politikerin. Es sei an der Zeit, Platz für eine jüngere Generation zu machen, sagt Jutta Kaddatz. Und es sei an der Zeit, sich mehr der Familie zuzuwenden.

Ihr Herz schlug schon immer für den Schulbereich. Viele Jahre war Jutta Kaddatz als Lehrerin tätig, bevor die CDU-Politikerin zur Senatsverwaltung für Bildung wechselte. Dort hatte sie einen Posten im Bildungsbereich inne. „2011 kam ein Anruf, ob ich nicht Lust hätte, ins Bezirkskollegium zu wechseln“, erinnert sich Jutta Kaddatz. Trotzdem ihr die Arbeit im Senat gefiel, nahm sie die neue Herausforderung an. Ihr Insider-Wissen und die gute Vernetzung im Schulbereich seien stets von Vorteil gewesen. „Ich kannte ja jeden Schulleiter im Bezirk.“

Sie erinnert sich gut an die ersten Jahre als Stadträtin. Ein Beispiel: Weil es noch kein digitales Tool im Bezirksamt gab, wurden die angehenden Schüler noch händisch auf die Schulen verteilt. Zum Teil habe sie damit einen Großteil der Sommerferien verbracht, sagt Kaddatz.

In der zweiten Amtszeit fiel für Kaddatz das Ressort Schule weg

Ein kleiner Wermutstropfen kam bei der vergangenen Wahl 2016. Kaddatz wurde in ihre zweite Amtszeit gewählt, die Verteilung der Ressorts änderte sich allerdings. Der Amtsbereich Schule ging an SPD-Stadtrat Oliver Schworck. „Das tat ein bisschen weh“, sagt Kaddatz. Sie übernahm dafür das Amt für Soziales. Unter ihre Verantwortung fielen neben den Bibliotheken, der Seniorenarbeit, der Volkshoch- und Musikschule auch der gesamte Sozialbereich mit den Leistungen des Grundbedarfs und der Pflege.

Ein großer Erfolg wird in diesem Sommer eröffnet werden können: In der neu gestalteten „Alten Mälzerei“ hat sich der Bezirk unter anderem mit Volkshochschule, Musikschule und Bibliothek eingemietet. „All das benötigte stets Überzeugungsarbeit. Ich besitze ja keine Mehrheit in der BVV“, erklärt die CDU-Politikerin. Als Aufgabe mit besonderer Herausforderung habe sie die Entwicklung der Bibliotheken im Bezirk empfunden.

Kaddatz: Bibliotheken sollen Gewinnbringer werden

Den ehemaligen „Hertie“ am Kaiser-Wilhelm-Platz hätte sie gern zu einer modernen Bibliothek umgestaltet. Daraus wurde allerdings nichts. „Das war der erste Ansatz, aus dem ständigen Tief, dem Personalabbau und dem Defizit herauszukommen“, sagt Kaddatz. Und genau dies werde nach ihrer Ansicht eine wichtige Aufgabe für den Nachfolger oder die Nachfolgerin im Amt des Stadtrats. Die Bibliotheken müssten sich endlich zu einem Gewinnbringer entwickelt, sagt Kaddatz.

„Wir sind aus dem Tal der Tränen heraus, aber wir müssen die Orte so interessant gestalten, dass die Menschen dorthin gehen wollen.“ Wen man dabei mehr ansprechen müsse, seien die Senioren. An vielen Stellen fehlen dafür aber im Moment die Räume. Noch vor acht Jahren habe man viele davon abgegeben, weil der Bedarf fehlte. Aus Kaddatz’ Sicht ein Fehler. In der Arbeitsgruppe zur Entwicklung der Bibliotheken wolle Jutta Kaddatz auch in ihrem Ruhestand noch weiter wirken. Gleiches gilt für die Landesfachausschüsse der CDU.

Ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin sollte die „Gabe haben, sich ganz schnell in unterschiedliche Themen einzuarbeiten, gute Rechtskenntnisse und Verbindungen besitzen“, meint Kaddatz. Der neue Stadtrat oder die neue Stadträtin hätte zudem gute Chancen auf die Spitzenkandidatur im Wahljahr 2021.

Christian Zander und Matthias Steuckardt sind Anwärter für den Stadtratssitz

Die CDU Tempelhof-Schöneberg muss nun einen Nachfolger bestimmen. Zwei Kandidaten haben ihr Interesse an dem Amt bekundet. Matthias Steuckardt, CDU-Fraktionsvorsitzender in Tempelhof-Schöneberg, und Christian Zander, Geschäftsführer der CDU-Fraktion, wollen Stadtrat werden. „Ich bin ja bereits kulturpolitischer Sprecher. Das Thema liegt mir sehr am Herzen“, sagt Matthias Steuckardt zu seiner Motivation. Er kenne die handelnden Akteure auf dem Gebiet.

Chancen rechnet sich auch Christian Zander aus. „Ich bin seit 20 Jahren in der Bezirksverordnetenversammlung“, sagt er. Er habe aus diesem Grund einen guten Einblick in verschiedene Bereiche des Bezirks. Wichtig, findet Zander. Beide, und auch jeder andere Anwärter auf den Posten, können sich beim sogenannten Kandidaten-Hearing der Partei, einer Runde zum Fragenstellen am 31. Januar, vorstellen.

Beim CDU-Kreisparteitag am 14. Februar wählen die 96 Delegierten einen Kandidaten, für den die Bezirksverordneten dann möglichst bei der BVV am 19. Februar stimmen sollen. „Ich halte beide für gute Kandidaten“, sagt die Noch-Stadträtin. „Am Ende wird es eine Persönlichkeitsentscheidung.“

Zur Person Jutta Kaddatz:

Aufgewachsen ist Jutta Kaddatz in Neukölln am Herfurthplatz. „Schon als Kind tobte das Leben links und rechts“, sagt sie. Einige Entwicklungen des Kiezes ihrer Kindheit lassen sie schmunzeln. So befinde sich in dem damaligen Gardinenspannladen um die Ecke ein Burgerladen.

In Lankwitz absolvierte Kaddatz ihre Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule. Das zweite Staatsexamen machte sie an der Nahariya-Grundschule in Lichtenrade. Dann wechselte sie an die damalige Ludwig-Heck-Grundschule in Mariendorf, heute Mascha Kaléko-Grundschule, und übernahm später die musikbetonte und zuvor kurzzeitig geschlossene Schätzelberg-Grundschule, die sie sieben Jahre lang leitete. Seit 1975 ist sie mit ihrem Mann verheiratet. Kaddatz hat eine Tochter und zwei Enkelkinder.

Seit 1989 ist sie Mitglied in der CDU Berlin. Von 1995 bis 2007 war sie Mitglied in der Bezirksverordnetenversammlung in Tempelhof-Schöneberg.