Feldkoordination

Tempelhofer Feld: Koordinatoren gewählt - das haben sie vor

Christiane Bongartz und Mathias Link sind unter den neu gewählten Feldkoordinatoren und berichten, was sie in diesem Ehrenamt antreibt.

Das Tempelhofer Feld ist besonders im Sommer ein beliebter Freizeitort.

Das Tempelhofer Feld ist besonders im Sommer ein beliebter Freizeitort.

Foto: euroluftbild.de/Daniel Reiter

Berlin.  Das Tempelhofer Feld hat eine neue Feldkoordination. Im November stimmten Bürger über die 18 angetretenen Kandidaten ab. Neben Vertretern der Verwaltung und dem Betreiber Grün Berlin wirken auch sieben Bürgerinnen und Bürger in dem für drei Jahre gewählten Gremium mit.

Mathias Link (55) stößt ganz neu zu dem Gremium dazu. Christiane Bongartz (63) hingegen kann bereits aus drei Jahren bei der Feldkoordination berichten. Sie beide eint eins: eine besondere Hingabe für das Tempelhofer Feld.

Erst als er vor zweieinhalb Jahren in der „Fliegerwerkstatt“ in einem der Hangar des Tempelhofer Flughafens anfing, tat sich etwas bei ihm. Bei Mathias Link entwickelte sich ein Interesse für diese große, freie Fläche, die wie eine grüne Blase zwischen Tempelhof und Neukölln liegt. Der Schreinermeister betreut in der Jugendeinrichtung „Fliegerwerkstatt“ der Stiftung „social return“ Jugendliche beim Schrauben und Werkeln.

Vorher habe er sich eher wenig mit dem Feld beschäftigt, sagt der Schöneberger. Über den Austausch mit den auf dem Tempelhofer Feld aktiven Initiativen änderte sich das. Dort würde er sein handwerkliches Wissen gern einbringen, merkte Link. Und es entwickelte sich auch der Wunsch an der Entwicklung des Feldes in den nächsten Jahren mitzuwirken.

Aufgaben der Feldkoordination

Die Aufgaben der Feldkoordination sind klar geregelt. Die Mitglieder aus der Bürgermitte garantieren die Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung des Feldes. Sie sollen in engem Austausch mit den Behörden den Entwicklungs- und Pflegeplan (EPP), der im Zuge des Tempelhofer Feld Gesetzes (ThF-Gesetz) entstanden ist, das wiederum im Jahr 2014 zum Schutz und Erhalt des Feldes verabschiedet wurde, umsetzen.

„Die Feldkoordination hat die Aufgabe, eine hohe Qualität und Offenheit der Zusammenarbeit von Bürgerschaft, Politik und Verwaltung zum Tempelhofer Feld entsprechend der ,Charta der Beteiligung’ zu sichern“, erklärt dazu eine Sprecherin der Senatsumweltverwaltung.

Diese Zusammenarbeit zwischen den Akteuren findet entsprechend eines dreisäuligen Beteiligungsmodells bestehend aus der Feldkoordination, dem Feldforum und thematischen Werkstätten statt. Die Feldkoordinatoren treffen keine inhaltlichen Entscheidungen, geben aber Empfehlungen ab. Und sie koordinieren und organisieren vorher vereinbarte Schritte für das Feld.

Mathias Link: „Das Gelände ist weltweit einzigartig.“

Mathias Link wirkt bereits beim Bürgerbeteiligungsverfahren des

Flughafengebäudes mit, das durch die Tempelhof Projekt GmbH betrieben wird. Für ihn erscheint nur sinnvoll, sich auch für das Feld selbst zu engagieren, dessen Bedeutung für ihn klar auf der Hand liegt: „Das Gelände ist weltweit einzigartig.“

Urbane Freiräume sollten auch in Städten zur Verfügung stehen, findet er. Aus der Jugendarbeit weiß Link, wie wertvoll diese für Kinder und Jugendliche sind. „Man nimmt den Jugendlichen in der Stadt sonst viele Erfahrungsräume“, sagt er.

Wie begehrt das Feld tatsächlich ist, zeigen Zahlen: „An warmen Tagen halten sich gern mal 50.000 Menschen auf dem Tempelhofer Feld auf“, hat Link recherchiert. Er sieht in seinem Ehrenamt in der Feldkoordination gleichzeitig die Möglichkeit, sich für dessen Erhalt einzusetzen. Ihm sei wichtig, dass das Tempelhofer Gesetz auch umgesetzt wird und das Feld frei von jeglicher Bebauung bleibt und dem Volksentscheid entsprochen wird.

Tempelhofer Feld: Immer wieder Bebauungspläne im Raum

Mehr als zehn Jahre nach der Schließung des Tempelhofer Flughafens wurde viel am Feld gezerrt und über seine weitere Nutzung diskutiert. Der SPD-Landesverband und die Fraktion im Abgeordnetenhaus hatten eine Randbebauung des Feldes immer wieder mal in den Raum gestellt. Auch auf Bezirksebene hatten sich Unterstützer gemeldet. Bürger lehnten eine Bebauung in einem Volksentscheid ab. In dieser Wahlperiode wird deshalb nicht mit einer neuen Entscheidung dazu erwartet. „Aus meiner Sicht wäre es sehr viel sinnvoller, ländliche Infrastrukturen zu schaffen“, sagt Link. Das würde die naturnahen Regionen im Umkreis schonen und den Verkehrsstrom ins Umland kleiner halten.

Dem kann sich Christiane Bongartz nur anschließen. Sie

war bereits in der vor drei Jahren erstmalig gewählten Feldkoordination aktiv. Sie sagt: „Das Feld hat für die Bürger einen echten Mehrwert.“ Trotz seiner NS-Geschichte sei es für viele Menschen ein Symbol der Freiheit. Die 63-Jährige guckt von ihrer Wohnung aus jeden Tag aufs Feld. Viele Berliner würden sicher gern mit ihr tauschen.

Als Mitbegründerin der Initiative „100% Tempelhofer Feld“ war für sie vor mehr als drei Jahren klar, dass sie sich auch in der Feldkoordination engagieren will. Diesem Ehrenamt neben dem Betrieb ihres Lichtspielhauses in Mecklenburg-Vorpommern nachzugehen, erfordere ein gewisses Zeitmanagement, denn es ist zeitintensiv, sagt Christiane Bongartz.

Tempelhofer Feld: EPP soll schneller vorangebracht werden

Für die 63-Jährige steht ebenso oben auf der Agenda: der Entwicklungs- und Pflegeplan müsse schneller vorangetrieben werden. Baumpflanzungen und Toilettenbau aus der vergangenen Periode hätten zu lange gedauert. „Der EPP soll kein Masterplan werden, der Jahre in Anspruch nimmt“, sagt Bongartz. In den nächsten Jahren sollen nun auf der Seite des Columbia Damm Sportflächen entstehen, am Tempelhofer Damm Erholungsareale. Der zentrale Bereich ist für den Naturschutz belegt.

Vorschläge wie die der CDU, den Innenbereich mit einem Wald aufzuforsten, tauchen deshalb weder bei Christiane Bongartz noch bei Mathias Link auf. Man würde außerdem die für das Klima so wertvolle Freifläche letztlich „verbauen“. Das Tempelhofer Feld ist eine sichere Quelle für Kaltluftströme, berichtet Bongartz.

Beide wollen durch ihr Engagement auch deutlich machen: Bürgerbeteiligung kann Wirkung zeigen. Aber an der öffentlichen Wahrnehmung der Feldkoordination müsse man noch arbeiten, sagen beide. Vielleicht landen dann mehr Wahlzettel als die 163 aus diesem Jahr in der Wahlurne.

www.tempelhofer-feld.berlin.de