Bildung

1300 Grundschulplätze werden gebraucht - nur 144 geplant

In Tempelhof-Schöneberg sind zusätzliche 144 Schulplätze geplant - 1300 aber fehlen. Wie Schulstadtrat Oliver Schworck das erklärt.

An den Grundschulen in Berlin fehlen dringend zusätzlich benötigte Plätze. In Tempelhof-Schöneberg und auch in anderen Bezirken eine bedenkliche  Lücke.

An den Grundschulen in Berlin fehlen dringend zusätzlich benötigte Plätze. In Tempelhof-Schöneberg und auch in anderen Bezirken eine bedenkliche Lücke.

Foto: Philipp Schulze / dpa

Berlin.  In Tempelhof-Schöneberg sind bislang nur 144 zusätzliche Grundschulplätze bis zum Schuljahr 2021/22 geplant. Das ist lediglich ein Zehntel dessen, was in knapp zwei Jahren nach den derzeitigen Prognosen benötigt wird. Danach werden in zwei Jahren in dem Bezirk knapp 1300 Plätze für Grundschulkinder fehlen. Diese alarmierende Platzlücke gab Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) auf eine Anfrage der CDU-Fraktion in der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung bekannt. Die Aussage liegt auch schriftlich vor.

„Ein Teil ist fest geplant“

Wie kann das sein: 1300 benötigte Plätze - und nur 144 sind in der Planung? „Wir gehen davon aus, dass bis zum Schuljahresbeginn 2021/22 maximal 1300 Plätze zusätzlich geschaffen werden müssen, sagte Schworck auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Ein Teil dieser Plätze ist bereits fest geplant - durch mehr Klassen oder räumliche Verdichtungen in den Schulen.“

Und was ist mit dem großen Rest? „Bislang waren zusätzlich für acht Schulstandorte sogenannte fliegende Klassenzimmer vorgesehen, doch die zuständlichen Bauabteilung hat momentan keine Ressourcen, um die Planungen voranzutreiben“, bedauert der Schulstadtrat.

„Acht fliegende Klassenzimmer geplant“

Vorgesehen sind in der Investitionsplanung des Landes Berlin von 2019 bis 2023 acht zusätzliche Gebäude in modularer Holzbauweise an der Werbellinsee-Grundschule, der Neumark-Grundschule, der Kiepert-Grundschule, der Grundschule am Dielingsgrund, der Ikarus-Grundschule, der Solling-Grundschule, am Eckener-Gymnasium und am Georg-Büchner-Gymnasium. 45 Millionen Euro an Ausgaben hat man dafür beim Senat angemeldet. Doch nun fehlt offenbar das Personal im Bezirk, um die eigenen Pläne umzusetzen.

Zwei Schulen in modularer Holzbauweise in Betrieb

Bereits seit Ostern ist ein von der Bauabteilung in Tempelhof-Schöneberg konzipiertes „Fliegendes Klassenzimmer 1.0“ an der Schule auf dem Tempelhofer Feld am Schulenburgring in Betrieb. Nach einer europaweiten Ausschreibung hat der Bezirk laut Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) für das Generalunternehmen Blumer-Lehmann, ein Holzfachbetrieb aus Gossau bei Zürich, mit dem Bau beauftragt.

Die einzelnen Module wurden in nur vier Monaten industriell in der Schweizer Fabrik vorgefertigt, in drei Tagen mit dem Lkw nach Berlin gebracht – und dann vor Ort zusammengefügt. In lediglich vier Tagen waren die Teile dann vor Ort aufgebaut. 2,2 Millionen Euro kostet ein solches „fliegendes Klassenzimmer“. Die modularen und mobilen Holzbauten können mindestens fünfmal an verschiedenen Standorten eingesetzt werden und verfügen dem Hersteller zufolge über eine voraussichtliche Nutzungsdauer von 30 Jahren. Mehr als 90 Prozent der Materialien könnten beim Wiederaufbau wiederverwendet werden, heißt es. Auch die 3,60 Meter langen Schraubfundamente, die in den Boden gebohrt werden. Seit Beginn dieses Schuljahres im August werden Schüler in einem solchen modularen Holzbau auch an der Tempel-Paul-Klee-Grundschule in Tempelhof unterrichtet.

Der Bezirk arbeitet inzwischen auch an einer mehrgeschossigen Variante „Fliegendes Klassenzimmer 2.0“, um noch mehr Schüler unterzubringen. Er hat angeboten, sie auch für die anderen Bezirke zu konzipieren und will dafür vom Senat zusätzliche Planstellen finanziert bekommen. Das Interesse an dem Projekt ist laut Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) bei fast allen Bezirken groß.

Stellt sich aber die Frage: Wie soll Tempelhof-Schöneberg die zusätzliche Arbeit bewältigen, wenn der Bezirk bei seinen eigenen Planungen schon nicht hinterherkommt?

Stadtrat Schworck zuversichtlich

Noch, so meint Schulstadtrat Schworck, könne er gut schlafen. Er mache sich noch keine großen Sorgen, dass Tempelhof-Schöneberg in zwei Jahren vor unlösbaren Problemen steht. „Es ist davon auszugehen, dass wir am Ende doch weniger Plätze schaffen müssen als die zuletzt prognostizierten 1300“, sagte Schworck. Denn auch die Wohnungsvorhaben kämen nicht so voran, wie geplant. Auch sei derzeit nicht kalkulierbar, wie viele Familien in den Bezirk ziehen oder ihn verlassen. Zuzug meldet vor allem Tempelhof. Notfalls müssten Container aufgestellt werden. „Wir brauchen auch mehr Schul-Kapazitäten in Mariendorf“, sagte Schworck.

Schule statt Kleingärten

Gleichzeitig verteidigte der Stadtrat im Zusammenhang mit dem steigenden Bedarf den umstrittenen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung, die bisherige Kleingartenkolonie Eschenallee als künftigen Schulstandort vorzusehen. „Dort könnten wir allerdings frühestens im Jahr 2021 mit den bauvorbereitenden Maßnahmen beginnen“, betonte Schworck. An dem Standort ist vorerst ein moduler Holzbau geplant, der dann laut Schworck fünf Jahre stehen bleiben soll. Später könnten Schüler von dort möglicherweise in den aufzubauenden Grundschulzweig an der Johanna-Eck-Schule wechseln, so Schworck. Die integrierte Sekundarschule will Gemeinschaftsschule werden.

Kritik aus der oppositionellen CDU

Der Bildungsexperte der CDU in Tempelhof-Schöneberg, Christian Zander, kritisiert das Planungschaos und reagierte betroffen auf die Aussage, dass die fliegenden Klassenzimmer nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt kommen könnten. „Für die Eltern, die ohnehin schon in Sorge sind, bedeutet das neue Ungewissheit“, sagte Zander. Ein besonderes Augenmerk müsste außerdem auf die beschleunigte Fertigstellung der geplanten neuen Grundschulstandorte am Tempelhofer Weg und in der Otzenstraße liegen. Dies würde für eine deutliche Entlastung sorgen.