Millionen-Investition

Johanna-Eck-Schule will Gemeinschaftsschule werden

Die in die Schlagzeilen geratene Johanna-Eck-Schule in Tempelhof will Gemeinschaftschule werden. Das sorgt für Verwunderung.

Die Johanna-Eck-Schule in Tempelhof kämpft mit Problemen und soll nun zur Gemeinschaftsschule umgebaut werden.

Die Johanna-Eck-Schule in Tempelhof kämpft mit Problemen und soll nun zur Gemeinschaftsschule umgebaut werden.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Die Johanna-Eck-Schule in Tempelhof, die Schlagzeilen machte, weil Geld in einem Geheimtresor hinter einem Bilderrahmen entdeckt worden war, will Gemeinschaftsschule werden. Voraussichtlich in einer der nächsten beiden Sitzungen nach der Sommerpause - im August oder September - will das Bezirksamt einen entsprechenden Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einbringen. Dem zugrunde liegt ein Beschluss der Schulkonferenz. Auch wenn die BVV noch nicht zugestimmt hat, laufen schon jetzt die baulichen Vorbereitungen.

In einer Gemeinschaftsschule lernen alle Schüler von Klasse 1 bis 10 zusammen. Alle Schulabschlüsse können dort erworben werden, auch ist es möglich, die Schule bis zur 13. Klasse zu besuchen und das Abitur zu machen. Allerdings wird dies nicht überall angeboten. Zum Schuljahr 2019/20 gibt es rund 40 solcher Schulen in Berlin, in Tempelhof-Schöneberg bislang nur die Friedenauer Gemeinschaftsschule an der Rubensstraße in Schöneberg.

CDU sieht Umwandlung skeptisch

SPD und Grüne stehen hinter dem Projekt, die oppositionelle CDU sieht die geplante Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule sehr skeptisch. Das liegt vor allem an der unübersehbaren Führungskrise, in der sich die Schule befindet.

Lehrer bewerben sich weg, weniger Anmeldungen

Bezirksverordnete der rot-grünen Zählgemeinschaft in der Bezirksverordnetenversammlung haben jetzt zusammen mit zwei Stadträten die Johanna-Eck-Schule besucht. Nach internen Querelen und Missständen befindet diese sich zurzeit in einer Abwärtsspirale. Viele Lehrer haben sich wegbeworben, die Schüleranmeldungen gingen zurück.

Ausschlaggebend für den angeschlagenen Ruf der integrierten Sekundarschule sind laut Insidern nicht nur die Negativ-Meldungen über den ungewöhnlichen Umgang mit den Finanzen, sondern vor allem das schlechte Klima zwischen Lehrern und der Leiterin Mengü Özhan-Erhardt. Sie führt seit 2016 die Schule und hatte aufgedeckt, dass in einem Geheimtresor Tausende von Euro gelagert wurden.

Untersuchungsgruppe eingesetzt

Es soll sich um Elternbeiträge für Schulbücher gehandelt haben. Außerdem gab es über Jahre ein illegales Projektkonto, wie die Überprüfung durch eine im Oktober 2018 nach Bekanntwerden der „schwarzen Kasse“ durch die Bildungssenatsverwaltung eingesetzte Untersuchungsgruppe weiter ergab.

Zudem stellte sich heraus, dass die Schule bei der Bildungsverwaltung mehr Kinder für das Unterrichtsjahr 2017/18 am Religions- und Weltanschauungsunterricht gemeldet hatten als die Schule besuchen.

Bei der Aufarbeitung der Vorfälle, die sich noch unter der früheren Leitung ereignet hatten, verschärfte sich das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen der derzeitigen Schulleiterin und einem Teil des Lehrerkollegiums. Die Rede war bald von einem Klima der Angst und Spaltung. Viele kritisieren den Führungsstil.

Größte Schulinvestition geplant

Nun sucht die Johanna-Eck-Schule nach einem Ausweg aus dem Abwärtstrend. Dort steht die größte Schulinvestition im Bezirk bevor. 51,5 Millionen Euro sollen in den Umbau und die Erweiterung der Schule fließen. Geplant ist nicht nur eine neue Sporthalle, sondern auch eine neue Grundschule. Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) sagte der Berliner Morgenpost: „Wir freuen uns, wenn eine Schule sich die Entwicklung zur Gemeinschaftsschule vorstellen kann.“

Die Vorteile seien, dass von der ersten bis zur obersten Klasse die Schüler zusammen bleiben und in einem dauerhaften Klassenverbund unterrichtet werden. Es herrsche weniger Leistungsdruck. Somit hätten die Schüler mehr Zeit, sich zu entwickeln. Die dringend sanierungsbedürftige Schule werde nun so umgebaut, dass die Option auf eine Gemeinschaftsschule entsteht. „Bis es so weit ist, wird es allerdings noch ein paar Jahre dauern“, sagte Schworck.

SPD-Fraktionschefin Hoeppner unterstützt das Projekt

Die Schaffung einer weiteren Gemeinschaftsschule im Bezirk ist im Zählgemeinschaftsvertrag von SPD und Grüne als Ziel festgelegt. „Unser gemeinschaftlicher Wunsch war es eine weitere Schule im Alt-Bezirk Tempelhof einzurichten“, betonte die SPD-Fraktionschefin in Tempelhof-Schöneberg, Marijke Höppner. Sie fügte hinzu: „Ich würde mein Kind gern auf eine Gemeinschaftsschule schicken.“ Sie beeindruckte, dass zehn Lehrer die Politiker-Gruppe bei ihrem Besuch begleiteten. „Es wurde dabei deutlich: Sie stehen hinter dem künftigen Konzept. Sie wollen das.“

Die schulpolitische Sprecherin der Grünen im Bezirk, Martina Zander-Rade, sagte: „Wir Grünen stehen voll und ganz hinter der Idee der Gemeinschaftsschule, weil wir glauben, dass langes gemeinsames Lernen zum Erfolg führt.“ Grünen-Fraktionschef Rainer Penk sieht in der Weichenstellung für die Johanna-von-Eck-Schule ein Beispiel für „grüne und sozialdemokratische Schulpolitik“.

Drei Millionen Euro kostet die neue Mensa

Damit meint der Grünen-Politiker nicht nur das durchaus umstrittene Gemeinschaftsschul-Projekt. Hier werde auch modern, umweltgerecht und energetisch gebaut,betonte Plenk. Für knapp drei Millionen Euro wird bis zum Ende des Jahres die Mensa fertig gestellt werden, wie Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) erläuterte. Sie soll nur 350 Schülern Platz bieten, sondern in der auch ein von den Schülern betriebenes Café zum Treffpunkt des Kiezes werden soll.

Christian Zander, CDU: Zeitpunkt verwundert

So gut die Gemeinschaftsschul-Pläne bei Rot-Grün ankommen, so kritisch werden sie bei der Opposition gesehen. Der schulpolitische Sprecher der Union, Christian Zander, sagte auf Anfrage: „Mich wundert der Zeitpunkt sehr, an dem SPD und Grüne das schon länger an der Schule beschlossene Konzept vorantreiben.“ Er stellt in Frage, dass der Schule in ihrem derzeitigen ungeordneten Zustand überhaupt zuzutrauen ist, eine Grundschule aufzubauen.

Der Bezirk habe schon mit der dringend notwendigen Sanierung der Friedenauer Gemeinschaftsschule zu kämpfen, so Zander weiter. An dieser Schule wird seit Jahren gebaut. Die Fertigstellung dort sollte Vorrang haben, betonte der Bezirksverordnete. Die Friedenauer Gemeinschaftschule war aus einer Grundschule und einer Oberschule entstanden - und will nun einen gymnasiale Oberstufe aufbauen. Dafür fehlen bislang die baulichen Voraussetzungen.