Medizinische Versorgung

Auguste-Viktoria-Klinikum bekommt Neubau

Vivantes will voraussichtlich 120 Millionen Euro in einen Neubau auf dem Gelände des Auguste-Viktoria-Klinikums investieren.

Das neue Hauptgebäude des Auguste-Viktoria-Klinikums, wie es nach der Fertigstellung aussehen soll.

Das neue Hauptgebäude des Auguste-Viktoria-Klinikums, wie es nach der Fertigstellung aussehen soll.

Foto: MHB Planungs- und Ingenieurgesellschaft MbH

Das Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg wird modernisiert. Das historische Gebäude, ein weißer Gründerzeitneubau an der Rubensstraße, genügt offenbar nicht mehr den Anforderungen eines modernen Krankenhauses. Der Betreiber Vivantes plant deshalb auf dem Gelände für voraussichtlich rund 120 Millionen Euro einen Neubau.

„Die alte Pavillonstruktur des historischen Klinikums mit seinen vielen Einzelgebäuden wird durch einen Komplex aus fünf Baukörpern ersetzt“, kündigte Deutschlands größter kommunaler Krankenhauskonzern an.

Vivantes-Chefin: Ein komplett neues Krankenhaus entsteht

Andrea Grebe, Vorsitzende der Geschäftsführung von Vivantes, erläutert das Projekt. „Wir bauen hier praktisch ein komplett neues Krankenhaus. Damit investieren wir in eine bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten für die kommenden Jahrzehnte.“

Das baulich umstrukturierte Klinikum werde dafür sorgen, dass die Arbeit der Mitarbeiter erleichtert wird, die Patienten zeitgemäßer untergebracht werden – und eine qualitativ bessere Versorgung ermöglicht wird, sagte die Vivantes-Chefin.

Der zentrale Haupteingangsbereich wird nach dem Umbau künftig im geplanten Neubau am Grazer Damm zu finden sein. Wie die bisherigen Gebäude künftig genutzt werden, ist offenbar noch offen. „Wir stehen an diesem Punkt erst am Anfang der Planungen“, sagte eine Vivantes-Sprecherin auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Auf alle Fälle wird das Gelände neu geordnet.“

Im Neubau wird der Zentral-Operationsbereich mit dann zwölf OP-Sälen untergebracht. Dies ermögliche kurze Wege zur neuen Rettungsstelle und den darüber liegenden Stationen, heißt es.

Bau in Etappen

Gebaut wird in zwei Etappen. Der erste, bereits begonnene Bauabschnitt, in dem die ersten sechs OP-Säle entstehen, soll bis Ende 2021 beendet sein, der zweite dann 2024. Operieren sollen in dem neuen Haus alle am Auguste-Viktoria- Klinikum vertretenen Fachrichtungen wie die Unfallchirurgie und die Bewegungschirurgie, zu der etwa Hüft-Operationen zählen.

Auch die Wirbelsäulenchirurgie, Plastische Chirurgie, Urologie, Gynäkologie, Viszeralchirurgie (innere Organe) und Gefäßchirurgie wird dann dort tätig sein. Kardiologie und Radiologie sowie Endoskopie werden ebenfalls ihren Platz haben. Bereits fertig ist eine neue Technikzentrale am Grazer Damm. Diese versorgt die Neubauten künftig unter anderem mit Wasser und Wärme.

Der Grundstein für das heutige Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK) wurde bereits 1903 gelegt. Es ist von einem großzügigen Park mit altem Baumbestand umgeben. Namensgeberin war Auguste Viktoria, die letzte Deutsche Kaiserin und Königin von Preußen. Heite ist es ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 692 Betten. In zwölf medizinischen Fachabteilungen werden den Angaben von Vivantes zufolge jährlich etwa 70.000 Patienten behandelt, davon etwa 47.000 ambulant und 23.000 stationär.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalaycik (SPD) begrüßt das Vorhaben. „Berlin wächst im Bundesmaßstab überproportional, auch im Südwesten. Das macht es erforderlich, in die soziale Infrastruktur zu investieren – natürlich auch in die medizinische Versorgung und in moderne Krankenhäuser.“

Enge Kooperation der Kliniken

Die bauliche Neuordnung des Schöneberger Klinikums sei der richtige Schritt, um die qualitativ gute medizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger auch mit Intensivmedizin in Zukunft sicherzustellen, so die Senatorin.

Ob sich die Neubaupläne allerdings auf das ebenfalls von Vivantes betriebene Wenckebach-Klinikum in Tempelhof auswirken werden, ist derzeit noch unklar. Die beiden Kliniken arbeiten bislang eng zusammen. Die meisten medizinischen Experten sind standortübergreifend tätig.

Zum Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH gehören neben neun Krankenhäusern unter anderem 13 Pflegeheime und zwei Seniorenwohnhäuser und ein Hospiz.

Im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg wird ebenfalls begrüßt, dass Vivantes in das Auguste-Viktoria-Klinikum investiert. Auf eine mündliche Anfrage des Lichtenrader CDU-Bezirksverordneten Hagen Kliem hin betonte der zuständige Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD): „Der Neubau ist eine kosteneffiziente Maßnahme zum Erhalt der medizinischen Aufgaben.“ Das sei aufgrund der maroden Bausubstanz des jetzigen Klinikums auch dringend notwendig.

Sorge um Weiterbetrieb des Wenckebach-Klinikums

Ob ein berechtigter Anlass zur Sorge bestehe, dass das Wenckebach-Klinikum durch den Ausbau des Auguste-Viktoria-Krankenhaus womöglich ab 2024 aufgegeben wird, wollte der Bezirksverordnete weiter wissen. „Darüber sind nach meinem Kenntnisstand noch keine Entscheidungen getroffen worden“, antwortete Schworck.

Veränderungen stehen auch beim St.-Joseph-Krankenhaus an, das an der Wüsthoffstraße in Tempelhof pro Jahr über 74.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Mit 495 Betten ist es das größte katholische Krankenhaus in Berlin. Der Elisabeth Vinzenz Verbund plant, in den nächsten Jahren die akutmedizinischen Abteilungen des St.-Joseph- und des Franziskus-Krankenhauses an einem Standort zusammenzuführen. Geprüft wird dazu ein Neubau auf dem von den Wasserbetrieben als Stützpunkt für Einsatzfahrzeuge genutzten Gelände am Südkreuz. Noch laufen dazu die Gespräche mit dem Bezirk und den beteiligten Senatsverwaltungen.

Da es am derzeitigen Standort kaum Erweiterungsmöglichkeiten gebe, sei ein Neubau nachvollziehbar, sagte Gesundheitsstadtrat Schworck. Standortentscheidungen oder Sanierungspläne gebe es aber noch nicht.

Auf die besorgte Nachfrage des Bezirksverordneten, was es für die Lichtenrader, Marienfelder und Mariendorfer bedeute, wenn das St.-Joseph-Krankenhaus verlagert werde und das Wenckebach-Klinikum geschlossen würde, antwortete Schworck: „Für diesen Fall stünden grundsätzlich ausreichende, bezirksübergreifende Versorgungskapazitäten für die Bürger zur Verfügung.“